Lebensdaten
1714 bis 1787
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Monrepos bei Lausanne
Beruf/Funktion
preußischer und schweizerischer General
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118571613 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lentulus, Robert Scipio von
  • Linsner, Rupert Scipio
  • Linsner, Robert Scipio
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Zitierweise

Lentulus, Rupert Scipio von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571613.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. urspr. waldens. Fam. Linsner, d. ihren Namen latinisierte u. sich altröm. Vornamen gab u. Ende 16. Jh. d. Berner Bürgerrecht erwarb (s. HBLS). V Cäsar Joseph (1683–1744, kath.), kaiserl. FML u. Kommandant v. Kronstadt, S d. Robert Scipio (1650–1712), Mitgl. d. Gr. Rats in Bern, u. d. Joh. Rosine v. Morlot;
    M Maria Elisabeth (1681-n. 1732), T d. Georg David Wagner v. Wagenheim, kaiserl. Oberregent d. Fürstentümer Oppeln u. Ratibor, u. d. Suzanne v. Schassignet;
    Berlin 1748 Maria Anna (1720–54), T d. Friedrich Bogislav Gf. v. Schwerin (1674–1747), preuß. Staats- u. Kriegsmin., u. d. Helene Dorothea v. Kanitz; Schwager Friedrich Albrecht Gf. v. Schwerin (1717–89), preuß. Gen.-Major (s. Priesdorff II, S. 28-30, P);
    4 S, 1 T.

  • Leben

    L. trat jung in kaiserl. Dienste, focht in verschiedenen Schlachten und führte auch diplomatische Missionen durch. Bei der Einnahme Prags 1744 durch die Preußen soll er als Mitglied der österr. Besatzung die Unterzeichnung der Kapitulation verweigert und seinen Degen zerbrochen haben; durch diese Mannhaftigkeit sei er Friedrich d. Großen aufgefallen, der ihn – zunächst vergeblich – in seinen Dienst zu ziehen versuchte. L. kehrte er in seine Vaterstadt Bern zurück, wo er als Angehöriger des Patriziats in den Gr. Rat eintrat. Als ihm der Alte Dessauer eine Offiziersstelle im preuß. Heeresdienst anbot, nahm er an, stieg rasch in der Gunst Friedrichs d. Großen, der ihn mit der Tochter eines Staatsministers verheiratete. L. zeichnete sich in den Schlachten von Lobositz, Prag, Kolin, Roßbach und besonders Leuthen so sehr aus, daß ihn der Monarch in hohe militärische Stellen beförderte. Neben Zielen und Seydlitz gab er der preuß. Kavallerie ihr Gepräge. Beim Einzug des Königs in Berlin nach Beendigung des 7jährigen Krieges saß er in der Kutsche neben Friedrich.

    Nach 20 Jahren Landesabwesenheit kehrte L., als Kriegsheld gefeiert, in seine Heimat zurück. Der bern. Kriegsrat bat ihn um ein Gutachten über das heimische Militärwesen. L. erkannte dessen Mängel und legte sie unumwunden dar. In Denkschriften kritisierte er das geltende, nach preuß. Muster verfaßte Exerzierreglement und suchte es bern. Bedürfnissen anzupassen: Man solle den Bauer, der „aus Ehre dient“, nicht mit gnadenlosem Drill entmutigen; man müsse ihn schonen, aber zugleich zu großen Märschen und zum Scharfschießen schulen. L. empfahl, die verschiedenen Waffengattungen zu Übungslagern zu vereinigen und die Offiziere in jährlich wiederholten Manövern weiterzubilden. Aber nur einige seiner Anregungen wurden aufgenommen, andere aus Sparsamkeit nicht befolgt. Großen Eindruck hinterließen die von ihm 1767 auf dem Kirchenfeld bei Bern mit 1 570 Mann organisierten Feldübungen, der sogenannte Lentulus-Camp, wo die Berner die ritterliche Erscheinung und das Feldherrntalent ihres Mitbürgers bewunderten. – Nach Preußen zurückgekehrt, wurde er mit der Beilegung eines im Fürstentum Neufchâtel ausgebrochenen Konfliktes betraut, eine heikle Aufgabe, die er zur großen Zufriedenheit Friedrichs und der Berner löste. Zum letzten Mal zog L. im Bayer. Erbfolgekrieg zwischen Österreich und Preußen 1778 zu Felde und kam dann, 65jährig, um seine Entlassung ein. Er übersiedelte in seine Vaterstadt Bern. Sie verschaffte ihm die einträgliche Landvogtei Köniz und gewährte ihm, als er in Geldverlegenheit geriet, ein ansehnliches Jahresgehalt. Als 1782 in Genf Ständekämpfe ausbrachen, besetzte L. mit 2 000 Bernern die verbündete Stadt und rettete sie damit vor den Nachstellungen Frankreichs. In seinem Todesjahr präsidierte er die Versammlung der Eidgenössischen Militärischen Gesellschaft; er trat nachdrücklich für die Vereinheitlichung des Wehrwesens ein.

  • Literatur

    ADB 18;
    F. L. Haller, Leben d. Herrn R. S. v. L., 1787;
    E. Blösch, in: Slg. bern. Biogrr. I, 1884, S. 46-48;
    H. v. Catt, Unterhaltungen mit Friedrich d. Gr., 1884;
    R. v. Tavel, Gen. R. S. v. L., 1921: R. Witschi, Friedrich d. Gr. u. Bern, 1926;
    F. A. Volmar, Gen. L., 1936 (P);
    R. v. Fischer, Die Denkschrr. d. preuß. Gen. R. S. v. L. üb. d. Reform d. Berner Miliz v. J. 1767, 1942;
    R. Feller, Gesch. Berns III, 1955;
    Wurzbach 14;
    Priesdorff I, S. 456 f. (P).

  • Portraits

    Radierung v. A. Bachelin, 1788, Abb. b. Volmar, s. L.

  • Autor/in

    Edgar Bonjour
  • Empfohlene Zitierweise

    Bonjour, Edgar, "Lentulus, Rupert Scipio von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 220 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571613.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lentulus: Robert (Rupert) Scipio v. L., preußischer Generallieutenant. Sein Vater, Cäsar Joseph v. L., gehörte einer Familie an, welche im Anfange des 17. Jahrhunderts Rom verlassen und sich in Bern niedergelassen hatte, trat aber in österreichische Dienste, in denen er als Feldmarschalllieutenant und Stadt- und Festungscommandant von Kronstadt in Siebenbürgen am 29. Mai 1744 starb. — Robert Scipio v. L., am 18. April 1714 zu Wien geboren und von den Jesuiten unterrichtet, trat 1728 als Fähnrich in das k. k. Dragonerregiment v. Philippi, nahm mit diesem, nachdem er den Feldzug des Jahres 1734 in Italien als Adjutant des bei Parma am 28. Juni erschossenen Feldmarschalls Graf Mercy mitgemacht hatte, an den Ereignissen des polnischen Erbfolgekrieges am Rhein und an der Mosel 1734—35, an dem unglücklichen Türkenkriege von 1737—39 und am österreichischen Erbfolgekriege von 1742—44 in Baiern und Böhmen theil und wurde mehrfach zu militärisch-diplomatischen Geschäften gebraucht, so zur Ordnung der Quartierlinie zwischen den kriegführenden Völkern, nachdem im J. 1735 der Waffenstillstand abgeschlossen war, und zur Grenzregulirung zwischen dem Banat und Serbien nach dem Belgrader Frieden. Daneben benutzte er jede sich ihm bietende Gelegenheit, seinen Geist zu bilden und seinen Gesichtskreis zu erweitern und unternahm größere Reisen in Italien und nach dem Orient. Auch im Felde trat er mehrfach hervor; entscheidend für seine Laufbahn aber wurde sein Benehmen bei der Uebergabe von Prag, wo er am 16. September 1744 sich weigerte, die Capitulation zu unterschreiben und, zwischen den preußischen Bataillonen, vor welchen die Waffen gestreckt werden sollten, angekommen, seinen Degen zerbrach und seinen Dragonern befahl, ein gleiches zu thun. „Er sei nicht nach Prag commandirt worden, um die Waffen zu strecken, sondern um zu fechten“, sagte er dem preußischen General v. Einsiedel. Friedrich der Große, hiervon in Kenntniß gesetzt, zog ihn zur Tafel und äußerte den Wunsch, L., welcher damals Hauptmann war, möge in seine Dienste treten. Dies lehnte er damals ab, nahm indeß anfangs Januar 1745, da er seines evangelischen Glaubensbekenntnisses halber im Avancement zurückgesetzt zu werden meinte, seinen Abschied und ging zunächst nach Bern, wie er sich denn überhaupt stets als Schweizer betrachtet hatte; nach dem Dresdener Frieden aber, ein Jahr später, trat er durch Vermittelung des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau in preußische Dienste. Mit einem Patent, welches das Datum jenes Tages von Prag trug, ward er Major und Flügeladjutant des Königs; seine Vermählung mit einer Tochter des Staatsministers und Oberstallmeisters Grafen Schwerin, an welche Friedrich bei dieser Gelegenheit eine Ode richtete, trug dazu bei, ihn in Preußen heimisch zu machen; der Antheil, den er an des Königs Bemühungen zur Ausbildung der Reiterei hatte, befestigte ihn in dessen Gunst noch mehr; 1752 sandte ihn dieser nach Cassel, als|es sich um die Verbindung seines Bruders Heinrich mit der hessischen Prinzessin Wilhelmine handelte. Im siebenjährigen Kriege befand sich L. zunächst im königlichen Hauptquartier, hatte nach der Capitulation von Pirna der Königin von Sachsen die Complimente des Königs, nach der Schlacht von Lobositz die Siegesbotschaft nach London zu überbringen und focht bei Prag und Kolin; sein Benehmen bei Roßbach und namentlich die von ihm geleitete Verfolgung nach der Schlacht aber bestimmten den König, ihn hinfort bei der Truppe zu verwenden. An der Spitze einer, aus der Garde du Corps und den Gensd'armes bestehenden Brigade, leistete er bei Leuthen unter Zieten hervorragende Dienste, für welche ihm der König durch ein Geschenk von einigen Tausend Thalern dankte, und brachte von der Verfolgung 15 Geschütze, mehrere Hundert Gefangene etc. zurück; im Frühjahr 1758 berannte er mit 7 Kürassierregimentern Schweidnitz, und ging dann mit dem König nach Mähren; der Tag von Zorndorf, wo seine Brigade 7 Fahnen und 14 Geschütze nahm, brachte ihm neue Lorbeeren; bei Hochkirch hielt er wacker Stand. 1759 diente er in Schlesien, 1760 zeichnete er sich an der Spitze von zwei Dragonerregimentern namentlich in der Schlacht bei Liegnitz (15. August) aus, befehligte im darauffolgenden Winter die Postirungen in Schlesien und schloß seine glänzende Kriegslausbahn am 16. August 1762 durch hervorragende Leistungen im Treffen bei Reichenbach, zu dessen günstiger Entscheidung er wesentlich beitrug, glänzend ab. — Dem Könige gegenüber im Wagen sitzend, hielt „der schöne L.“ seinen Einzug in Berlin und auch in Zukunft war er, obgleich in Schönebeck bei Magdeburg garnisonirend, viel in der Gesellschaft des Monarchen, welcher seinen Geist, seine allgemeine Bildung und seine Sprachkenntnisse schätzte und ihn zu mancherlei Geschäften gebrauchte, so 1768 zur Stillung eines in Neufchatel ausgebrochenen Aufruhrs und 1773 zur Besitznahme der durch die erste Theilung Polens an Preußen gefallenen Gebiete, 1769 hatte er den König zu dessen Zusammenkunft mit Kaiser Joseph nach Neiße begleitet. Mit seinem schweizerischen Heimathlande, dem er außerdem seit 1768 als Gouverneur von Neufchatel angehörte, war er in steter Verbindung geblieben und als er 1779, nachdem er noch bei der Armee des Prinzen Heinrich am baierischen Erbfolgekriege theilgenommen, die mit Rücksicht auf sein Alter erbetene Entlassung erhalten hatte, trat er an die Spitze des bernischen Militärwesens, eine Stellung, welche ihm sowol zur Verbesserung der vorgefundenen Einrichtungen, wie zu thätigem Eingreifen bei ausgebrochenen Unruhen Veranlassung gab. Er starb am 26. Decbr. 1787 auf seinem Gute Monrepos bei Lausanne.

    • Literatur

      F. L. Haller, Leben des Herrn v. Lentulus, Bern 1787. — (König) Biographisches Lexikon aller Helden und Militärpersonen, welche sich in preußischen Diensten berühmt gemacht haben, II, Berlin 1788 (wo noch andere Lebensbeschreibungen genannt sind). Wurzbach, Biograph. Lexikon, Thl. XIV. Thürheim, Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der österreich. Armee, 2. Bd., Wien u. Teschen 1880. Sein Bildniß im milit. Berliner Taschenkalender 1789.

  • Autor/in

    Poten.
  • Empfohlene Zitierweise

    Poten, Bernhard von, "Lentulus, Rupert Scipio von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 267-268 unter Lentulus, Robert Scipio von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571613.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA