Lebensdaten
1801 bis 1843
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Oberdöbling bei Wien
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118569597 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lanner, Joseph Franz Karl
  • Lanner, Joseph
  • Lanner, Joseph Franz Karl
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Zitierweise

Lanner, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118569597.html [17.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Martin (1771–1839), Handschuhmacher, S d. Peter, Leibhusar d. Gf. Khevenhüller (aus nd.-österr. Weinbauernfam.), u. d. Anna Rosina Busch;
    M Anna (1772–1823), T d. Wolfgang Scherhauff, Bierwirt u. Mehlmesser in W., u. d. Theresia Balwein;
    Wien 1828 Franziska (1800–55), T d. Handschuhfabr. August Jahns u. d. Katharina Mutzbauer;
    3 S (1 früh †), 3 T, u. a. Joseph (1835–55), Tanzkomponist, Geiger (s. MGG VIII), Katharina (1829–1908, Joh. Baptist Geraldini, Tanzmeister), Tänzerin (s. ÖBL).

  • Leben

    L. sollte ursprünglich das Ziselierhandwerk erlernen, nahm jedoch Violinunterricht und betrieb autodidaktisch Studien in Musiktheorie und Instrumentation. 1811 verdingte er sich als Gehilfe bei Michael Pamer und übernahm 1813 in dessen Kapelle den Violinpart. 1819 gründete er mit Alois und Karl Drahanek ein kleines Ensemble (2 Geigen, Gitarre), dem sich bald Johann Strauß als Violaspieler anschloß. 1820 wurde aus dem Quartett ein Quintett, mit dem L. im Gasthaus „Rebhuhn“ in der Inneren Stadt gastierte. Als er 1824 ein Streichorchester gründete, verdrängte er damit erstmals die Harmoniemusik von den öffentlichen Vergnügungsstätten. Durch sich häufende Engagements gezwungen, teilte L. 1825 sein Orchester und betraute Johann Strauß mit der Leitung des 2. Orchesters. Als Folge davon entzweiten sich die ehemaligen Freunde im Sept. 1825. Die Erfolgsserie L.s riß nicht ab. 1829 wurde er zum Musikdirektor der k. k. Redoutensäle ernannt, 1832 hatte er im Josefstädter Theater mit einer vielbesuchten Abendunterhaltung Erfolg. Seit 1834 ging L. auch auf Reisen, zunächst nach Pest, dann nach Graz (1837), Mailand (1838), wo er die Festmusik zu den Krönungsfeierlichkeiten des Kaisers Ferdinand zu leiten hatte, ferner nach Innsbruck, Venedig und Triest. 1839 reiste er nach Brünn und 1840 nach Preßburg, wo er Franz Liszt begegnete. 1840 leitete er erstmals die Musik am Kammerball bei Hofe, doch Etikette-Schwierigkeiten verhinderten weitere Verpflichtungen. Hatte ihm die „Tonkünstlersozietät“ die Mitgliedschaft auch versagt, so stand er doch in höchstem Ansehen, wie|die Aufführung seiner „Steirischen Tänze“ im Hofoperntheater bezeugt. Zum letztenmal trat L. am 22.3.1843 beim Dommayer in Hietzing auf, dann erkrankte er an Typhus. Der Leichenfeier in Döbling wohnten 20 000 Menschen bei. – L. gilt als der Schöpfer einer neuen Tanzmusik. Der Walzer erhielt durch ihn eine vom achttaktigen Schema befreite Form, auf ihn geht auch die Entwicklung der Walzerkette und die Ausbildung des Finale zurück. Mehr noch als Strauß war L. der große Melodiker, der von seinen ersten Versuchen angefangen bis hin zu den bedeutendsten Walzerkompositionen wie „Die Werber“ und „Die Schönbrunner“ volkstümliche Motive in seinen Tänzen anklingen ließ.

  • Werke

    208 mit Opuszahl versehene Kompositionen, dazu ca. 30 ohne Opuszahl. Gesamtausg.: E. Kremser, 14 Bde., 1888 f.

  • Literatur

    F. Rebay u. O. Keller, J. L., 1901;
    F. Lange, J. L. u. J. Strauß, 1904, 21919;
    ders., Das Werk J. L.s, in: Neue musikal. Presse v. 15.7.1905;
    A. Weinmann, J. L. Werkverz., 1948;
    H. Schöny, J. L., s. Fam., s. Vorfahren, in: Genealogie 12, 1974, S. 289-95;
    MGG VIII (P).

  • Portraits

    Aquarell v. J. Kriehuber;
    Lith. v. dems. (beide Hist. Mus. d. Stadt Wien);
    Ölgem. v. F. Krepp (ebd.), Abb. in: A. Orel, Musikstadt Wien, 1953.

  • Autor/in

    Ernst Hilmar
  • Empfohlene Zitierweise

    Hilmar, Ernst, "Lanner, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 619-620 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118569597.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lanner: Joseph Franz Karl L., Tanzcomponist, geb. am 11. April 1802 zu Oberdöbling bei Wien, zeigte schon in jungen Jahren eine bedeutende Anlage im Violinspielen, komponirte auch ohne weitere Anleitung kleine Stückchen, vereinigte sich mit einigen anderen jungen Leuten zu einem kleinen Orchester, componirte und arrangirte aus beliebten Opern die nöthigen Musiken dazu und sie zogen nun von Garten zu Garten, ihre Künste producirend. Die Art und Weise, wie L. spielte und dirigirte, die reizenden kleinen Tanzstückchen, die er zum besten gab, zogen bald ein großes Publicum zu seinen Productionen und aus dem Miniaturorchester entstand nach und nach ein großes Orchester. Die Besitzer der ersten Kaffeehäuser und Vergnügungslocale Wiens stritten sich um das Vorrecht, L. mit seiner Kapelle zu engagiren. Bald machte er auch Reisen ins Ausland und überall fand er eine gleich enthusiastische Aufnahme, doch suchte man ihn an Wien zu fesseln, indem man ihn zum Kapellmeister bei dem zweiten Bürgerregimente machte. L., der echte Wiener Vorstädtler, ausgestattet mit dem naiven Empfindungsvermögen des Wiener Volkslebens, aus dessen Mitte er hervorgegangen war, hatte von der Natur den leichten Sinn und die Sorglosigkeit erhalten, die in Musik und Tanz das höchste Genußleben findet. Diese beiden Factoren ergaben die Quintessenz seiner künstlerischen Individualität. Der Ländler, der echte Wiener Volkstanz, fand in L. den Vertreter, der ihn|aus dem Volksleben in den Salon verpflanzte und die vornehme Welt damit berauschte. Doch L. selbst trug ihn zugleich zu Grabe; nicht allein, daß er ihm eine Ausdehnung und ein Gepränge mitgab, die das einfache Volksgebilde nicht vertrug, sondern er wurde ihm auch später ungetreu und taufte ihn in den Walzer um. Eigentlich mit Recht, denn Ländler waren es schon lange nicht mehr. — Ein mit Sachkunde und Geist geschriebener Feuilletonartikel über die Wiener Tanzmusik, in dem auch L. seine Stellung angewiesen wird, findet sich aus der Feder E. Schelle's im Februarheft 1883 der Zeitschrift „Vom Fels zum Meer“, S. 579. Mitten im vollen Genusse des Lebens entriß L. der Tod am 30. März 1843. Außer den Tänzen hat er noch eine große Anzahl Pantomimen geschrieben; über diese schreibt der Verfasser des Artikels im Schilling'schen Tonkünstlerlexikon (Bd. VI. S. 519): „sie sind wirklich geistreich, voll Leben, Anmuth, Lieblichkeit, Humor und Grazie; neu, eigenthümlich, originell und meist wahrhaft interessant, mit hinreißender Genialität instrumentirt, daher auch von überraschender Wirkung, besonders wenn sein feuriger Bogenstrich das Losungswort angibt“. Wer dies schrieb, kann nur ein Wiener gewesen sein, denn kein anderer Mensch der Erde versteht so seinen L. zu loben als der Wiener. Rob.

  • Autor/in

    Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Lanner, Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 698-699 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118569597.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA