Lebensdaten
1531 oder 1532 bis 1586
Geburtsort
Zwickau
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Buchbinder
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118566334 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krause, Jakob

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Krause, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118566334.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans, Färber;
    M Katharina, Wwe d. Tuchmachers Jakob Hermann;
    Augsburg 1561 N. N.

  • Leben

    K. war von frühester Jugend an vertraut mit Tuchen und Weberei, Farben und Modeln. Er besuchte die von Petrus Plateanus geleitete Lateinschule und trat in Zwickau in eine Buchbinderlehre ein. Die ansehnliche Drucktätigkeit in jener Zeit brachte für das Buchbindegewerbe einen ungeahnten Aufschwung; Zwickau hatte damals innerhalb Sachsens eine führende Rolle erlangt. K. lernte bei Christoph Behem aus Annaberg. Von ihm übernahm er die schlichte obersächs. Art, welche auf üppigen Plattenschmuck, auf besondere Feldaufteilung und Einzelstempel verzichtete. Er entschied sich erst später, in seiner Augsburger Zeit, unter dem Einfluß der zeitgenössischen italienisch und französisch Geschmacksrichtung für die üppigere Art der Einbandgestaltung. Die Wanderjahre führten ihn unter anderem, und andere nach Annaberg, wo er bei Lazarus Bernhart arbeitete. Ein Aufenthalt in Leipzig und Wittenberg bleibt hingegen unsicher. Entscheidend wurden die Eindrücke, die K. in Frankreich empfangen hat. das damals im Buchbindegewerbe führend, in der Kunst der Stempelverzierung mit reicher floraler und Tierornamentik unerreicht war. Hier lernte er den mauresken Stil und die Arabesken kennen, zugleich die venezianisch Buchbindearbeiten im Stil der Renaissance. Er übernahm auch die Technik der Handvergoldung, Schnittverzierung und das Punzen des Leders. Bei seiner Rückkehr brachte er eine Fülle von Stempeln und Arbeitsinstrumenten mit. Es ist K.s Verdienst, die „welsche“ und französisch Art zu binden in Deutschland eingeführt zu haben. Seit 1561 arbeitete er als Meister in Augsburg, wobei seine Auftraggeber bis aus Württemberg kamen. K.s Bewerbung am herzoglich Hof in München wurde abgewiesen, doch gelang es ihm, 1566 in Dresden in die Dienste des Kurfürst August zu treten. Er erhielt eine eigene Werkstatt in der Kanzlei und hatte alsbald Bindearbeiten von bibliophilen Ansprüchen auszuführen. Das rasche Anwachsen der kurfürstlich Bibliothek bot reichlich Arbeit. Während die wissenschaftliche Literatur schlicht gebunden wurde, erhielten die Wirtschaftsbücher, die höfischen Akten und waffentechnischen Bücher eine prunkvolle Hülle. Wiederholt arbeitete K. mit der Zunft der Dresdner Stadtbuchbinder an größeren Aufträgen zusammen. Später führte er aufwendige Aufträge abwechselnd in deutscher, französisch oder italienisch Manier unabhängig von der Dresdner Zunft für den Hof aus. Private Aufträge nahm er nur noch selten an. Bald wurde er vom Hof auch mit dem Ankauf von Büchern auf Messen und Märkten betraut.

    Nach der Manier der Franzosen bildete Pappe – statt Holz und Leder beziehungsweise Pergament – das Grundelement von K.s Bindearbeit. Je nach Erfordernis stellte er einfachere Plattenpressungseinbände, schlicht vergoldete Einbände, Mittel- und Eckplatteneinbände oder üppigere Kalbsledereinbände mit Rollen-, Platten- und Einzelstempeldruck her. Durch Stempel größeren Formats, wie sie für die 80er Jahre charakteristisch sind, erzielt K. den Eindruck fließender Bewegung, während die Verwendung von Gold zusätzlich ein Spiel von Licht und Schatten hervorruft. Seine Buchrücken sind zumeist durch 4 oder 5 Wülste in kleinere ornamentgeschmückte Segmente unterteilt. In der künstlerischen Gestaltung des Buchschnitts durch reiche, zum Teil groteske Verzierungen nimmt K. in der deutschen Buchbindekunst eine singuläre Stellung ein. Sein Schüler Caspar-Meuser ( 1593) unterstützte ihn seit 1578 in seiner Arbeit für den sächsisch Hof und verwandte die Stempel seines Meisters nach dessen Tod weiter. War K.s Schaffen mehr von der Intuition angeregt, so eignet den Arbeiten Meusers eine fast architektonische Strenge. K.s Gesamtwerk umfaßt mehr als 1 000 Bindeaufträge, welche sich heute größtenteils im Besitz der Landesbibliothek Dresden befinden. Sein Wirken bildet den Höhepunkt des deutschen Buchbindegewerbes im Zeitalter der Renaissance.

  • Literatur

    O. Glauning, Einbände aus J. K.s Frühzeit, in: Archiv f. Buchgewerbe u. Gebrauchsgraphik 62, 1925, S. 259-82;
    I. Schunke, K.-Stud., 1932;
    dies., Leben u. Werk J. K.s, o. J. [1943] (L);
    dies., J. K., 1953;
    dies., Ein Meisterwerk d. Buchbindekunst d. 16. Jh. im Bibl.bestand d. Bergak. Freiberg, 1973, 21977;
    E. Hönncher, J. K., Bucheinbandkunst Augsburg-Dresden in d. 2. Hälfte d. 16. Jh., in: Hdb. d. Buchbinderhandwerks, 1938;
    F. Zoepfl, Kaiser Maximilian I. in Dillingen, Einbände v. J. K. u. Caspar Horneffer in d. Staatl. Bibl. Dillingen, in: Jb. d. Hist. Ver. Dillingen 64/65, 1962/63, S. 61-71.

  • Autor/in

    Peter Wirth
  • Empfohlene Zitierweise

    Wirth, Peter, "Krause, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 703 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118566334.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA