Lebensdaten
1898 bis 1965
Geburtsort
Ückendorf Kreis Gelsenkirchen
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Sprachwissenschaftler
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118566024 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krahe, Hans

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Krahe, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118566024.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1874–1954), Kaufm., S d. Johannes (1833–98), Geschäftsführer d. Steinbruchgenossenschaft in Herdecke, Bildhauer, u. d. Maria Cremer;
    M Mathilde (* 1873), T d. Rektors Hermann Bertelmann (1836–1902) u. d. Marianne Stahlschmidt;
    Ur-Gvv Johannes (1800–72), aus Honnef, Steinbildhauer u. Steinbruchbes. in Herdecke;
    - ⚭ Else Agnes Geßner (* 1904) aus Saathain Kr. Elsterwerda;
    S Günther (* 1928). Dr. phil., Prähistoriker.

  • Leben

    K. nahm 1915-18 als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teil. 1919 legte er in Gelsenkirchen das Abitur ab und studierte anschließend in Jena Vergleichende Sprachwissenschaft, Germanistik und Romanistik. Die entscheidenden Anregungen erhielt er von dem Indogermanisten Ferdinand Sommer, bei dem er 1924 mit einer Arbeit über „Die alten balkanillyrischen geographischen Namen“ promovierte. Die damit begonnene Erschließung einer nicht durch Texte überlieferten Sprache aus Eigennamen setzte K. mit seinem „Lexikon altillyrischer Personennamen“ fort. Mit dieser Schrift habilitierte er sich 1928 in Jena, wo er seit 1926 lateinische und griechische Sprachkurse abhielt. Seit 1934 lehrte er an der Universität Würzburg Vergleichende indogermanische Sprachwissenschaft und wurde dort 1936 zum außerordentlichen Professor ernannt. Nach dem 2. Weltkrieg leitete K. als Dekan 1945/46 den Wiederaufbau der Philosophischen Fakultät. 1946 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt. 1947 übernahm er einen Lehrstuhl in Heidelberg und lehrte dann seit 1950 in Tübingen.

    K. wurde von der großen junggrammatischen Tradition der Indogermanistik in Deutschland geprägt und führte sie weiter, nicht zuletzt als Herausgeber des bibliographischen „Indogermanischen Jahrbuchs“ (1940-55) und als Mitherausgeber der Zeitschrift „Indogermanische Forschungen“ (1944-65). In seiner Arbeit verband sich die Sicherheit des aus der Tradition erwachsenen Standpunktes mit einer ungewöhnlichen Klarheit der Darstellung. Beides verhalf seinen Lehrveranstaltungen wie den daraus hervorgegangenen Einführungswerken – vor allem der „Germanischen Sprachwissenschaft“ (1942, 7bearbeitet von W. Meid, 1969; spanisch 1977) und der „Indogermanischen Sprachwissenschaft“ (1943, 41962; spanisch 1964) – zu bedeutendem Erfolg.

    Die originelle und bleibende Leistung K.s liegt auf dem Gebiet der prähistorischen Namenforschung und ihrer Methodik. Durch die Sammlung und systematische Auswertung von Namen (insbesondere Ortsnamen), die in antiken Quellen oder aus neuerer Zeit überliefert sind, trug er grundlegend zur Erhellung der frühen Sprachen- und Völkergeschichte Europas bei. Mit seinen beiden 1925 beziehungsweise 1929 erschienenen Erstlingswerken und zahlreichen weiteren Veröffentlichungen gewann er eine führende Stellung in der Erforschung des Illyrischen. Während der 30er- und 40er Jahre weiteten Mitforscher den „Illyrier“-Begriff immer mehr aus und fanden „illyrische“ Namen in fast ganz Europa, so daß Kritiker von einem „Panillyrismus“ sprachen. K. wirkte dieser Tendenz entgegen, indem er in dem Buch „Die Sprache der Illyrier. 1. Teil: Die Quellen“ (1955) zusammenfaßte, was mit Sicherheit zum Illyrischen zu gehören schien. Aber bald darauf erkannte er, daß eine weitergehende Revision notwendig war: Die Vorstellung von einem einheitlichen Illyrisch mußte aufgegeben werden, und außer dem Venetischen, dessen sprachliche Selbständigkeit er bereits 1950 festgestellt hatte, mußte vielleicht auch noch das bisher mit dem Illyrischen verbundene Messapische als eigenständige Größe anerkannt werden. Damit gab er den Weg frei für eine historisch angemessene Behandlung der Illyrier-Frage. Schon vorher hatte er durch die Aufdeckung einer „alteuropäischen Hydronymie“ (Gewässernamengebung) die großräumige Namenforschung in neue Bahnen gelenkt. Nach K. gehen die altertümlichsten Gewässernamen, die in fast allen Teilen Europas hinsichtlich der Wortwurzeln und der Morphologie vielfach übereinstimmen, nicht auf das Illyrische oder sonst aus historischer Zeit bekannte Einzelsprachen zurück, sondern sind die sprachliche Hinterlassenschaft einer älteren, voreinzelsprachlichen Epoche, in der die indogermanischen Sprachen Europas (die Vorläufer des Germanischen, Keltischen, Illyrischen, Italischen, Venetischen, Baltischen, am Rande auch des Slavischen) noch einen enger zusammengehörigen Komplex bildeten. K. entwickelte diesen Gedanken in Aufsätzen, die hauptsächlich in der von ihm 1949 begründeten Zeitschrift „Beiträge zur Namenforschung“ erschienen. Eine knappe Gesamtdarstellung enthält sein Buch „Unsere ältesten Flußnamen“ (1964). Um der Gewässernamenforschung für Mitteleuropa zu einer sicheren Materialgrundlage zu verhelfen, schuf er ein Gewässernamenarchiv, dessen Bestände in der von ihm 1962 begründeten Reihe „Hydronymia Germaniae“ veröffentlicht werden.|

  • Auszeichnungen

    Korr. Mitgl. mehrerer Ak., o. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. in Mainz (1951).

  • Werke

    Weitere W u. a. Hist. Laut- u. Formenlehre d. Gotischen, 1948, 2bearb. v. E. Seebold, 1967;
    Das Venetische, 1950;
    Sprache u. Vorzeit, 1954;
    Die Struktur d. alteurop. Hydronymie, 1963;
    Vom Illyrischen zum Alteuropäischen, in: Indogerman. F. 69, 1964, S. 201-12;
    Einl. in d. vgl. Sprachstudium, hrsg. v. W. Meid, 1970.

  • Literatur

    Sybaris, Festschr. z. 60. Geb.tag, 1958 (W, P);
    H. Kronasser, in: Linguistique Balkanique 4, 1962, S. 5-23;
    J. Untermann, in: Gnomon 37, 1965, S. 844-46;
    H. Rix, in: Btrr. z. Namenforschung 16, 1965, S. 217-20 (Bibliogr., zus.gestellt v. A. Schmid, S. 230-33);
    K. Wagner, in: Jb. d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit., 1966, S. 63-69 (P);
    W. P. Schmid, Alteuropäisch u. Indogermanisch, 1968;
    C. de|Simone, in: Studia Albanica 10, 1973, S. 155-59;
    A. Tovar, K.s alteurop. Hydronymie u. d. westindogerman. Sprachen, 1977;
    Kürschner, Gel.-Kal., 1966.

  • Autor/in

    Manfred Faust
  • Empfohlene Zitierweise

    Faust, Manfred, "Krahe, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 659-661 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118566024.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA