Lebensdaten
1665 bis 1694
Geburtsort
Stade
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
hannoverischer Offizier und Hofkavalier
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118564439 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Königsmark, Philipp Christoph Graf von
  • Königsmarck, Philipp Christoph Graf von
  • Königsmark, Philipp Christoph Graf von

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Zitierweise

Königsmarck, Philipp Christoph Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118564439.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Schw Aurora (s. 1); - ledig.

  • Leben

    K. ist nur dadurch geschichtlich bedeutsam geworden, daß er als Liebhaber der Kurprinzessin Sophie Dorothea von Hannover in deren Ehetragödie verwickelt und deswegen umgebracht wurde. Die Ausbildung K.s war die damals übliche eines Mannes von Welt: Kavalierstour, kurzer Studienaufenthalt in Oxford (doctor medicinae honoris causa !), Offizierslaufbahn zuerst im kaiserlichen (Ungarnfeldzug 1684–87). seit 1689 in hannoverischem Dienst (Oberst und Regimentskommandeur). Sein 1690 begonnenes, von beiden Seiten als echte und tiefe Leidenschaft empfundenes Verhältnis mit der Gattin des damaligen Erbprinzen von Hannover, Georg Ludwig (später König von England), fand seinen Niederschlag in einem Briefwechsel, der zu wesentlichen Teilen erhalten ist und den vollzogenen Ehebruch beweist. Von August dem Starken zum General ernannt und im Begriff, mit der Prinzessin – die ihre Scheidung betrieb – aus Hannover zu fliehen, wurde K. in der Nacht vom 11. auf 12.7.1694 im Leineschloß zu Hannover von vier namentlich bekannten Hofleuten ermordet. Den tödlichen Streich führte der italienische Geistliche Don Nicolò di Montalban, der dafür eine hohe Geldbelohnung erhielt. K.s Leichnam verschwand in der Leine. Die Kurprinzessin wurde – ohne Bezugnahme auf ihren Ehebruch – geschieden und lebenslang nach Ahlden („Prinzessin von Ahlden“) verbannt.

  • Literatur

    ADB 16;
    G. Schnath, Der K.briefwechsel 1690-94, Krit. Gesamtausg. in Regestenform, 1952 (P);
    ders., Der Fall K., in: Ausgew. Btrr. z. Landesgesch. Niedersachsens, 1968, S. 52-123 (P);
    ders., Gesch. Hannovers im Za. d. neunten Kur u. d. engl. Sukzession 1674-1714, II, 1976, S. 120-220 (L, P);
    ders., Sophie Dorothea u. K., 1976.

  • Autor/in

    Georg Schnath
  • Empfohlene Zitierweise

    Schnath, Georg, "Königsmarck, Philipp Christoph Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 362 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118564439.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Königsmark: Graf Philipp Christoph von K., Sohn des Grafen Kurt Christoph von K., der 1673 als Generallieutenant in holländischen Diensten fiel (s. o.), war ein Enkel des bekannten schwedischen Feldmarschalls, ein Bruder der vielgenannten Gräfin Aurora. Er verdankt seinen Nachruhm lediglich der geheimnißvollen Katastrophe, die im J. 1694 ihn selbst spurlos hinweggeräumt und zugleich die hannoversche Kurprinzessin Sophie Dorothea von ihrem Gemahl, dem nachmaligen König Georg I. von England, geschieden und zu lebenslänglicher Haft nach Ahlden verbannt hat. Der Reiz des Geheimnisses, verdoppelt durch die ängstliche Beflissenheit des hannoverschen Hauses, jede Aufklärung desselben zu unterdrücken, hat diese Katastrophe zu einem Hauptgegenstande der Skandalchronik gemacht und mit einem dichten Netz romanhafter Ausdeutungen und obscöner Erdichtungen so vollständig umsponnen, daß es kaum möglich ist, den historischen Kern herauszuschälen. Aus dem spärlichen Rest authentischer Documente ergibt sich mit voller Sicherheit nur dieses, daß K. ein ausschweifender Wüstling war, der sein Leben und Vermögen auf Irrfahrten durch aller Herren Länder verthat, eine Zeit lang auch als Obrister in den Diensten des Kurfürsten Ernst August von Hannover stand und bereits eine kursächsische Bestallung zum Generalmajor in Händen, aber noch nicht den Abschied aus hannoverschem Dienst genommen hatte, als er am 1. Juli 1694 spurlos verschwand. Daß der hannoversche Hof der Urheber seines Unterganges gewesen, ist zwar nicht zu erweisen, aber doch mit ziemlicher Sicherheit zu schließen. Denn während man dort den anderen Höfen gegenüber jede Verantwortung für das Verschwinden des Grafen ablehnte und jeden Zusammenhang dieses Begebnisses mit dem unmittelbar darauf gegen die Kurprinzessin Sophie Dorothea angestrengten Processe ableugnete, nahm man thatsächlich, wie die Trümmer der authentischen Documente ergeben, die Anstoß und Argwohn erregende Vertraulichkeit der Beziehungen des Grafen zu der Kurprinzessin zum Anlaß, um letztere vor ein außerordentliches Gericht zu stellen und ihre Ehe zu lösen. Daß jene Beziehungen verbrecherischer Art gewesen, ist weder erweisbar, noch auch wahrscheinlich; daß sie überhaupt möglich waren, hat der hannoversche Hof verschuldet, indem er durch die Antipathie und Geringschätzung, die er der Kurprinzessin entgegentrug, die vereinsamte verleitete, ihre Zuflucht zu einem Abenteurer zu nehmen.

    • Literatur

      Die Herzogin von Ahlden (anonym), Leipzig 1852; Havemann, Gesch. der Lande Braunschweig-Lüneburg, III; Schaumann, Sophie Dorothea und Kurfürstin Sophie, Hannover 1879. v. Sybel's Hist. Ztschr. N. F. XII: Die Prinzessin v. Ahlden, vom Unterzeichneten.

  • Autor/in

    Köcher.
  • Empfohlene Zitierweise

    Köcher, Adolf, "Königsmarck, Philipp Christoph Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 534 unter Königsmark [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118564439.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA