• Genealogie

    V Josef (1859–1906), Textilkaufm. in K. u. Remscheid;
    M Maria Theresia Kiesow (1852–1923);
    Hamburg 1950 Elke verw. Albrecht (1917–78), T d. Rechtsanwalts Dr. Franz Mutzenbecher in Hamburg u. d. Anna Maria Theresia Wesselhoeft.

  • Leben

    K. studierte nach dem Abitur (in Remscheid) Philosophie und klassische Philologie in Heidelberg, Marburg, Zürich und München (1912–14). Nach vierjährigem Kriegsdienst bei der Artillerie setzte er seine Studien in Göttingen bei Georg Misch fort. 1923 wurde er mit der Dissertation „Der Begriff der Intuition“ (1926) promoviert. 1925/26 hörte er bei Heidegger in Marburg, zwei Jahre lang lebte er in Rom und Athen, 1935 habilitierte er sich in Göttingen mit der Schrift „Sein und Denken“ (1937, 21969). Die Lehrtätigkeit in Göttingen wurde durch den 2. Weltkrieg unterbrochen, in dem K. wieder im Feld stand. Zum Sommersemester 1946 wurde er auf den seit E. Cassirers Weggang unbesetzt gebliebenen ordentlichen Lehrstuhl für Philosophie in Hamburg berufen (1950/51 Dekan) und ging 1953 als Nachfolger Nicolai Hartmanns nach Göttingen, wo er bis zum Wintersemester 1962/63 lehrte.

    Charakteristisch für K.s Denken ist die Verbindung von spekulativer Phantasie und strenger logischer Disziplin. In seiner Dissertation untersucht K. in systematischer Auseinandersetzung mit zentralen Gedanken von Kant, Goethe, Dilthey, Bergson und Husserl die philosophische Funktion der Intuition als spezifisch spekulativer Erkenntnisweise. Dabei bleibt Hegels Philosophie, wiewohl nicht Gegenstand der Erörterung, wichtigste Inspirationsquelle. Die gleiche spekulative Kraft zeigt das Buch „Sein und Denken“. Die Beziehung des Denkens zum Sein wird am Modell des Spiegels expliziert: Das Verhältnis des Denkens zu seinem Gegenstand wird als „innerer Unterschied“ des Denkens selbst begriffen, ähnlich wie Spiegel und gespiegeltes Ding unaufhebbar aufeinander bezogen sind. Der Zeit nach 1945 gehören fünf bedeutende Aufsätze an: „Das System von Leibniz“ schlägt eine Brücke von Leibnizens Monade zu Hegels Konzept des „übergreifenden Allgemeinen“. Der Aufsatz „Über einen neuen ontologischen Beweis des Satzes von der Notwendigkeit allen Geschehens“ (1948) verbindet prinzipielle Kritik der Ontotogie Nicolai Hartmanns mit tiefgreifenden Darlegungen zum Verhältnis von Modallogik und Metaphysik. Die „Bemerkungen über den Begriff der Ursache“ (1949) enthalten eine Theorie der kausalen Erklärung, die eine bedeutsame Variante zum gleichzeitig und unabhängig von C. Hempel und P. Oppenheim vorgelegten Modell der deduktiven Erklärung bildet. K. hat frühzeitig die Bedeutung der von G. Frege und B. Russell geschaffenen mathematischen Logik auch für die Analyse traditioneller philosophischer Probleme erkannt. Seine Lehrtätigkeit in Hamburg und Göttingen hat dazu beigetragen, die deutsche Philosophie wieder an die internationale, besonders angelsächsische Diskussion anzuschließen. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem M. Bierich, R. Dahrendorf, H. Delius, J. N. Mohanty, F. Martinez-Bonati, E. Scheibe und J. Sprute.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Göttingen (1955).

  • Werke

    Weitere W Georg Misch als Philos., in: Nachrr. d. Ak. d. Wiss. in Göttingen, philolog.-hist. Kl., H. 7, 1967, S. 152-243;
    Vorträge u. Aufsätze, hrsg. v. G. Patzig, 1978. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Phil. Seminar d. Univ. Göttingen.

  • Literatur

    Argumentationen, Festschr. f. J. K., hrsg. v. H. Delius u. G. Patzig, 1964 (P);
    E. Scheibe, Bemerkungen üb. d. Begriff d. Ursache, in: H. H. Holz u. J. Schickel (Hrsg.), Vom Geist d. Naturwiss., 1969, S. 105-34;
    G. Patzig, in: Jb. d. Ak. d. Wiss. in Göttingen 1974, S. 78-83.

  • Autor/in

    Günther Patzig
  • Empfohlene Zitierweise

    Patzig, Günther, "König, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 344 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118564382.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA