Lebensdaten
1883 bis 1957
Geburtsort
Karlsbad
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118563165 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klemm, Walther

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Zitierweise

Klemm, Walther, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563165.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul, Lehrer u. Schulleiter in K.;
    M Karoline Benisch;
    1904 N. N.

  • Leben

    K. wurde von seinem Vater frühzeitig zu Naturbeobachtungen angehalten und in seiner künstlerischen Ausbildung unterstützt. Nach dem Abitur studierte er seit 1901 in Wien 3 Jahre lang Kunstgeschichte an der Universität und wurde gleichzeitig an der Akademie und an der Kunstgewerbeschule unter Theodor Groll, Anton von Kenner, F. von Myrbach und Kolo Moser künstlerisch ausgebildet. Durch Ausstellungen der Wiener Sezession, an denen sich unter anderem Munch, Amiet, Hodler, Klimt und die französischen Impressionisten beteiligten, gewann K. zahlreiche Anregungen, die ihn schließlich veranlaßten, sich ganz der bildenden Kunst zu widmen. Von Kuno Amiet auf die Holzschnittkunst hingewiesen, setzte er sich – unter dem Einfluß Emil Orliks – vor allem mit dem japanischen Farbholzschnitt auseinander. Nach Kopien der Holzschnitte des Hiroshige und Hokusai entstanden 1903 die ersten eigenen Farbholzschnitte. Bereits 1904 war er auf der Wiener Sezessionsausstellung durch Ankäufe der Wiener Hofbibliothek, der Graphischen Sammlung München sowie zahlreicher privater Sammler und Liebhaber sehr erfolgreich. Im gleichen Jahr übersiedelte K. nach Libotz bei Prag und richtete dort mit K. Thiemann eine Ateliergemeinschaft ein. Die Jahre 1907-13 verbrachte er in der Künstlerkolonie Dachau bei München. Hier entstanden nun Arbeiten auf dem gesamten Gebiet der graphischen Techniken sowie das erste Gemälde „Schlittschuhläufer auf der Amper“. 1910 wurde dieses Bild durch die Berliner Sezession, deren Mitglied er wurde, auf einer Ausstellung gezeigt. 1913 wurde K. als Professor und Leiter der Graphischen Abteilung an die Hochschule für bildende Kunst in Weimar berufen, wo er bis zu seinem Tode wirkte. Hier fand er einen Kreis gleichgesinnter Künstlerpersönlichkeiten, unter anderem Theodor Hagen, Fritz Mackensen, Ludwig von Hofmann und Henry van de Velde.

    Das Frühwerk K.s steht unter dem Eindruck ostasiatischer Kunst. Es ist die Zeit des Jugendstils, der vor allem in Wien – man denke an Schiele oder Klimt – vom Japonismus geprägt war. Jedoch blieb, über die allgemeine Zeittendenz hinaus, ostasiatische Kunstauffassung für K. bestimmend: Intensives Beobachten der Natur und genaues Studium der Lebens- und Verhaltensweise von Tieren waren für ihn die entscheidenden Voraussetzungen zur anschließenden freien Wiedergabe aus dem Gedächtnis. Nach seiner Überzeugung konnte nur auf diese Weise das Zufällige einer „Momentaufnahme“ vermindert und die Reduktion auf das Wesentliche erzielt werden. Die charakteristischen Farbholzschnitte dieser Zeit: „Truthühner“ (in: Deutsche Kunst u. Dekoration 20, 1907), „Truthühnerzug“ (in: Die Graphischen Künste, 1908), „Tauchende Enten“ (1908) oder „Pelikan“ (1909), zeichnen sich ebenso durch geschickte Flächenfüllung wie durch den Reiz zarter farbiger Behandlung aus. Neben diesen Tierdarstellungen, die wohl zu den besten Graphiken kurz nach der Jahrhundertwende zählen, entstanden während der Jahre in Libotz vor allem Farbholzschnitte mit Architekturdarstellungen, wie die Mappenwerke „Aus Böhmen“, „Aus Berlin“ und „Aus Dresden“.

    Etwa 1909 tritt die Farbe in den Holzschnitten K.s zurück. Dieser Prozeß vollzieht sich ungefähr gleichzeitig mit der Verwendung der Lithographie als neuem Ausdrucksmittel. Zeigen die Illustrationen zu „Don Quixote“ (1914) oder zu Goethes „Reineke Fuchs“ (1916) einen ganz auf Schwarz-Weiß-Wirkung gestellten, eckigen Holzschnittstil, der sein Vorbild wohl im frühen deutschen Holzschnitt sehen dürfte, so wird dies mit den Illustrationen zum „Evangelium Lukas“ (1917) modifiziert. Bei geschlossener Komposition werden nunmehr die Farben Schwarz und Weiß zu einer tonigen Einheit verschmolzen. Als Höhepunkt dieser Entwicklung erscheinen die Holzschnitte zu Gustave Flauberts „Sage von Julian, dem Gastfreien“ (1918). – Bereits mit der Lithographienfolge zum „Simplizius Simplizissimus“ (1914) erzielte K. seine erste große Leistung in dieser Technik. Mit den Lithographien zu dem Volksbuch „Die Schildbürger“ (1919), zu „Robinson Crusoe“ (1919), zu Kiplings „Dschungelbuch“ (1920/21) und mit seinen Radierungen zu Grimmelshausens Roman „Die Landstörzerin Courage“ (1923) und zu dem „Tierbuch“ (1929) errang er jene internationale Anerkennung, die ihm auf dem Gebiet der Malerei in gleichem Umfange versagt blieb. – Preise beziehungsweise Goldmedaillen: Graphikausstellung in Rom (1911), Bugra in Leipzig (1914), Große Deutsche Kunstausstellung in Nürnberg (1927), Olympiade in Amsterdam (1928), Weltausstellung in Paris (1937), Olympiade in Helsinki (1952); Ehrensenator d. Hochschule f. Architektur u. Bauwesen in Weimar (1952).

  • Werke

    Weitere W u. a. Holzschn.: Faust I u. II, 1913/32;
    Divina Comedia, 1921;
    Münchhausen;
    Tristan u. Isolde, 1928 f.;
    Wilhelm Tell, 1929;
    Tyll Ulenspiegel, 1910/11. -
    Lith.: Der Wildtöter;
    Mozart: Don Juan, 1923, Die Entführung aus d. Serail, 1920;
    Busoni: Arlecchino - Arlecchineide;
    Gogol: Das Gespenst;
    Hamlet;
    Tausendundeine Nacht. -
    Radierungen: Balzac: Das Mädchen mit d. Goldaugen, contes drôlatiques;
    Voltaire: Prinzessin v. Babylon;
    Boccaccio: Dekamerone, Tierfabeln;
    Wieland: Oberon. - Schrr.:
    Jugend in Karlsbad, 1936;
    Dt. Buchkünstler u. Gebrauchsgraphiker d. Gegenwart in Selbstdarst., 1925.

  • Literatur

    Kunstchronik, 1950/51, 4, S. 204;
    W. Scheidig, Die Weimarer Malerschule d. 19. Jh., 1950;
    E. Schremmer, in: Stifter-Jb. III, 1953, S. 76;
    H. Weidhaas, in: Wiss. Zs. d. Hochschule f. Architektur u. Bauwesen Weimar 4, 1956/57, S. 225;
    Die Weltkunst 27, 1957, Nr. 17, S. 10;
    K. A. Reiser, Dachauer Druckgraphik z. Jugendstilzeit, in: Amperland 8, 1972, S. 271;
    Ausstellungskat. Kunsthalle Weimar 1973;
    W. K.-Gedenkausstellung (W, L, P);
    ThB;
    Vollmer.

  • Portraits

    Selbstbildnis, Lith., 1943, Abb. in: Ausstellungskat, d. Kunsthalle Weimar, 1973.

  • Autor/in

    Florian Hufnagl
  • Empfohlene Zitierweise

    Hufnagl, Florian, "Klemm, Walther" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 32 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563165.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA