Lebensdaten
1885 bis 1961
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Fischbachau (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Flugzeugkonstrukteur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118563157 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klemm, Hanns

Objekt/Werk(nachweise)

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Klemm, Hanns, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563157.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1850–98), Küfermeister u. Weingärtner, S d. Weingärtners Gottlob in St. u. d. Catharina Wanzer;
    M Emma (1849–1911), T d. Christian Schäfer, Stadtschultheißenamtsdiener in Esslingen, u. d. Christiane Luck;
    1917 Martha (* 1893), T d. Gottlob Seeger (1865–1932), Buchdruckereibes. (Geschäftsbücher) in St., u. d. Elise Schäffer;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    K. besuchte seit 1903 die TH Stuttgart und war dann im Bauwesen tätig, zunächst 1907-09 als Regierungsbauführer bei der Württembergischen Staatsbahn, dann, nach kurzer Assistentenzeit an der TH Stuttgart, seit 1910 als Ingenieur bei verschiedenen Baufirmen. Nach kurzer Kriegsteilnahme wurde K. wegen einer Erkrankung 1915 aus dem Wehrdienst entlassen. 1915-17 war er Abteilungsleiter beim Hafenbauamt der Kaiserlichen Werft in Danzig, seit Frühjahr 1917 Vorstand der Versuchsabteilung des Luftschiffbaus Zeppelin (Dornier) in Friedrichshafen und bald darauf Chefstatiker der Hansa- und Brandenburgischen Flugzeugwerke. 1918 wurde K. Chefkonstrukteur der Abteilung Flugzeugbau der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Sindelfingen und befaßte sich mit dem Bau ein- und zweisitziger Jagdflugzeuge. 1920 übernahm er die technische Leitung des Daimlerschen Karosseriewerks Sindelfingen. Aus dieser Zeit stammen die Entwürfe der ersten K.-schen Leichtflugzeuge: L 15 (1922) mit 15 PS, L 20 (1924) mit 20 PS, beide zweisitzig. Die L 20 bildete das Ausgangsmuster seiner berühmten leichten Sportflugzeuge und war in gewissem Sinne das Vorbild aller späteren Privatflugzeuge. K.s Grundidee war, durch leichte, billige und wirtschaftliche Flugzeuge das Fliegen für viele Menschen möglich zu machen. Dies erreichte er durch die Verbindung seines Leichtflugzeugbaus mit den damals zur Verfügung stehenden sparsamen und billigen Kleinmotoren. Am 15.12.1926 gründete er in Böblingen eine eigene Flugzeugfabrik, den „Leichtflugzeugbau Klemm GmbH“, zusammen mit einer Sportfliegerschule. In der Folgezeit baute er eine Anzahl von ein- und mehrsitzigen Sport-, Schul- und Reiseflugzeugen, die weite Verbreitung fanden und unter anderem in England und den USA in Lizenz nachgebaut wurden. Diese formschönen Flugzeuge waren überwiegend aus Holz. Der erste im eigenen Werk entwickelte Typ war die L 25 (1927), „die Klemm“ schlechthin, mit 2 offenen Sitzen, 620 kg Fluggewicht, guter Schwebefähigkeit und niedriger Landegeschwindigkeit. Berühmte Flieger errangen Rekorde mit dem 80-PS-Flugzeug. Leichte mehrsitzige Reiseflugzeuge kamen mit der Kl 31, einem der ersten Reiseflugzeuge der Welt, sowie der Kl 32 (1932) heraus. Beide waren durch geschlossene Kabinen wetterunabhängig und weiteten die Sportfliegerei zur allgemeinen Privatfliegerei aus. 1934 errichtete K. in Halle/Saale einen Tochterbetrieb seines Unternehmens. Höhepunkt seines Sportflugzeugbaus war die Kl 35 (1937) mit 105 PS, ein in 2 000 Stück gebautes kunstflugtaugliches Sport- und Schulflugzeug. Um 1938/39 entwickelte K. die neue, Material und Arbeitsaufwand sparende Teilschalen-Bauweise und wendete sie in den Sportflugzeugtypen Kl 105, 106 und 107 an. Die Motorleistungen seiner Flugzeuge steigerten sich von 20 auf 100-150 PS, was eine, für Privatflieger wichtige, längere Lebensdauer der Motoren zur Folge hatte. Seine Werke wurden während des 2. Weltkriegs gegen seinen Willen in die Produktion von Militärflugzeugen einbezogen und waren bei Kriegsende zerstört. K. hatte 1943 die Leitung seiner Betriebe niedergelegt. 1959 trat er noch einmal mit einer Kl 107 an die Öffentlichkeit. K.s Bedeutung als Luftfahrt-Pionier liegt auf dem Gebiet des Klein- und Leichtflugzeugbaus. Mit seinen Konstruktionen schuf er die Voraussetzungen für Entstehung und Verbreitung der allgemeinen Privatfliegerei.|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (TH Stuttgart 1937).

  • Literatur

    W. Zuerl. Dt. Flugzeugkonstrukteure, 1938;
    P. Supf, H. K., der Schöpfer d. Leichtflugzeugs, 1955 (P);
    ders., Buch d. dt. Fluggesch. II, 1958, S. 547-49 (P);
    H. Löhner, Wegbereiter d. Flugzeugbaus, H. K. u. Ernst Heinkel, in: Darst. u. Qu. z. Gesch. d. dt. Einheitsbewegung im 19. u. 20. Jh., VI, 1965, S. 195-215 (P);
    Zs. f. Flugwiss. 8, 1960, S. 149 (P), 11, 1963, S. 502 (P).

  • Autor/in

    Gert Behrsing
  • Empfohlene Zitierweise

    Behrsing, Gert, "Klemm, Hanns" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 31 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118563157.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA