Lebensdaten
1792 bis 1875
Beruf/Funktion
Radierer ; Maler ; Lithograph ; Zeichner
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118562924 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klein, Johann Adam

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Zitierweise

Klein, Johann Adam, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118562924.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Adam (1743–1817); Kellner, Bierwirt u. Geschäftsführer in Gasthöfen in N., S e. Messerschmieds in Kornburg;
    M Maria Elisabeth (1757–1811), T d. Bierwirts Rupp in N.;
    B Georg Gottfried Christian (1805–26), Maler, Radierer, Kupferstecher (s. ThB);
    - 1) 1823 Caroline (1799–1837), T d. castell. Beamten Wüst, 2) München 1839 Catharina Riedel ( vor 1875), Wwe d. Franz Karl Wolf (1764–1836), Maler, Radierer u. Kupferstecher in Prag (s. ThB);
    2 S, 5 T aus 1);
    1 Stief-S, 1 Stief-T aus 2).

  • Leben

    K. erhielt seine künstlerische Ausbildung bei Georg Christoph von Bemmel (1800–02), in der Städtischen Zeichenschule bei Gustav Philipp Zwinger (1802–05) und bei dem Zeichner und Kupferstecher Ambr. Gabler (1805–11), der ihn oft auf Viehmärkten zeichnen ließ. 1810-23 unternahm K. ausgedehnte Reisen, die ihn nach Wien (1811–15, 1816, 1818), in die Steiermark (1812), nach Ungarn (1814, 1816), ins Burgenland (1817), an Main und Rhein (1815), nach Pommersfelden (1810, 1815), Italien (1819–21), Leipzig und Dresden (1822) sowie nach München (1818–19, 1823) führten. Zwischendurch kehrte er immer wieder nach Nürnberg zurück, wo er 1834-39 im Burgamtmannshaus wohnte. 1839-75 lebte er in München. Seit 1849 erhielt er eine Künstlerpension von 300 Gulden, die 1872 verdoppelt wurde.

    K.s Zeichnungen in Blei und Feder sowie seine Aquarelle (seit 1808) – durchweg Naturstudien – weisen eine erstaunliche Mannigfaltigkeit auf. Soldaten aus verschiedenen Ländern aus der Zeit der Befreiungskriege|1813/15 mit ihren Pferden, Waffen und bunten Uniformen sind dargestellt. Personen-Aquarelle aus der Salzburger Gegend (1818) und anderer Gebirgslandschaft schließen sich an. Fuhrwerke, Schiffszüge und anderes werden wirklichkeitsgetreu festgehalten, besonders meisterhaft jedoch sind die Architekturwiedergaben aus Nürnberg, Wien, Österreich, Ungarn und dem Rheinland. Der umfangreichste Bestand der Zeichnungen – über 500 Nummern – befindet sich im Besitz der Museen der Stadt Nürnberg. Weitere Bestände besitzen unter anderem die Nationalgalerie Berlin und das Kupferstichkabinett Leipzig.

    K. führte zahlreiche Radierungen immer wieder nach zeitlich verschiedenen Handzeichnungen aus: Soldaten, Tiere, Fuhrwerke und Schiffszüge, Neujahrsvignetten, Genreszenen, Landschaften und Architekturen wechseln sich ab. Eine Reihe von Blättern wurde auch nach verschiedenen Vorlagen komponiert. K. lieferte einzelne Folgen für Verleger in Nürnberg, Wien und andere; so wurden 100 Radierungen K.s von der Zehschen Buchhandlung in Nürnberg 1844 ff. herausgegeben. Postrat Carl Jahn (Gotha), ein Freund K.s, gab 1863 den maßgebenden Oeuvrekatalog der Druckgraphik von 1805-62 heraus (366 Nummern). Die Städtischen Kunstsammlungen Nürnberg erwarben 1917 das fast komplette Druckgraphikwerk K.s mit 2 004 Blatt aus dem Nachlaß Jahns sowie 1975 über 100 Kupferplatten.

    Seit 1816 entstanden zahlreiche Gemälde. Wieder sind es Pferde und Pferdeställe, Post- und Frachtwagen mit den Fuhrleuten, Schiffszüge auf der Donau, russische Soldaten vor Nürnberg, Landschaften und Architekturen aus Nürnberg und seiner Umgebung, aus Italien, der Schweiz und dem Rheinland, die K. in ihren Bann ziehen. Das Bildnis eines Herrn Brederloh aus Riga zu Pferd in felsiger Landschaft (1838) ragt aus dem Oeuvre heraus. Die Gemälde sind jeweils nach einzelnen Studien verschiedener Jahre komponiert. Seit 1839 wiederholen sich zahlreiche Darstellungen, wobei K. frühere Zeichnungen und Aquarelle als Detailvorlagen benützt. Überhaupt ist eine künstlerische Weiterentwicklung seit 1839 nicht mehr zu erkennen.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Preuß. Ak. d. bildenden Künste, 1833.

  • Werke

    Die Museen d. Stadt Nürnberg besitzen 22 Gem. sowie d. größten T. s. zeichner. u. graph. Werkes. -
    Ein eigenhänd. Lebenslauf v. 6.5.1833 in d. Ak. d. bildenden Künste, Berlin, einer v. 24.5.1833 in d. Museen d. Stadt Nürnberg, letzterer u. a. Urkk. u. Dokumente abgedr. b. W. Schwemmer, s. L.

  • Literatur

    ADB 16;
    C. Jahn, Das Werk v. J. A. K., Ma ler u. Kupferätzer zu München, 1863 (Oeuvrekat d. Radierungen u. Lith., P);
    F. v. Boetticher, Malerwerke d. 19. Jh. I, 2, 1895, 1941, S. 689-91 (1. Oeuvrekat. v. 64 Gem.);
    H. Höhn, J. A. K. als Zeichner u. Radierer, in: Mitt. aus d. German. Nat.mus., 1911, S. 150-88;
    W. v. Harder, J. A. K., Diss. Erlangen 1922 (ungedr.);
    P. Graupe, Das graph. Werk v. J. A. K., Kat. 111, 1928;
    C. G. Boerner, Kat. 172 Originalzeichnungen, Radierungen, Versteigerung, 29.4.1931 (aus Nachlaß C. Jahn);
    Ausstellung J. A. K. u. J. Ch. Erhard, 2 Nürnberger Maler u. Graphiker d. 19. Jh., Nürnberg, Städt. Gal., 1941;
    H. Schwarz, J. A. K. in Salzburg (1818), in: Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskde. 96, 1956, S. 207-22;
    W. Schwemmer, J. A. K., 1966 (Qu., L);
    ders., Faks. Ausg. d. Reisetagebuches v. J. A. K. 1810, 1966;
    ders., in: Fränk. Lb. II., 1966, S. 419-41;
    R. Freitag-Stadler, J. A. K. -
    Zeichnungen u. Aquarelle, 1975 (524 Nrr., Biogr., L, P);
    dies., J. A. K. 1792-1875, Zeichnungen u. Aquarelle, Ausstellungskat. Nr. 7, 1975;
    ThB (L).

  • Portraits

    Zeichnung von M. Chr. Hartmann, 1816 (Nürnberg, German. Nat.mus.);
    Gem. vor Staffelei e Pferdestall malend, 1833, Öl auf Porzellan v. L. Böttinger (ehemals Königsberg/Pr., Städt. Gem.-gal.);
    Brustbild v. A. Seitz, 1864 (Nürnberg, Stadtmus.);
    Selbstbildnis, 1820 (München, Staatl. Graph. Slgg.), Abb. b. Freitag-Stadler, s. L.

  • Autor/in

    Kurt Pilz
  • Empfohlene Zitierweise

    Pilz, Kurt, "Klein, Johann Adam" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 741 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118562924.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Klein: Johann Adam K., Maler, Zeichner und Radirer, wurde am 24. November 1792 zu Nürnberg, als das vierte Kind seiner Eltern, welche eine Weinwirthschaft hielten, geboren. Da bei ihm schon sehr frühe Talent für die bildende Kunst sich zeigte, ließ sein darüber erfreuter Vater ihm schon von seinem achten Lebensjahre an Unterricht im Zeichnen ertheilen, zuerst von dem Zeichnenlehrer v. Bemmel, dann 1802—6 in der von Ph. Zwinger geleiteten Zeichnenschule, woselbst er zuletzt Radirungen von Riedinger copirte und dadurch den Grund zu seiner später oft bewunderten Sicherheit der Zeichnung legte. Darauf kam K. in das Atelier des Kupferstechers A. Gabler, eines unbedeutenden Künstlers, aber eines in der Technik sehr erfahrenen Mannes und eines trefflichen Lehrers, der die besondere Begabung seines Schülers bald erkannte, zu würdigen und auszubilden wußte. Er wies ihn an, neben akademischen Studien auch fleißig nach der Natur zu zeichnen und leitete ihn an, das Charakteristische aufzufassen und richtig darzustellen. Zugleich erlernte K. bei ihm die Technik des Radirens und Aetzens. In dieser Weise tüchtig vorgebildet, ging K. im J. 1811 auf Reisen, zunächst, mit Empfehlungen von Seiten des bekannten Kunsthändlers Frauenholz versehen, über Regensburg, die Donau hinab, nach Wien, wo er bei den dortigen Künstlern freundliche Aufnahme fand, die Akademie besuchte, daneben aber auch mit Ausführung verschiedener Aufträge beschäftigt war, auch viele Platten ohne besonderen Auftrag radirte. Er zeichnete mit Vorliebe und zwar schon mit seiner bekannten Sicherheit, Correctheit und Treue der Auffassung die malerischen Costüme der Ungarn, Walachen, Polen etc., ihre Pferde und Fuhrwerke. Als dann Frauenholz nach Wien kam, kaufte er K. nicht nur sämmtliche radirte Platten ab, sondern machte ihm auch neue Bestellungen. Im September 1812 machte K., in Gesellschaft des ihm befreundeten Malers Mansfeld, eine Fußreise durch die Steyrischen Gebirge, an den Traun- und Hallstädter See, von welcher er viele Zeichnungen heimbrachte. Reichen Stoff für seine Studien verschafften ihm dann die Kriegszüge der Jahre 1813 und 1814. Er zeichnete die Soldaten und deren Bagage mit einer erstaunlichen Genauigkeit und|Treue, so gewissenhaft correct, daß diese Studien zugleich ein höchst werthvolles Material für kulturhistorische Zwecke bilden, Zeichnungen, welche jetzt um so werthvoller sind, weil wenig andere Künstler jener Zeit dergleichen gefertigt haben. Im J. 1815 kehrte K. nach seiner Vaterstadt zurück, wo er in der begonnenen Weise fleißig fortarbeitete, auch hier besonders unter den durchziehenden fremden Truppen seine Studien machte. Auch cultivirte er jetzt mehr die Oelmalerei. K. malte mit derselben Genauigkeit, mit welcher er zeichnete und radirte. Es kam ihm überall auf größtmögliche Treue und Charakteristik in den Einzelnheiten, weniger auf malerische Gesammtwirkung oder Stimmung an, weshalb seine Oelgemälde meist trocken, oft hart, nur selten wirkliche „Bilder“ sind, während seine Radirungen unübertroffen dastehen und den besten aller Zeiten sich anreihen. Im Juni 1816 ging K., in Begleitung seines Freundes, des trefflichen Radirers J. C. Erhard, nach Wien, wo er meist Oelbilder malte, brach dann aber, nach einem längeren Aufenthalte in Salzburg und einem kürzeren in Nürnberg, im August 1819 nach Italien auf. Er ging durch die Schweiz, über Mailand, Bologna und Florenz nach Rom, wo er seinen Freund Erhard in Gesellschaft des Landschaftsmalers Koch vorfand und bald mit den anderen damals in Rom lebenden deutschen Künstlern befreundet wurde. Auch in Italien interessirten ihn das Volk mit seinen malerischen Costümen, die Fuhrwerke, die Lastthiere und Aehnliches, mehr als die großen Kunstwerke älterer Zeiten. Er zeichnete, radirte, malte sehr fleißig, verkaufte auch mehrere größere Gemälde an die Kronprinzen von Baiern und Dänemark, an die Grafen Schönborn und Baudissin, sowie an den englischen Gesandten Baron Rheden. Ende des Jahres 1821 ging er über Venedig und Tirol nach Nürnberg zurück, wo er sogleich mehrere Aufträge zur Ausführung größerer Oelgemälde nach den mitgebrachten Studien erhielt, sich auch am 10. Februar 1823 mit Karoline Wüst verheirathete. Kleine Ausflüge nach Dresden, Leipzig und München abgerechnet, blieb K. nun bis zum J. 1839 in seiner Vaterstadt, siedelte dann aber, nachdem seine Gattin gestorben war und er sich zum zweiten Male mit der Wittwe des Kupferstechers Wolf verheirathet hatte, nach München über, wo er bis zu seinem am 21. Mai 1875 erfolgten Tode — er wurde 83 Jahre alt — unablässig schassend — noch im J. 1874 hat er gemalt, während er die Radirnadel schon seit mehr als zehn Jahren bei Seite gelegt hatte — in stiller Zurückgezogenheit gelebt hat. K. war ein ächter Künstler im wahren Sinne des Wortes, lebte ganz seiner Kunst, war milde und bieder in seiner Gesinnung und liebenswürdig in seinem Wesen. An Anerkennung hat es ihm nie gefehlt. Seine Arbeiten waren stets hoch geschätzt und viel begehrt; seine Radirungen wurden von vielen Kunstfreunden eifrig gesammelt. Trotzdem blieb K. einfach und bescheiden. Die meisten seiner Originalkupferplatten befinden sich in Besitz der Buchhandlung J. L. Lotzbeck in Nürnberg, welche neue Abdrücke derselben veranstaltet und herausgegeben hat.

    • Literatur

      C. Jahn, Das Werk von J. A. Klein (München 1863).

  • Autor/in

    R. Bergau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bergau, R., "Klein, Johann Adam" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 95-96 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118562924.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA