Lebensdaten
1900 bis 1951
Geburtsort
Wadgassen (Saarland)
Sterbeort
Saarlouis
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; katholischer Priester
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118562509 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kirschweng, Johannes

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Zitierweise

Kirschweng, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118562509.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (1871–1950), aus Köln-Ehrenfeld, arbeitete in d. Kristallfabrik W.;
    M Luise Mathieu (1876–1949).

  • Leben

    K.s Vorfahren kamen in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts aus der Gegend des lothringischen Bitsch in das Glasbläserdorf Wadgassen. K. hat sich dieser Herkunft immer gern erinnert und sie an vielen Stellen seines literarischen Werkes erwähnt. Letztlich war sie für ihn der Anlaß, sich stets für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich einzusetzen. K.s weitere Themen sind: Heimat, Glaube und die eigene Identität. Dennoch ist er mehr als ein Heimatdichter. Heimat ist für ihn Anstoß und Ausgangspunkt zur Ergründung menschlichen Seins und Verhaltens schlechthin.

    K. besuchte mit 13 Jahren unter finanziellen Opfern der Familie das Konvikt in Trier und studierte Theologie. 1924 wurde er zum Priester geweiht und war 10 Jahre Kaplan, unter anderem in Bernkastel-Kues und Bad Neuenahr. 1934 wurde er krankheitshalber auf Dauer beurlaubt und konnte sich seither ganz der Schriftstellerei widmen. Er lebte in seinem Vaterhaus in Wadgassen (Saarstraße 19), dem er in der Erzählung „Das Haus“ bleibende Erinnerung gesichert hat. 1928 war die Novelle „Der Überfall der Jahrhunderte“ erschienen. 1931 kam eine erste Sammlung von Erzählungen unter dem Titel „Aufgehellte Nacht“ heraus. Damit kündigte sich K. als Erzähler von unbestrittener Meisterschaft an. Daneben stehen 5 Romane, Märchen, Betrachtungen und Gedichte. Die menschliche und schriftstellerische Existenz K.s ist nur vor dem Hintergrund der jüngeren politischen Geschichte des Saarlandes verständlich, das zweimal innerhalb einer Generation, 1935 und 1957, „nach Deutschland zurückkehrte“. An Versuchen, sein Werk tagespolitisch zu deuten, hat es nicht gefehlt. K. hat sie geradezu herausgefordert, indem er an einigen Stellen seines Werkes anstatt pragmatischer politischer Vernunft Pathos und Emphase walten läßt: Dies nicht nur in seinem ersten Roman „Das wachsende Reich“ (1935), sondern vor allem in der Bekenntnisschrift „Bewahrtes und Verheißendes“ (1946), die für viele die geistige Begründung des saarländischen Separatismus gewesen ist. Die Erkenntnis, den Lauf der Geschichte aus der behüteten Wadgasser Kammer nicht wesentlich beeinflussen zu können, bedrückte K. in den letzten Jahren. Sein letzter Roman „Der Schäferkarren“ (1948) spiegelt diese Resignation, nun ins Menschliche gewendet, wider. Bis zur letzten Zeile ist er aber seinem großen Leitthema, der Liebe zur Heimat, treu geblieben.

  • Werke

    Weitere W Romane: Feldwache d. Liebe, 1936;
    Der Neffe d. Marschalls, 1939;
    Das Tor d.|Freude, 1940. -
    Erzz.: Zwischen Welt u. Wäldern, 1933;
    Die blaue Kerze, 1935;
    Der Widerstand beginnt, 1935;
    Odilo u. d. Geheimnisse, 1937;
    Ernte eines Sommers, 1938;
    Sterne überm Dorf, 1938;
    Fahrt d. Treuen, 1938;
    Der ausgeruhte Vetter, 1942;
    Der Mönch d. Soldatenkönigs, 1948. -
    Gedichte: Spiel v. Dichter u. Volk, 1935;
    Lieder d. Zuversicht, 1940;
    Spät in d. Nacht, 1946;
    Der Traummacher, 1947;
    Abendstern überm Land, 1948. -
    Novelle: Der Nußbaum, 1934. -
    Der goldene Nebel, Märchen, 1930;
    Trost d. Dinge, 1940;
    Die Jahreszeiten, 1944;
    Kleine Köstlichkeiten, 1944;
    Mein Saarbrevier, o. J. -
    Gesamtausg. in 10 Bdn. in Vorbereitung, 4 davon ersch., 1974 ff.

  • Literatur

    W. H. Recktenwald, Literar. Leben im Saarland, Versuch e. Bestandaufnahme, in: Das Saarland - ein Btr. z. Entwicklung d. jüngsten Bundeslandes in Pol., Kultur u. Wirtsch., 1958;
    W. Haberl, J. K., Eine Monogr., Diss. Innsbruck 1968 (W, L, ungedr.);
    F.-J. Reichert, J. K., Ein saarländ. Schicksal, in: Festgabe z. 20. Todestag, 1971 (P).

  • Autor/in

    Franz-Josef Reichert
  • Empfohlene Zitierweise

    Reichert, Franz-Josef, "Kirschweng, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 677 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118562509.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA