Lebensdaten
1888 bis 1976
Geburtsort
Ballrechten (Baden)
Sterbeort
Luzern (Schweiz)
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11856031X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Karrer, Otto

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Zitierweise

Karrer, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11856031X.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob (1858–1925), Landwirt;
    M Rosa Zimmermann (* 1859), aus Schmiedefam.

  • Leben

    1908-13 und 1918-20 oblag K. philosophischen und theologischen Studien in Innsbruck, Valkenburg, München und Rom. 1913-18 war er Präfekt und Klassenlehrer am Kollegium Stella Matutina in Feldkirch. Bis 1925 war er Mitglied der Gesellschaft Jesu, dann lebte und wirkte er als freier theologischer Schriftsteller und Seelsorger in Luzern. Er gehört zu den vielseitigsten Theologen des deutschen Sprachraums in der Zeit zwischen dem 1. Weltkrieg und dem 2. Vatikanischen Konzil. K. ist einer der großen Wegbereiter der inneren Erneuerung der katholischen Kirche durch das 2. Vatikanum. Sein Hauptverdienst liegt in der Anbahnung und Förderung des ökumenischen Dialogs zwischen den christlichen Konfessionen. Alle ökumenischen Kreise, die seit 1945 in der deutschsprachigen Schweiz entstanden, gehen auf seine Initiative zurück. In seinem Werk „Das Religiöse in der Menschheit und das Christentum“ (1934, 41949, englisch, französisch, holländisch, ungarisch) hat K. bereits 1934 vorausgenommen, was sich 30 Jahre später im Konzilsdekret über das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen durchgesetzt hat. Seine Textausgaben von Gebeten und Meditationen aus allen Epochen der Kirchengeschichte haben wesentlich zu einer Neuorientierung des persönlichen Betens aller Volksschichten beigetragen. Eine entscheidende Wende in der Beurteilung Meister Eckhardts brachten seine Forschungen auf Grund unedierter Texte (Meister Eckehart, 1926). Ein weites Echo fanden seine mutigen Warnrufe vor einer überspitzten Marienverehrung im Anschluß an das Marianische Jahr (Hochland 47, 1954/55, S. 201-08). Bereits sein erstes hagiographisches Werk über Franz von Borja (1921) hatte durch die Eigenständigkeit der Interpretation Aufsehen erregt. Die Studien über den Kontroverstheologen Robert Bellarmin führten zum Konflikt mit seinem Orden. Die frühe Begegnung mit der Gestalt J. H. Newmans hat K.s Persönlichkeit und Denken tief geprägt. Seine Textsammlung aus dem Gesamtwerk Newmans über die Kirche wurde vielen in der Zeit des stillen Umbruchs zum Leitbild. Lange stand auch K., besonders in seiner engeren Wahlheimat, „unter der Wolke des Mißtrauens“. Nach dem Durchbruch seiner Anliegen im 2. Vatikanischen Konzil fand er allgemeine Anerkennung (Innerschweizerischer Kulturpreis 1965, Ehrendoktorat der Universität Tübingen, Mitbegründer und Ehrenmitglied der [interkonfessionellen] Schweizerischen Theologischen Gesellschaft). Für seinen mutigen und hingebenden Einsatz für Emigranten und Flüchtlinge während der Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkriegs wurde ihm 1958 das Große Verdienstkreuz verliehen. Als reifstes Werk, das aus der Synthese seines pastoralen, theologischen und ökumenischen Herzensanliegens hervorging, wird von katholischer und evangelischer Seite seine Übersetzung und Erklärung des Neuen Testamentes bezeichnet (1950, 41967).

  • Werke

    Weitere W J. H. Newman, Christentum, 1922 (mit E. Przywara);
    Textgesch. d. Mystik, 3 Bde., 1926 f.;
    J. H. Newman, Die Kirche, 2 Bde., 1945 f. (franz., engl.);
    Um die Einheit d. Christen, Die Petrusfrage, 1953;
    Das Reich Gottes heute, 1956 (engl., span.);
    Trennung u. Einung im Glauben, 1956 (mit H. Asmussen);
    Maria in Dichtung u. Deutung, 1962, 21963;
    Die Worte Jesu, 1963 (franz., span.);
    Das 2. Vatikan. Konzil, 1966;
    Streiflichter, Aus Briefen an mich 1933-75, 1976 (Autobiogr.).

  • Literatur

    M. Roesle u. O. Cullmann, Begegnung d. Christen, O. K. z. 70. Geb.tag, 1959 (W- Verz., P);
    J. L. Leuba u. H. Stirnimann, Freiheit in d. Begegnung, O. K. z. 80. Geb.tag, 1969 (W-Verz., P);
    L. Höfer, in: Tendenzen d. Theol. d. 20. Jh., hrsg. v. H. J. Schultz, 1966, S. 339-43;
    L. Kunz, in: Schweizer. Kirchenztg. 145, 1977, S. 35-38;
    Who's Who, 71976.

  • Autor/in

    Leo Kunz
  • Empfohlene Zitierweise

    Kunz, Leo, "Karrer, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 297 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11856031X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA