Lebensdaten
1890 bis 1946
Geburtsort
Würzburg
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Generaloberst
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118557602 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jodl, Alfred
  • Baumgärtler, Alfred
  • Baumgärtler, Alfred Josef Ferdinand
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Zitierweise

Jodl, Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118557602.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alfred (1853–1930), bayer. Oberst, S d. Joh. Baptist (s. Gen. 2);
    M Therese Baumgärtler ( 1928);
    Ov Friedrich (s. 2);
    B Ferdinand (1896–1956), Gen. d. Gebirgstruppen (Lappland, Narvik);
    - 1) Augsburg 1913 Irma (1885–1944), T d. bayer. Obersten Arthur Gf. v. Bullion u. d. Theresia Startz, 2) Berlin 1945 Luise (1905-98), T d. Robert v. Benda, auf Rubkow, u. d. Kate Gill; kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volksschule und des Münchner Theresiengymnasiums trat J. mit 13 Jahren in das Bayer. Kadetten-Korps ein und erwarb dort das Reifezeugnis. 1910 wurde er an das bayer. 4. Feldartillerie-Regiment als Fähnrich überwiesen. Den 1. Weltkrieg machte J. bis Dez. 1916 als Batterieoffizier und Batterieführer an der Westfront mit und wurde in dieser Zeit zweimal verwundet. Nach kurzer Dienstleistung in einem ungar. Honved-Kanonen-Regiment im Osten fand er Ende Mai 1917 als Regimentsadjutant und ab Dez. 1917 als Adjutant eines Artilleriekommandeurs – nun wieder im Westen – Verwendung. Als Führer der „Volkswehr-Batterie Augsburg“ nahm J. im Mai/Juni 1919 an den Einsätzen des Übergangsheeres teil und wurde am 1.10.1919 endgültig in die Reichswehr übernommen. Anfang Jan. 1921 wurde er zur Führergehilfenausbildung und im Okt. 1923 zu einem einjährigen Studium an die Univ. Berlin kommandiert. 8 Jahre verbrachte J. anschließend – mit einjähriger Unterbrechung als Batteriechef – im Generalstab der 7. (bayer.) Division in München, bis er im Herbst 1932 in die für die Operationsführung zuständige Abteilung des Truppenamtes (des späteren Generalstabs des Heeres) nach Berlin versetzt wurde. Hier wurde er während der Ära des Generals Ludwig Beck mit den großen operativen Fragen und Zusammenhängen vertraut gemacht und übernahm im Zuge des Ausbaus der Reichswehr zur Wehrmacht am 1.7.1935 die Leitung der neuen, dem Reichskriegsminister unterstellten Abteilung „Landesverteidigung“. Durch diese für seine spätere Laufbahn entscheidende Berufung hatte er einen gewichtigen Anteil an den operativen Planungen der 30er Jahre. Seine Verwendung als Artilleriekommandeur 44 in Linz/Donau (1938/39) war nur von kurzer Dauer. Wenige Tage vor dem Ausbruch des 2, Weltkrieges übernahm J. die Leitung des „Wehrmachtführungsamtes“, 1940 in „Wehrmachtführungsstab“ umbenannt, im OKW. In dieser Stellung wurde er engster Berater Hitlers in allen Fragen der Gesamtkriegführung. Ab 1942 leitete er zugleich die Operationen gegen die westlichen Alliierten zu Lande vom Nordkap bis nach Afrika. Seine immense Arbeitskraft wurde durch die Beförderung zum General d. Art. am 19.7.1940 – unter Überspringung des Generalleutnants – und zum Generaloberst am 1.2.1944 belohnt. J. war zweifellos ein loyaler, aber keineswegs unkritischer Mitarbeiter Hitlers. Teilnehmer an der „Führerlage“ bezeugen, daß er seine Meinung mit generalstabsmäßiger Präzision vortrug. Sein persönliches Verhältnis zu Hitler war ab 1942 – gelegentlich für längere Zeit – gespannt, doch reichte seine innere Distanzierung nicht aus, um – von Ausnahmen abgesehen – eigene Auffassungen durchzusetzen oder gar persönliche Konsequenzen zu ziehen. Nach der Verlegung des Wehrmachtführungsstabes in den letzten Apriltagen des Jahres 1945 in den Norden Deutschlands war J. bestrebt, die Kapitulation der deutschen Wehrmacht gegenüber den sowjetischen Streitkräften hinauszuschieben. Dazu verhandelte er mit den Amerikanern in Reims (Kapitulation 7.5.1945). Seine Hoffnung, daß der Wehrmachtführungsstab die Funktion eines deutschen Verbindungsstabes zu allen Militärregierungen erhalten würde, erwies sich sehr schnell als Illusion. Am 23.5.1945 trat J. in Flensburg den Weg in die britische Kriegsgefangenschaft an und wurde im Herbst vom Internationalen Militärgericht in Nürnberg als Hauptkriegsverbrecher angeklagt. Das Gericht fand ihn des Verbrechens gegen den Frieden, des Kriegsverbrechens und des Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig. Am 16.10.1946 wurde J. durch den Strang hingerichtet.

    J. hat in Nürnberg mit der Niederschrift seiner Erinnerungen begonnen, doch reicht sie nur in die 20er Jahre. Noch im Aug. 1946 verfaßte er eine Studie „Ein Krieg zwischen den Westmächten und der Sowjetunion (Von Europa aus betrachtet) “. Seine Tagesnotizen aus der Zeit des 2. Weltkrieges und dem Jahre 1938 sind nur zum Teil erhalten geblieben und in einer kleinen Edition sowie im Nürnberger Dokument 1780 – PS festgehalten worden.

  • Werke

    Weitere W Das dienstl. Tagebuch d. Chefs d. Wehrmachtsführungsamtes im OKW, Gen.major J., f. d. Zeit v. 13.10.1939 b. z. 30.1.1940, hrsg. v. W. Hubatsch, in: Welt als Gesch. 12, 1952, 13, 1953.

  • Literatur

    H. Greiner, Die oberste Wehrmachtführung 1939–43. 1951;
    J. W. Wheeler-Bennett, die Nemesis d. Macht, Die Dt. Armee in d. Pol. 1918–45, 1954;
    Hitlers Lagebesprechungen, Die Protokollfragmente s. mil. Konferenzen 1942–45, hrsg. v. H. Heiber, 1962 Kriegstagebuch d. Oberkommandos d. Wehrmacht (Wehrmachtführungsstab) 1940–45, Bd. 1-4, hrsg. v. P. E. Schramm, 1961-65. Eine Biogr. J.s steht noch aus.

  • Autor/in

    Friedrich-Christian Stahl
  • Empfohlene Zitierweise

    Stahl, Friedrich-Christian, "Jodl, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 449 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118557602.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA