• Genealogie

    V Gustav (1853–1925), Schreinermeister, S d. Maurers Karl Friedrich in Golßen/Niederlausitz u. d. Joh. Friederike Jenichen;
    M Marie (1853–1928), T d. Steinhauers Anton Zimmermann in Ems u. d. Elisabeth Bauch aus Montabaur;
    Hartenstein/Erzgeb. 1923 Marie (* 1900), T d. Buchhalters Heinrich Knoth u. d. Martha Launert; kinderlos.

  • Leben

    Dem „Wandervogel“ seit der Jugend nahestehend, widmete sich der Buchhalter J. nach dem Ende des 1. Weltkrieges ganz dieser Bewegung. Als maßgebendem Mitarbeiter der Wandervogelkanzlei in Hartenstein im Sächs. Erzgebirge oblag ihm die Organisation vieler Gemeinschaftsveranstaltungen. Am 10.8.1921 kam dabei erstmals ein von J. verfaßtes und zusammen mit Kameraden improvisiertes Handpuppenspiel zur Aufführung Der Erfolg veranlaßte J., sich in der Folge ganz dem Handpuppentheater zu widmen, das bis dahin mit verschwindenden Ausnahmen nur in der Form des Jahrmarktspuppenspiels bekannt war. Dieser Enlschluß führte zu einer Renaissance des Handpuppenspiels, durch das J. und seine Ensembles Weltruf erlangten. Neben J.s Gabe der Menschenführung war dabei sein spezifischer Humor entscheidend, mit dem er seinen Kasper ausstattete.

    Nach Verlegung des Stammsitzes von Hartenstein in die Burg Hohnstein in der Sächs. Schweiz (1928) wurden die „Hohnsteiner“ ein künstlerisches Medium, dessen vielfältige Wirkung auch pädagogische Ausbildungsstätten, Volkshochschulen und Jugendbehörden in Anspruch nahmen. Neben der völligen Abkehr von der groben Situationskomik führte J. die nur mit Vorhängen arbeitende Stilbühne ein, ebenso den Puppentanz, Gruppenszenen, die Einbeziehung der ganzen Bühnentiefe ins Spiel. Typisch war seine elegant frotzelnde Apostrophierung des Publikums. Das alles verschaffte J. und seinen „Hohnsteinern“ eine unübersehbare Anhängerschaft. 1937 erhielt er auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille. Während des 2. Weltkriegs spielte J. mit seinem Ensemble an allen Fronten.

    Nach Kriegsende ließ sich J. in Hamburg nieder, während seine Frau Marie die Einrichtungen in Hohnstein betreute 1953 setzte sich J. zur Ruhe, um sich nun überwiegend Puppenspiellehrgängen, Kontakten mit Film und Fernsehen, seiner Selbstbiographie und seiner Tätigkeit als Präsident (seit 1957) der Weltvereinigung der Puppenspieler, der „Union Internationale de la Marionnette“ (UNIMA), zu widmen. J. hat an dem nach Kriegsende einsetzenden weltweiten Aufschwung des Puppentheaters entscheidenden Anteil.|

  • Auszeichnungen

    Gr. Bundesverdienstkreuz (1956).

  • Werke

    u. a. Wollt Ihr Kasper spielen?, 1957, 21964;
    Mein Kasper und ich, Lebenserinnerungen e. Puppenspielers, 1964. -
    Meistens o. J.: Kasper u. Seppl auf Reisen, Leipzig;
    Seppls Geburtstag/Die Räuber Kribs u. Krabs, Essen;
    Die kluge Bauerntochter, Graz;
    Die Prinzessin u. d. Schweinehirt, ebd.;
    Großmutters neues Kleid, ebd.;
    Ritter Elfenbein, Leipzig;
    Der Krämerskorb, Essen;
    Kasper kauft e. Haus, Graz;
    Der falsche Graf/Räuber Vollbart, Essen;
    Kasper in Afrika, Leipzig;
    Kasper als Kammerdiener/Kasper als Arzt, ebd.;
    Der gestohlene Geburtstagskuchen, Weinheim a. d. B.;
    Kaspers Abenteuer im Blaubeerwald, Rotenburg/Fulda;
    Kasper u. s. Flocki/Der Blumenstrauß, Essen;
    Der König sucht e. Diener/Das Telefon, ebd.;
    Schneider Ziegenbart, Graz;
    Die alte Mühle, 1959.

  • Literatur

    R. Schimmrich, Das Handpuppen-Laienspielbuch d. Hohnsteiner, 1930;
    Puppenspieler -Mensch - Narr - Weiser, Festgabe M. J. z. 70. Geb.tag, Für d. Freundeskreis d. Hohnsteiner Puppenspiele hrsg. v. H. Just, 1958.

  • Autor/in

    Ludwig Krafft
  • Empfohlene Zitierweise

    Krafft, Ludwig, "Jacob, Max" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 218 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118556304.html#ndbcontent

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