Lebensdaten
1750 bis 1809
Geburtsort
Reichenweier bei Kolmar (Elsaß)
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
Ehefrau Johann Gottfried Herders
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118549561 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herder, Carolina Maria
  • Flachsland, Carolina (geborene)
  • Flachsland, Carolina Maria (geborene)
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Herder, Carolina, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118549561.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Frdr. Flachsland (1715–55), württ. Amts- u. Kirchenschaffner d. Gfsch. Horburg in R., S d. Pfarrers Joh. Rudolf in Weitenau b. Schopfheim u. d. Pfarrers-T Magd. Dorothea Mauritii;
    M Rosine Cath. (1717–65), T d. Christoph Mauritii (1675–1721), Spezialsup. in Lörrach, u. d. Sophie Rosine Förderer;
    Groß-Tante-m Anna Maria Mauritii ( vor 1708), Dichterin geistl. Lieder (s. ADB 20);
    Om Joh. Christoph Mauritii (1720–92), Insp. d. Lateinschule a. d. Franckeschen Stiftungen in Halle, seit 1748 Prof. d. Philos. u. Beredsamkeit in Karlsruhe, 1761 Hof- u. Stadtdiakon, 1767 Wirkl. Konsistorialrat, 1770 Hofprediger, Spezialsup. in Durlach;
    Schw Ernestina (seit 1761 außerehel. verbunden mit Landgf. Ludwig IX. v. Hessen-Darmstadt, 1790; 1766 Phil. Jacob Goll, Amtmann), Friederike ( Andr. Peter v. Hesse, 1803, hessen-darmstädt. WGR u. Min.);
    - Darmstadt 1773 Joh. Gottfried Herder (s. 2);
    7 S (1 jung †), 1 T (s. Gen. 2).

  • Leben

    H. wuchs nach dem frühen Tode ihrer Eltern bei ihrer älteren Schwester Friederike im Hause ihres Schwagers A. P. von Hesse auf. Im Kreise um die „Große Landgräfin“ (Goethe) Karoline von Hessen-Darmstadt und in der „empfindsamen“ „Gemeinde der Heiligen“ empfing sie entscheidende geistige und seelische Anregungen; die Eindrücke der verfahrenen Regierung und die Begegnung mit Friedrich Karl von Moser bestimmten ihr kritisches politisches Urteil noch lange Zeit. Franz Michael Leuchsenring und Johann Heinrich Merck standen ihr damals freundschaftlich nahe, Goethe nannte sie noch später oft seine „Schwester“. Durch Mercks Vermittlung lernte die „Psyche“ genannte H. im August 1770 den durchreisenden J. G. Herder kennen. Ihr anschließender Briefwechsel gehört zu den wichtigsten Zeugnissen der Zeit, zeigt aber auch im Ringen der beiden Liebenden um eine Entscheidung die Zwiespältigkeit ihrer Charaktere. H. war sehr aufgeschlossen, hochgebildet, verstand mehrere Sprachen; bei aller nüchtern-praktischen Einstellung zum Leben aber erlag die leidenschaftliche Frau oft ihrem leicht erregbaren Temperament, kannte in Liebe und Haß wenig Grenzen, urteilte vorschnell und manchmal ungerecht. Nach ihrer Hochzeit folgte sie Herder nach Bückeburg. In der Stille der abgeschiedenen kleinen Residenz verlebten beide ihre „glücklichste“, aber auch eine geistig fruchtbare Zeit. Nach Herders Berufung nach Weimar 1776 öffnete sich hier für die Frau ein neuer Wirkungskreis im Kreise ihrer wachsenden Familie und der Freunde ihres Mannes; auch nahm sie an seiner amtlichen und schriftstellerischen Arbeit stets Anteil. Sie wurde die „Theano“ der „Gott“gespräche (1787), war auch Helferin beim Entstehen vieler Werke Herders (der „Volkslieder“, der „Ideen“, der „Zerstreuten Blätter“) und führte besonders in späteren Jahren als seine „Secretaire“ seine umfangreiche Korrespondenz. Vor allem aber galt ihre ganze Fürsorge, obwohl die früh Erschöpfte selbst oft krank war, dem alternden, hinsiechenden Manne. „Ohne Karoline kein Johann Gottfried Herder“, rühmte Gleim von ihr. Ein schwerer Schlag traf sie, als sich Goethe 1795 gelegentlich einer geldlichen Auseinandersetzung mit Herzog Karl August von ihr abkehrte; von nun an hatten sie kaum noch Kontakt, doch blieb sie ihm geistig nahe. Die Freundschaft mit Gleim, Johann Georg Müller in Schaffhausen und Jean Paul beglückte sie, konnte ihr diesen Verlust aber nicht ersetzen. Nach des Gatten Tode 1803 galt ihre Sorge nur noch ihren unter schwierigen Verhältnissen lebenden Söhnen, der Herausgabe von Herders|sämtlichen Werken, die sie schließlich allein mit Johann Georg Müller bei Cotta seit 1805, freilich nicht ohne Mängel, durchführte, und der unermüdlichen Werbung für seine Gedanken.

  • Werke

    s. a. W zu 2), ferner: Erinnerungen aus d. Leben J. G. v. Herder, hrsg. v. Joh. Gg. Müller, 2 T., 1820. - Briefwechsel nur z. T. u. fehlerhaft abgedr.: mit Joh. Gg. Müller, hrsg. v. H. Gelzer, in: Prot. Mbll. 14, 1859, mit K. L. v. Knebel, in: H. Düntzer, Zur dt. Lit., 1858, mit Gleim u. Hartknoch (Von u. an Herder, hrsg. v. H. Düntzer u. Ferd. G. v. Herder, 1861, Bd. I u. II);
    vollst.: mit Johs. v. Müller, hrsg. v. K. E. Hoffmann, 1952, mit Jean Paul, hrsg. v. P. Stapf, 1959.

  • Literatur

    W. Dobbek, K. H., Ein Frauenleben in klass. Zeit, 1963 (P).

  • Portraits

    b. Dobbek, s. L, ferner Gem. v. P. Gareis, um 1771 (verschollen), danach Stahlstich, 1846, Abb. b. P. v. Gebhardt u. H. Schauer, J. G. Herders Vorfahren u. Nachkommen, 1930, Tafel XXIII.

  • Literatur

    z. Gesamtfam.: P. v. Gebhardt u. H. Schauer, J. G. Herders Vorfahren u. Nachkommen, 1930 (W, L, P).

  • Autor/in

    Wilhelm Dobbek
  • Empfohlene Zitierweise

    Dobbek, Wilhelm, "Herder, Carolina" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 603 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118549561.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA