Lebensdaten
1837 bis 1916
Geburtsort
Haslach (Kinzigtal)
Sterbeort
Haslach (Kinzigtal)
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118545809 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hansjakob, Heinrich

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Zitierweise

Hansjakob, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545809.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (1802–64), Bäcker u. Stadtwirt in H., S d. Bäckers Philipp in H. u. d. Maria Anna Zachmann;
    M Cäcilie (1812–67), T d. Kaufm. Franz Xaver Kaltenbach in Triberg u. d. Luitgart Heim.

  • Leben

    Zu Haslach in dem die Grenze zwischen südlichem und nördlichem Schwarzwald bildenden Kinzigtal verlebte H. seinen „Kinderhimmel“, der den geweckten Knaben mit Menschen, Sitten und Bräuchen des halb bäuerlichen, halb handwerklichen Gemeinwesens in unmittelbare Berührung brachte. 1852 bezog er das Gymnasium in Rastatt. An der Universität Freiburg studierte er Theologie und Philologie, wurde 1863 zum Priester geweiht und legte im gleichen Jahre sein philologisches Staatsexamen in Karlsruhe ab. Nach kurzer Tätigkeit am Gymnasium in Donaueschingen rückte er 1865 zum Vorstand der höheren Bürgerschule in Waldshut auf, wurde aber 1868 als hitziger klerikaler Vorstreiter im damaligen Kulturkampf vom liberalen Ministerium Jolly seiner Stellung entsetzt und zog 1869 in die Pfarrei des Bodenseedorfes Hagnau ein.

    Im ersten Hagnauer Jahrzehnt entfaltete H. eine rege politische Tätigkeit, die dem temperamentvollen Redner und Publizisten eine Festungshaft in Rastatt sowie eine sechswöchige in Radolfzell verbüßte Gefängnisstrafe einbrachte. Dem badischen Landtag gehörte er als Zentrumsabgeordneter 1871-78 an, als Reichstagskandidat konnte er 1877 nicht durchdringen. 1878 beendete er seine politische Laufbahn und widmete sich in vorbildlicher Weise seiner Gemeinde nicht nur bei der Seelsorge, sondern auch in kulturellen und wirtschaftlichen Fragen. Er sorgte für die Pflege des dörflichen Brauchtums, wobei ihm vor allem die Erhaltung der Volkstrachten am Herzen lag, für eine stattliche Pfarrbibliothek und gründete 1881 den Winzerverein Hagnau. 1884 kam er als Stadtpfarrer an Sankt Martin nach Freiburg, wo er, ein geschätzter Kanzelredner, seine seit Waldshut und Hagnau geübte schriftstellerische Arbeit fortsetzte und alljährlich seine stetig wachsende Gemeinde mit einem neuen Buch überraschte. Er unternahm zahlreiche Reisen, am liebsten mit eigenem Pferdegespann, suchte Erholung für seine angegriffenen Nerven und Muße zum Schreiben in der Waldeinsamkeit der unweit Freiburg gelegenen „Kartause“ sowie in seinem „Paradies“, dem Dorfe Hofstetten bei Haslach. Nach der Feier seines goldenen Priesterjubiläums 1913 kehrte er in seine Heimat Haslach zurück. H.s literarische Laufbahn begann mit geschichtlichen Studien (unter anderem Die Salpeterer, 1867), denen in mehreren Büchern die Schilderung seiner Gefängniszeit und seiner Landtagstätigkeit folgte. Die Erinnerungsbücher „Aus meiner Jugendzeit“ (1880) und „Aus meiner Studienzeit“ (1885), von denen das erstere als volkskundliche Quelle heute noch wichtig ist, ergänzte er durch Berichte über seine Reisen nach Frankreich, Italien und den Niederlanden. Zum eigentlichen Erzähler ist H. verhältnismäßig spät mit den Erzählungen „Wilde Kirschen“ (1888), „Schneeballen“ (1892/93) und dem „Erzbauern“ (1898) gereift. Später überwiegen die für H. bezeichnenden „Ich-Bücher“, von denen die besten, „Erinnerungen einer alten Schwarzwälderin“ (1898), „Meine Madonna“ (1903) und „Allerlei Leute und allerlei Gedanken“ (1913), wie auch andere verwandter Art viele Leser, nicht nur in der engeren Heimat, gefunden haben. Dazwischen liegen theologische und polemische Schriften bis zu den „Zwiegesprächen über den Weltkrieg, gehalten mit den Fischen auf dem Meeresgrund“ (1916). Aus dem Nachlaß wurde „Feierabend“ (1917) veröffentlicht.

  • Werke

    Weitere W u. a. Hermann v. Vicari, 1868;
    Der Waldshuter Krieg v. 1468, 1868;
    Auf d. Festung, 1870;
    Im Gefängnis, 1873;
    In Frankreich, 1874;
    In Italien, 1877;
    In d. Residenz, 1878;
    In d. Niederlanden, 1880;
    Der schwarze Berthold, 1891;
    Dürre Blätter, 1889/90;
    Unsere Volkstrachten, 1892;
    Aus kranken Tagen, 1894;
    Leutnant v. Hasle, 1895;
    Bauernblut, 1896;
    Der steinerne Mann v. Hasle, 1897;
    Waldleute, 1897;
    Im Paradies, 1897;
    Abendläuten, 1898;
    In d. Kartause, 1900;
    Aus d. Leben e. Unglücklichen, 1900;
    Aus d. Leben e. Glücklichen, 1901;
    Verlassene Wege, 1902;
    Letzte Fahrten, 1902;
    Aus d. Leben e. Vielgeprüften, 1903;
    Sommerfahrten, 1903;
    Alpenrosen mit Dornen, 1904;
    Sonnige Tage, 1904;
    Stille Stunden, 1905;
    Aus d. Leben e. treuen Hausgenossen, 1908;
    Aus d. Leben e. Vielgeliebten, 1909; Allerseelentage, 1912; H. Finke, H. H. u. s. Anfänge als Historiker. Mit d. Alterskorr. Hans Thoma - H. H.ges. v. A. Trunz, 1938.

  • Literatur

    A. Pfister, H. H., 1901 (P);
    H. Bischoff, H. H., 1901 (fläm.), 1904 (dt.);
    K. Hesselbacher, in: Silhouetten neuerer bad. Dichter, 1910, S. 60-68;
    O. Floeck, H. H., 1922 (L, P);
    F. Singer, in: Bad. Köpfe III. 1937, S. 289-93;
    W. E. Oeftering, in: Gesch. d. Lit. in Baden III, 1939, S. 60-64;
    Hansjakob-Jb., 1958;
    H. Fautz, Aus d. Werkstatt H. H.s, 1964;
    C. Bauer, in: DBJ I, S. 220-23 (W, L, u. Tl. 1916, L);
    Kosch, Lit.-Lex. (W, L). - H.-Archiv u. -Mus. in Haslach (Gasthof Sonne, Freihof u. Kapuzinerkloster); in Freiburg 3 unveränderte Wohnstuben H.s in d. Kartause mit vielen Erinnerungsstücken; H.stuben u. a. in Freiburg, Hagnau, Hofstetten, Hunaweier (Elsaß), Rastatt u. Waldshut; H.-Ges., Sitz Freiburg.

  • Gelöscht

    |

  • Portraits

    Gedenkstein in Hagnau am Bodensee.

  • Autor/in

    Wilhelm Zentner
  • Empfohlene Zitierweise

    Zentner, Wilhelm, "Hansjakob, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 636 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545809.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA