Lebensdaten
1880 bis 1950
Geburtsort
Bern
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
reformierte Familie
Normdaten
GND: 118545167 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haller, Hermann

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Zitierweise

Haller, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545167.html [15.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Frdr. Berchtold (1844–1936), Dir. d. Eidgenöss. Amtes f. geistiges Eigentum (Patentamt), S d. Pfarrers Friedrich in Veltheim/Aargau u. d. Maria Henr. Bertschinger;
    M Susanna (* 1850), T d. Gg. Akermann;
    Vt Paul (s. 2);
    - 1) 1909 ( 1915) Gerda v. Wätjen (1886–1965, 2] Carl Friedberg, 1872–1955, Pianist, s. Riemann), Schw d. Malers Otto v. W. (1881–1942, s. Vollmer), 2) 1917 ( 1940) Felicitas (* 1894), Malerin u. Kunstgewerblerin, T d. Adalbert Trillhaase (1858–1936), Bildnis- u. Historienmaler (s. Vollmer), 3) 1945 Hedwig Braus, Kleinplastikerin; Schwager Siegfr. Trillhaase (* 1892), Maler;
    1 S aus 1);
    N Hermann (* 1914), Komponist.

  • Leben

    H. besuchte in Bern das Gymnasium. Er faßte unter dem Eindruck einer Ferdinand-Hodler-Ausstellung den Entschluß, Maler zu werden; Hodler, dem die Arbeiten H.s gezeigt wurden, setzte sich bei den Eltern für die künstlerische Ausbildung ein, so daß der Neunzehnjährige mit seinem ehemaligen Mitschüler Paul Klee die Malschule Knirr in München besuchen konnte. 1901 reisten Klee und H. für ein Jahr nach Italien. 1902-03 arbeitete H. in Stuttgart unter L. von Kalckreuth und lernte den Maler K. Hofer kennen. Der Dichter Hans Reinhart brachte ihn mit seinem Vater, dem Mäzen Theodor Reinhart, in Verbindung. 1903-08 ermöglichte ein Stipendium Reinharts H. und Hofer einen Aufenthalt in Rom, wo sich H. unvermittelt ausschließlich der Plastik zuwandte. Um 1909 zog er nach Paris, das er 1914 mit Zürich vertauschte. Nach dem 1. Weltkrieg verbrachte er einige Wintermonate regelmäßig in Berlin, wo er in den Kreisen um Paul Cassirer und Alfred|Flechtheim verkehrte; später verließ er Zürich nur noch für Reisen.

    H.s Lebenslauf ist eine Kette von Begegnungen. Seit seiner Jugend öffnete er seine Persönlichkeit anderen Künstlern, Sammlern und vor allem Frauen, die er oft über längere Zeit als Modelle behielt. Seit dem römischen Aufenthalt steht der weibliche Akt im Mittelpunkt seines Werkes, vorerst noch unter ägyptischem und etruskischem Einfluß, seit 1910 als freie und anmutig bewegte Figur, die er in verschiedenen Stellungen abwandelt. In den 20er Jahren entsteht erstmals eine Reihe von Kleinplastiken, die H.schen Tanagra-Figuren; sie gehen weit über bloße Entwürfe hinaus und begleiten bis zu seinem Tod das großplastische Werk. H.s Ruhm eroberte unterdessen die Schweiz und vor allem Deutschland, zu dem die engen Beziehungen erst nach 1930 abbrachen und das sich nie mehr in gleichem Maße für sein Werk begeistern konnte; Mitschuld daran trägt die wechselnde Qualität der Großplastiken: neben meisterlichen Würfen wirken H.s Variationen oft auch zerquält. Die späteren weiblichen Figuren besitzen nicht mehr die kraftvolle Spannung der frühen und mittleren Zeit. Schon in Rom fesselte H. das Bildnis. Von realistischen Porträts der Römer und Pariser Freunde fand er zu einer impressionistischen, gefühlsreichen Interpretation ihm nahestehender Modelle; in den 30er Jahren ziehen ihn auch exotische Frauen an. Sein Bestes gibt er in dieser Zeit im Waldmann-Denkmal (1933–37) in Zürich, das als eines der letzten großen Reiterdenkmale klassischer Tradition gilt und durch die Vernachlässigung der Details heftigen Widerspruch erregte. H.s Plastik darf in den Jahren von etwa 1910-25 europäische Wirkung beanspruchen, währenddem sein Spätwerk nur national bekannt ist. Mit Maillol im internationalen und Carl Burckhardt im schweizerischen Bereich löste er die expressionistische Generation der Plastik ab, ohne sich in der Folge wesentlich weiterzuentwickeln. – Sein Werk ist am schönsten im unversehrt erhaltenen H.-Atelier in Zürich zu überblicken.

  • Werke

    Weitere W u. a. Schreitende, 1905;
    Flora, 1910;
    Schauende, 1923;
    Porträtkopf Heinr. Wölfflin, 1924;
    Grabmal Rütschi, 1930;
    Passo Romano, 1939;
    Impression nach Karl Walser, 1943.

  • Literatur

    A. Kuhn, H. H., 1927;
    P. du Colombier, H. H., Zürich/Paris 1933;
    G. Scheiwiller, H. H., Mailand 1945;
    D. Wild, H. H., 1956 (P);
    U. Gertz, H. H., (in Vorbereitung);
    Künstlerlex. d. Schweiz XX. Jh., o. J. (1962), S. 412-15 (Bibliogr.);
    ThB (W, L);
    Vollmer (W, L).

  • Portraits

    Selbstbildnis, Oel, 1900 (Zürich, Haller-Atelier) Abb. b. D. Wild, s. L;
    Selbstbildnis, Ton, 1940 (ebd.), Abb. ebd.

  • Autor/in

    Hans A. Lüthy
  • Empfohlene Zitierweise

    Lüthy, Hans A., "Haller, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 550 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545167.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA