Lebensdaten
um 550 bis um 650
Geburtsort
Irland
Sterbeort
Arbon
Beruf/Funktion
Gründer von St. Gallen ; Heiliger ; irischer Mönch
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118537350 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gall
  • Gallech
  • St. Gallus
  • mehr

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Zitierweise

Gallus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118537350.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Eine unbeweisbare Geneal. d. 10. Jh. nennt als V Kg. Kethernach u. als Verwandte St. Brigit v. Kildare; G. wäre demnach aus Leinster gebürtig gewesen. Der Name Gall bzw. Gallech könnte auch auf e. gall. V hinweisen; G. wäre also Halb-Ire gewesen. Sein angebl. Halb-B Deicola, Gründer d. Abtei Lure in Burgund, wird erst im 10. Jh. genannt.

  • Leben

    Als Quelle für das in manchem historisch nicht mehr faßbare Leben dient weniger die Vita Columbani des Jonas als die dreifach vorliegende Vita Galli; im 9. Jahrhundert von Wetti und Walahfrid Strabo überarbeitet, geht sie auf circa 771, vielleicht 745 oder 712 zurück. Danach wurde G. dem Schulvorsteher Kolumban im Kloster Bangor anvertraut, pilgerte mit ihm und 11 Gefährten über Britannien nach Burgund (Luxeuil), folgte ihm in die durch König Theuderich verfügte Ausweisung und betätigte sich überaus eifrig in der Missionierung am Zürichsee (Tuggen) und Bodensee (Arbon und Bregenz), wohin die Iren durch den austrasischen König Theudebert gewiesen worden waren. Als Kolumban 612 nach Bobbio weiterzog, blieb G. fieberkrank in Alemannien zurück, ließ sich als Einsiedler an der obern Steinach nieder und gründete dort eine Zelle, um die sich Jünger sammelten. Die Heilung der Tochter des alemannischen Herzogs Gunzo, die mit dem fränkischen Königssohn Sigibert verlobt war, verschaffte ihm einen Schutzbrief und brachte ihn als Bischof von Konstanz in Vorschlag, wofür er aber seinen aus Rätien (Grabs) berufenen Schüler Johannes durchsetzte. Die Zelle, wo G. mehr durch sein Beispiel als durch äußere Tätigkeit wirkte, wurde ein Mittelpunkt der Christianisierung Alemanniens; dort fand er, der nach einer Predigt in Arbon 95jährig starb, sein Grab, aus dem 719 unter dem Alemannen Otmar das Kloster Sankt Gallen erwuchs. Keine der irischen Handschriften der Sankt Galler Stiftsbibliothek läßt sich mit G. in Verbindung setzen; der Vocabularius s. Galli ist nicht irisch-sankt gallisch, sondern angelsächsisch-fuldisch und entstammt dem 8. Jahrhundert.

  • Literatur

    ADB VIII;
    Vita G. triplex, ed. B. Krusch, in: rer. Mer. IV;
    J. M. Clark, The Abbey of St. Gall, Cambridge 1926, S. 1 ff., 18-26;
    J. F. Kenney, The Sources for the Early History of Ireland I, New York 1929, S. 206 ff.;
    F. Blanke, Columban u. G., 1940;
    L. Kilger, Die Qu. z. Leben d. hl. Kolumban u. G., in: Zs. f. schweizer. KG 36, 1942, S. 107-20;
    ders., Vom Leben d. hl. G., in: St. Gallus-Gedenkbuch, hrsg. v. J. Duft, 1952, S. 15-34;
    J. Duft u. P. Meyer, Die irischen Miniaturen d. Stiftsbibl. St. Gallen, 1953, S. 17-24;
    HBLS.

  • Autor/in

    Johannes Duft
  • Empfohlene Zitierweise

    Duft, Johannes, "Gallus" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 54 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118537350.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    St. Gallus, irischer Mönch und Glaubensbote im 7. Jahrhundert. Ein Schüler und Begleiter des St. Columbanus (s. d. Art.), theilte G. die Schicksale seines Meisters bis 612 oder 613, wo der Lehrer nach Italien zog, während der Jünger am Bodensee zurückblieb. Erst auf dem Wege vom Hofe Theudebert's II. über Mainz und Zürich nach Bregenz tritt G. nach den Nachrichten seines Biographen selbständiger neben Columbanus hervor. Die von Jonas erzählte und Columban zugeschriebene Störung eines von theilweise früher getauften Alemannen dargebrachten Wodansopfers wird zu einer von G. ausgehenden Zerstörung von heidnischen Heiligthümern ausgeschmückt und die Scene an das obere Ende des Zürichsees nach Tuggen, wo alte Traditionen allerdings auf Columban hinweisen, versetzt. Ebenso soll G. nachher bei der Reinigung einer durch alamannische Götzenbilder entweihten christlichen Kirche in Bregenz das Beste gethan, aber auch die Verfolgung durch den von den Heiden angerufenen Herzog Cunzo von Ueberlingen herbeigeführt haben. Als Columban nach Italien zog, hielt, wie die Vita erzählt, ein Fieberanfall den Schüler G. zurück. Derselbe hielt sich zuerst in Arbon auf, wo die irischen Mönche in dem alten Römerplatz einen christlichen Geistlichen deutschen Namens getroffen hatten, begründete dann aber, 613 oder vielleicht erst 614, eine Einsiedelei im wilden Hochthale der Steinach, welche er bis zu seinem Tode nur noch sehr selten nothgedrungen verließ. Er starb am 16. October in einem nicht zu ermittelnden Jahre (wahrscheinlich etwa 627). Die legendarischen Ausschmückungen der Biographen erlauben blos sehr wenige sichere Angaben über Gallus' Leben nach Columban's Weggang. Nur so viel steht fest, daß von einer Thätigkeit desselben als Glaubensbote, als „Apostel Alamanniens“ kaum die Rede sein kann. Denn gerade das bedeutendste Ereigniß in Gallus' Leben, eine etwa 615 oder 616 zu Constanz abgehaltene Synode, beweist, wenn dieselbe überhaupt angenommen werden darf, das Ueberflüssige einer weiteren Glaubenspredigt in den Bodenseegegenden, da unter Vorsitz des gleichen kurz vorher noch Columban und G. so feindseligen Cunzo ein Schüler Gallus', der Diacon Johannes von Grabs im Rheinthal, als Bischof von Constanz gewählt sein soll. Noch ein Jahrhundert bis auf den ersten Abt Otmar (s. d. Art.) blieb die Galluszelle eine von wenigen Brüdern bewohnte Einsiedelei ohne klösterliche Einrichtung im eigentlichen Sinne des Wortes und ohne höhere Bedeutung. Zunächst blieb neben Theodor Maginald, gleich jenem ein Schüler Gallus', Wächter des Grabes: es ist jener Magnus, dessen Vita, angeblich von Theodor geschrieben, zu den plumpsten historiographischen Fälschungen des Mittelalters gehört (vgl. Rettberg, Kirchengeschichte Deutschlands Bd. II. Seite 147—151). Gallus' Leben beschrieb erst nach Otmar kurz nach 771 ein alamannischer Mönch in St. Gallen, unter Benutzung der Vita Columban's von Jonas, doch mit dem Bestreben, G. auf Unkosten des Lehrers hervorzuheben, auch in dem Wunsche, St. Gallen schon mit merovingischen Herrschern in Verbindung erscheinen zu lassen; das viele legendarisch-miraculöse Beiwerk erschwert die Ausnützung sehr (Ausgabe vom Entdecker des Originals, J. v. Arx, sammt den angehängten Wundererzählungen des gleichen anonymen Autors in den Monumenta Germaniae, Bd. II. Seite 5—21; neue Ausgabe mit Commentar von Meyer von Knonau, Mittheilungen des historischen Vereins von St. Gallen, 12. Heft). Ueber G. vgl. neben Rettberg auch Hefele, Geschichte der Einführung des Christenthums im südwestlichen Deutschland, und Friedrich, Kirchengeschichte Deutschlands, Bd. II., sowie Meyer von Knonau, Die alamannischen Denkmäler in der Schweiz (Mittheilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 19. Bd. 2. Heft); ohne wissenschaftlichen Werth ist Greith, Geschichte der altirischen Kirche.

  • Autor/in

    Meyer von Knonau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Meyer von Knonau, "Gallus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 345-346 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118537350.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA