Lebensdaten
etwa nach 960 bis 1008
Beruf/Funktion
Benediktiner ; mittellateinischer Schriftsteller ; Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118536486 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fromund von Tegernsee
  • Froumund
  • Fromund
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Zitierweise

Froumund von Tegernsee, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118536486.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Von unbek., gewiß bayer. Herkunft, v. angesehenen Eltern;
    M Ilisa.

  • Leben

    Noch jung kam F. ins Kloster Tegernsee, wurde zur Erweiterung seiner Kenntnisse nach Köln ins Pantaleonkloster geschickt und bald danach mit anderen Tegernseer Mönchen nach Feuchtwangen, um das Sankt Salvatorkloster zu erneuern (circa 993-95). Damals war er längere Zeit auch in Sankt Mang in Füssen. Von 995 bis zur Priesterweihe, nach der ihn noch um 1004 nicht verlangte, die er aber nicht lange vor seinem Tode erhielt, weilte er meistens in Tegernsee. Er betätigte sich vor allem als Lehrer, wozu er sich berufen fühlte, und als Schreiber in der Kanzlei. – F.s wohl vollständig und autograph erhaltenes literarisches Werk, eine Briefsammlung (Codes latinus Monacensis 19412, 1-136), die er in Feuchtwangen begann, stellte er eigens zusammen und trug sie in chronologischer Folge meist selber ein; und zwar mischte er 40 Gedichte, öfters mehrere (bis zu 4 und 5) zusammen, unter 93 Briefe, von denen er 16 selber verfaßte und die übrigen 77 redigierte. Dieses Corpus der eigenen Produktion ist zugleich als Formularius gedacht; dessen Briefe besitzen heute für die Geschichte Bayerns und Tegernsees sowie für die damalige Kulturgeschichte beträchtlichen Wert.|– Mit den in Hexametern, aber auch Distichen abgefaßten Gedichten, zwischen 1 und 76 Versen im Umfang, folgte F. selten einem offiziellen Auftrag, meistens aber eigenem Impuls und zeigte sich in diesen überwiegend zur Gelegenheitsdichtung zu rechnenden Versen als eine schriftstellerische Persönlichkeit, die aus einer Zeit vorherrschend schulmäßigen und traditionsgebundenen Dichtens durch dichterische Kraft und durch einen keinem Vorbild verpflichteten, eigenwüchsigen Stil hervorragt. Gewiß leidet seine Sprache an für einen Magister auch damals merkwürdigen Abweichungen von der grammatischen und syntaktischen Norm, sein rhetorisch geschmückter Stil am Schwelgen in griechischen Wörtern, die er zu glossieren für nötig befand, zum Teil an Gespreiztheit und Künstelei, auch poesiewidriger Derbheit, manchmal an Unklarheit und Dunkelheit. Aber darüber hinaus imponieren seine anschauliche, bildkräftige, von Farben leuchtende Darstellungskunst, seine lebhafte Phantasie und sein oft schalkhafter Humor.– Der Ruodlieb, den man ihm lange zuschrieb, gehört ihm nicht.

  • Werke

    Krit. Ausg. v. K. Strecker, Die Tegernseer Briefslg. (F.), in: selectae III, 1925, S. 1-98. – Ob d. sog. Cod. II (ebd., S. 99-111) Nachlese a. d. Nachlaß d. F. war (er enthält keinen Brief v. F., aber mehrere an ihn, s. Strecker, S. VIII u. XXIII) od. mit Cod. III zu e. Slg. d. Abtes Ellinger v. Tegernsee gehört (so B. Schmeidler, Abt Ellinger v. T., 1938, bes. S. 155 ff.), ist noch nicht entschieden. Einige weitere Verse (Abdr. ebd., S. XI ff.) v. F. üb. s. Abschreiben u. zu e. Boethiuszeichnung haben sich bei s. Abschrr. anderer Texte erhalten.

  • Literatur

    ADB VIII;
    I. Kempf, F. v. T., Progr. München 1900;
    Manitius II, S. 517 ff.;
    B. Schmeidler, Über d. Tegernseer Briefslg. (F.), in: NA 46, 1926, S. 395-429 (F. soll auch d. 77 Briefe ganz verfaßt haben), dagegen: C. Erdmann, Stud. z. Brieflit. Dtld.s im 11. Jh., 1938, S. 7 ff. (vgl. ders., in: Wattenbach-Holtzmann I, S. 422 f.) u. O. Meyers, in: ZSRG 27, 1938, S. 599-638, bes. S. 630 f.;
    B. Schmeidler, Die Briefslg. F.s v. T., Bemerkungen z. Beschaffenheit frühma. Briefslgg. überhaupt, in: HJb. 62/9, 1949, S. 220-38 (Verteidigung ohne überzeugenden Abschluß);
    K. Langosch, in: Vf.-Lex. d. MA I, S. 775 ff., V, 1955, S. 239;
    Wattenbach-Holtzmann I, S. 278 ff., 422 f.;
    ThB.

  • Autor/in

    Karl Langosch
  • Empfohlene Zitierweise

    Langosch, Karl, "Froumund von Tegernsee" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 665-666 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118536486.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Froumund: zugenannt von Tegernsee, ein fahrender Dichter zu Ende des 10. Jahrhunderts, der mit den Mönchen des genannten Klosters in brieflichem und literarischem Verkehr stand und eine für seine Zeit seltene und höchst|ausgebreitete Kenntniß der classischen Litteratur besaß. Er schrieb nicht nur Bücher ab, wie er denn auch im Besitz einer kostbaren Sammlung gewesen zu sein scheint, sondern war selbst poetisch schaffend thätig, besang die Tugenden der baiwarischen Herzöge und ihre Thaten und verfaßte eine stattliche Anzahl von lateinischen Gedichten, auch eine „Historia monasterii Tegernseensis“ hatte er begonnen. Sein Hauptwerk ist ein im zierlichsten Latein in der Zeit nach 990 verfaßtes episches Gedicht, welches später, im 16. Jahrhundert, durch die Scheere eines Buchbinders zerschnitten und zu Einbänden verwendet wurde, bis erst Docen und nach ihm Andreas Schmeller darauf aufmerksam wurden, die auf der Münchener Hof- und Staatsbibliothek gefundenen Reste ablösten und sammelten. Letzterer gab das köstliche, die Zeit seines Entstehens mit photographischer Wahrheit schildernde Gedicht, welches deshalb eine wahre Fundquelle für culturgeschichtliche Studien bildet, heraus und benannte dasselbe „Ruodlieb“ nach dem Haupthelden dieser leider große Lücken enthaltenden Fragmente. Vgl. J. Grimm u. Schmeller, Latein. Gedichte des 10. u. 11. Jahrhunderts, Göttingen 1838, S. 127—240, und Nachträge von Schmeller in Haupt's Zeitschrift I, 401—23. Das Beste daraus verarbeitete K. Simrock mit poetischer Freiheit in den dritten Theil seines Amelungenliedes (im sechsten Band des Heldenbuches). Eine prosaische Inhaltsangabe mit weiteren Erläuterungen ist in meiner Geschichte der altdeutschen Dichtkunst in Baiern, Regensburg 1862, S. 51—77 versucht. Ein Theil der von F. in Versen und Prosa geführten Correspondenz mit Abt Gozbert ( 1001), mit dem Magister Meginhalm, Ruotker, Pabo und anderen Zeitgenossen zu Tegernsee hat Pez im 6. Bd. s. Thesaurus in ungenügender Weise herausgegeben. Im J. 1017 nahm unser Dichter doch noch die Weihe des Priesteramtes auf sein Haupt und trat in das genannte damals so blühende Kloster, woselbst kurz vorher und vielleicht gleichzeitig mit dem „Ruodlieb“ die Broncethore und die Glasfenster für den Augsburger Dom (vgl. Herberger's Abhandl. darüber Augsb. 1860) angefertigt und vielleicht auch schon ein botanischer Garten angelegt worden war. Froumund's Geburts- und Todesjahr ist unbekannt.

  • Autor/in

    Hyac. , Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Froumund von Tegernsee" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 150-151 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118536486.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA