Lebensdaten
1934 bis 2001
Geburtsort
Isfahan (Persien)
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Kaiserin von Persien (1951-1958)
Konfession
muslimisch
Normdaten
GND: 118531123 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Soraya von Persien
  • Soraya Shahbanu von Persien
  • Soraya Prinzessin Esfandiary Bakhtiary (geborene)
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Soraya, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531123.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. pers. Stammesfürstenfam. d. Bakhtiaren;
    V Khalil Fürst Esfandiary Bakhtiary (1901–83), studierte 1924–28 in Berlin, 1951–61 iran. Botschafter in Bonn, S d. Sardar Assad ( 1904);
    M Eva (1906–94, ev.), T d. Franz Karl (Carl), Vertr. d. I. G. Farben u. d. AEG in Rußland, u. d. Alma Selmer;
    Ur-Gvm N. N. Karl (Carl), seit 1860 Dir. e. Waffenfabrik in Rußland;
    B Bijan Prinz Esfandiary Bakhtiary (1936–2001), zuletzt in M.;
    Teheran 1951 1958 Mohammed Reza Pahlewi (1919–80, 1] 1939–48 Fausia [Fawzia] bint Fuad, * 1921, Prn. v. Ägypten, 3] 1959 Farah Diba, * 1938, T d. Sohrab Diba, pers. Botschafter in Rußland u. in d. Niederl., u. d. Farideh Ghotbi), seit 1941 Schah v. Persien, S d. Reza Khan (1878–1944), 1921 pers. Kriegsmin., 1923 Min.präs., 1925–41 Schah v. Persien; kinderlos;
    N Gil Prinz Bakhtiary (* 1965), Innenarchitekt, S.s Erbe.

  • Leben

    |S., die in Berlin, seit 1937 in Isfahan sowie seit 1945 in Zürich-Vollishofen aufwuchs und Schulen in Montreux, Lausanne und London besuchte, sprach fließend deutsch, persisch, französisch und englisch. Prinzessin Chams, die Schwester von Schah Reza Pahlewi, stellte die Verbindung zwischen diesem und S. her, welche 1951 zur Eheschließung führte. Ihre attraktive Erscheinung, ihr liebenswürdiges, bescheidenes Wesen und ihr Sprachtalent kamen ihr bei den Repräsentationsverpflichtungen und Staatsbesuchen in den USA, England, Rußland und Deutschland (Febr. 1955) zustatten. Dadurch beförderte sie das internationale Ansehen des Iran, dessen autoritäres Regime daher kaum als solches wahrgenommen wurde. Darüberhinaus sorgte S. für das iran. Staatssanatorium und die Einrichtung „Mutter und Kind“; einen Großteil ihres Vermögens spendete sie für Waisenhäuser. Entsprechend ihrer Herkunft und Erziehung bemühte sie sich, ihrem Land Gedankengut und Lebensart des Westens nahezubringen, was der Frauenemanzipation im Iran zugute kam, jedoch den – noch latenten – Widerstand der Geistlichkeit hervorrief. Ein besonderes Anliegen war ihr – zusammen mit ihrem Vater – die Vertiefung der Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland, u. a. um den dominanten brit. Einfluß zurückzudrängen. Zahlreiche junge Iraner kamen zum Studium in die Bundesrepublik. Diese nutzte ihrerseits die Gelegenheit, um politische und wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen.

    Nachdem ihre Ehe kinderlos blieb, willigte S. 1958 in die Scheidung ein (Verlust des Ksn.titels, jedoch weiterhin kgl. Hoheit) und lebte fortan bevorzugt in Rom und Paris, wegen der Revolution im Iran 1979 vorübergehend in Mexiko, dazwischen aber immer wieder längere Zeit bei ihrer Mutter in München und auf ihrem Anwesen in Marbella. Ihr Lebensweg und unglücklich verlaufenden Beziehungen beschäftigten weiterhin die Boulevardpresse: Ihr Lebensgefährte, der Filmregisseur Franco Indovina, starb im Mai 1972 infolge eines Flugzeugabsturzes, zwei weitere Freunde, der Schweizer Bankier Edmond Artar und der Vicomte de Barbot, nahmen sich das Leben; Versuche, sich mit Hilfe Dino de Laurentiis' (Die drei Gesichter e. Frau, 1964, Regie: F. Indovina, M. Bolognini u. M. Antonioni) als Filmstar zu etablieren, scheiterten. Da die florierende dt. „Soraya Presse“ den Unmut des Schahs erregte, der deshalb im Mai 1958 mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen drohte, kam es zu einer Strafrechtsnovelle („Lex Soraya“), die die Beleidigung ausländ. Staatsoberhäupter unter Strafe stellen sollte, aber nicht als Gesetz verabschiedet wurde. Seit der iran. Revolution 1979 lebte S. zunehmend zurückgezogen zeitweise in Mexiko, dann vorwiegend in Paris.

  • Werke

    Jetzt spreche ich, Forts.folgen in: Quick, 1963 (P);
    Meine eigene Gesch., 1963 (P);
    Palais des solitudes, 1991, dt. Übers. u. d. T.: Palast d. Einsamkeit, 1994 (P);
    Prinzessin aus Ton, 1997 (Roman).

  • Literatur

    L G. Kröncke, S., die Ex-Kaiserin, Eine dekorativ traurige Frau, in: SZ v. 27. 10. 2001 (P);
    T. Appleton, S. u. d. letzte Schah, ebd. v. 30. 7. 2005 (P);
    Harenberg, Das Buch d. 1000 Frauen, 2004 (P);
    Munzinger;
    Filme:
    Porträt in d. ARD-Reihe: Legenden, 1998;
    S., Fernsehfilm v. L. Gasparini, 2003.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Soraya" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 597-598 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531123.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA