Lebensdaten
1768 bis 1852
Geburtsort
Neuenbürg (Württemberg)
Sterbeort
Kirchheim unter Teck
Beruf/Funktion
Philosoph ; Arzt
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118531042 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eschenmayer, Carl August
  • Eschenmayer, Adolph Carl August
  • Eschenmayer, Adam Karl August
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Zitierweise

Eschenmayer, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531042.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Phil. Heinr., Rat u. Stabskeller in Neuenbürg;
    M Anna Kath. Traub;
    B Phil. Christoph (1768–1820), Prof. der Nationalökonomie in Heidelberg;
    Mühlen b. Sulz 1798 Joh. Christiana Friderica (1773–1830), T des Rats u. Kellers Phil. Gottfr. Bilfinger in Kirchheim; kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Studium der Medizin an der Hohen Karlsschule in Stuttgart und in Tübingen promovierte E. mit einer bereits stark naturphilosophisch orientierten Arbeit, durch die er Schellings Aufmerksamkeit erregte: Principia quaedam disciplinae naturali, in primis Chemiae ex Metaphysica naturae substernenda (Tübingen 1796). Er wirkte zunächst als Arzt in Kirchheim/Teck und in Sulz. 1811 wurde er außerordentlicher, 1818 ordentlicher Professor für Medizin und praktische Philosophie in Tübingen. Seit 1836 lebte er zurückgezogen, jedoch weiter literarisch tätig, wieder in Kirchheim. – E. gehört in den Kreis der durch die romantische Naturphilosophie bestimmten Mediziner, denen eine philosophische Weltsicht mit theologischem Einschlag wesentlicher war als reines Fachwissen. Religiös bestimmtes ärztliches Ethos und von solcher Frömmigkeit durchzogene Forschung wurden so Voraussetzung für die Leistung seines Lebens. Im Philosophieren freilich brachen ihm Glauben und Wissen auseinander. Das zeigt sich besonders in seinem Verhältnis zu Schelling, dessen naturphilosophischen Ideen er sich verbunden fühlte, während er den religionsphilosophischen Konsequenzen der Identitätsphilosophie nicht zu folgen vermochte; denn über dem von der Spekulation erreichbaren Ewigen, in dem das Erkennen erlischt, liegt für E. eine noch höhere Potenz, das Selige, dem wir uns nur ahnend und glaubend zu nähern vermögen. Die Schrift: Die Philosophie in ihrem Übergang zur Nichtphilosophie (1803), in welcher er diese Lehre zuerst entwickelte, wurde für Schelling ein entscheidender Anstoß zur Weiterbildung seiner Lehre, wie überhaupt E.s bleibende Bedeutung in den Anregungen zu sehen ist, die andere Denker, unter ihnen zu wiederholten Malen Schelling, durch seinen aus wirklichem Mitdenken entsprungenen Widerspruch erfahren haben. In der zweiten Lebenshälfte gewann E., darin vor allem bestimmt durch seine Freundschaft mit J. Kerner, zunehmendes Interesse für okkultistische und spiritistische Phänomene. So gab er 1817-26 das „Archiv für den tierischen Magnetismus“ heraus.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Epidemie d. Croups, 1815; Psychol., 1817, 21822;
    Rel.-philos., T. 1-3, 1818-24;
    Mysterien d. innern Lebens, erl. a. d. Gesch. d. Seherin v. Prevorst, 1830;
    Die Hegelsche Rel.-philos. verglichen mit d. christl. Prinzip, 1834;
    Der Ischariothismus unserer Tage (Wider Strauß' Leben Jesu), 1835;
    Grundzüge e. christl. Philos., 1841;
    Briefwechsel: Aus Schellings Leben, In Briefen, I-III, 1869/70; Justinus Kerners Briefwechsel mit s. Freunden, I, II, 1897 (P: Lith. v. L. Helvig).

  • Literatur

    ADB VI;
    D. F. Strauß, Die Herren E. u. Menzel, 1837;
    NND 30, 1852, S. 785-89;
    J. E. Erdmann, Die Entwicklung d. dt. Spekulation seit Kant II, 1853 (Neudr. 1931), S. 430-45;
    H. Knittermeyer, Schelling u. d. romantische Schule, 1929, S. 353-57;
    Pogg. I;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Hermann Zeltner
  • Empfohlene Zitierweise

    Zeltner, Hermann, "Eschenmayer, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 644 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531042.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eschenmayer: Adam Karl August E., Philosoph und Arzt, geb. am 4. Juli 1768 zu Neuenbürg im Würtembergischen, am 17. Novbr. 1852 zu Kirchheim. Sein Vater war Oberamtspfleger in Neuenburg. Als Knabe gewann er seine Schulbildung namentlich bei dem Präceptor Roth in Vaihingen. Einer kaufmännischen Laufbahn, die er später einschlug, entzogen ihn innerer Trieb und äußere Gelegenheit. Er wurde durch Lehrvorträge, die ihm an der damaligen Karlsakademie zu hören gestattet waren, zu weiterer Ausbildung angeregt und vollendete den medicinischen Cursus, den er an der gedachten Akademie begann, nach deren Aufhebung auf der Universität in Tübingen. Unterstützt durch einen Herrn v. Palm, hielt er sich darauf noch eine Zeit lang seiner Studien halber in Göttingen auf. Nach der Rückkehr war er zunächst praktischer Arzt in Kirchheim, dann Oberamtsarzt in Sulz und in derselben Eigenschaft, sowie als Leibarzt der verwittweten Herzogin Franziska von Würtemberg, von 1800—11 in Kirchheim. E. war ebensosehr Philosoph als Mediciner. Den ersten Impuls zu der von ihm eingeschlagenen naturwissenschaftlichen Richtung empfing er durch den Physiologen Kielmaier; im Fortgang schloß er sich der Schelling'schen Naturphilosophie an, deren Einflüsse schon in dem 1798 erschienenen „Versuch, die Gesetze magnetischer Erscheinungen aus Sätzen der Naturmetaphysik zu entwickeln“, bemerklich wurden. Ohne Zweifel enthielt aber schon dieser Versuch eine gefährliche Anwendung allgemeinster Hypothesen auf ein sehr specielles und dunkles Gebiet. Allerdings faßte E. die magnetischen Erscheinungen auch in ärztlicher Hinsicht auf; er begründete mit Kieser und Esenbeck das „Archiv für den thierischen Magnetismus". Seine dogmatisirende Gefühlsphilosophie brachte der exacten Forschung Gefahr und eifriges Interesse am Somnambulismus forderte von mancher Seite die Polemik und den Spott heraus. Wie sehr sich der Glaube an die Stelle der Erkenntniß drängte, zeigte schon die 1804 veröffentlichte Schrift „Die Philosophie in ihrem Uebergange zur Nichtphilosophie“. Im J. 1811 wurde E. in eine außerordentliche Professur für Medicin und Philosophie nach Tübingen berufen, wo er 1818 Ordinarius wurde und bis 1836 wirkte. Aus dieser Periode stammen außer den speciell medicinischen Schriften: „Die Epidemie des Croups" (1815) und „Die Allopathie und Homöopathie verglichen" (1834) mehrere philosophische Schriften: „Psychologie" (1816, 2. Aufl. 1822), „System der Moralphilosophie" (1818), „Normalrecht“ (1819 u. 20), „Religionsphilosophie“, Thl. I—III (1818, 22 u. 24), Die einfachste Dogmatik aus Vernunft, Geschichte und Offenbarung“ (1826), Grundriß der Naturphilosophie“ (1832), „Die Hegel'sche Religionsphilosophie verglichen mit dem christlichen Princip“ (1834). Nachdem E. 1836 seine Entlassung in Tübingen erbeten und erhalten hatte, zog er sich nach Kirchheim zurück und verlebte dort noch 16 Jahre. In den während derselben verfaßten Schriften herrschte die christlich dogmatische Glaubensrichtung vor, namentlich in der 1838 erschienenen „Charakteristik des Unglaubens, des Halbglaubens und des Vollglaubens“, sowie in den 1841 veröffentlichten „Grundzügen einer christlichen Philosophie“.

    • Literatur

      Neuer Nekrolog der Deutschen, 1852, Thl. II. S. 785—89. Callisen. Medicinisches Schriftstellerlexikon s. v. Ueberweg's Grundriß der Philosophie Thl. III. S. 213. 215.

  • Autor/in

    Alberti.
  • Empfohlene Zitierweise

    Alberti, Eduard, "Eschenmayer, Carl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 349-350 unter Eschenmayer, Adam Karl August [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118531042.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA