Lebensdaten
um 770 bis 840
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 118529560 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eginhard (nicht zeitgenössisch)
  • Einhart
  • Einhard
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Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Einhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118529560.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Adliger Herkunft aus dem Maingau;
    V Einhardt;
    M Engilfrit;
    Imma ( 836).

  • Leben

    Im Kloster Fulda erzogen, wurde E. zu weiterer Ausbildung von Abt Baugulf an den Hof Karls des Großen entsandt, wo er seit dem Weggang Alkuins nach Tours führend an der Hofschule hervortrat. Seine Kenntnis der Baukunst, seine kunsthandwerkliche Begabung, von der ein durch eine späte Zeichnung bekannt gewordener kleiner silberner Ehrenbogen zeugt, und seine literarischen Kenntnisse gewannen ihm das Vertrauen Karls, der ihn zum Aufseher seiner Bauten und der zur Aachener Pfalz gehörigen kunstgewerblichen Werkstätten ernannte; dieses Amt trug ihm im Hofkreise den Beinamen Beseleel ein, nach dem biblischen Werkmeister der Stiftshütte. Auch Karls Sohn Ludwig, der ihn reich mit Abteien beschenkte, bewahrte ihm seine Gunst. Doch hat sich E. dem neuen Kaiser (814–40), dessen Schwäche im Laufe der 20er Jahre deutlich hervortrat, immer stärker entfremdet und sich schließlich ganz vom Hofe nach Seligenstadt zurückgezogen, wohin er die 827 aus Rom erworbenen Reliquien der Heiligen Marcellinus und Petrus überführen ließ. Der lebendige Bericht E.s über diese Translation – wie seine Briefe auch eine wichtige Quelle der Zeitgeschichte – tritt aber an Bedeutung zurück hinter seinem Hauptwerk, der (wohl im Anfang der 30er Jahre entstandenen) Vita Karoli Magni. Hier zeigt sich E. auf der Höhe der sogenannten „Karolingischen Renaissance“. Gerade die am klassischen Vorbild geschulte Sprache und ein sehr bewußtes Verhältnis zum Vorbild Sueton sowie die intime Kenntnis seines Helden befähigten ihn, ein monumentales Herrscherbild von einer individuellen Treffsicherheit zu entwerfen, wie sie sonst im Mittelalter kaum zu finden ist. Dabei ließ er im Lob des großen Karl die Kritik an dem schwachen Nachfolger leise, aber unüberhörbar anklingen. E., ein Laie, aber als Laienabt mehrerer Klöster auch theologisch interessiert, verkörpert die im Mittelalter seltene literarische Laienbildung, die gerade im Kreise Karls des Großen vorübergehend aufblühte.

  • Werke

    Vita Karoli, ed. O. Holder-Egger, in: , 1911, Neudr. 1940;
    Translatio et Miracula SS. Marcellini et Petri, ed. G. Waitz, XV, S. 238-64;
    Briefe, ed. K. Hampe, V, S. 105-41, 641.

  • Literatur

    ADB V;
    S. Hellmann, E.s lit. Stellung, in: HV 27, 1932, S. 40-110;
    A. Kleinclausz, Eginhard, Paris 1942;
    F. L. Ganshof, Eginhard, biographe de Charlemagne, in: Bibl. d'Humanisme et Renaissance 13, Genf 1951, S. 217-30;
    H. Löwe, in: Wattenbach-Levison, S. 266-77;
    B. de Montesquiou-Fezensac, L'arc d'Eginhard, in: Cahiers archéologiques 8, Paris 1956, S. 147-74;
    O. Müller, Die E.s-Basilika zu Steinbach, Diss. Leipzig 1936.

  • Autor/in

    Heinz Löwe
  • Empfohlene Zitierweise

    Löwe, Heinz, "Einhard" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 396 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118529560.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Einhard, früher allgemein und oft auch schon von Zeitgenossen Eginhard genannt, was die ursprüngliche Form desselben Namens ist; er selbst schrieb sich Einhart, dem damals noch lebendigen Lautgesetz entsprechend, nach welchem wir auch Bernhart schreiben müßten. Um 770 im Maingau von edlem Geschlecht geboren, erhielt E. einen gelehrten Unterricht im Kloster Fulda, und wurde vom Abt Baugulf wegen seiner ungewöhnlichen Fähigkeiten an den Hof Karls des Großen geschickt, wo er in der Hofschule sich weiter ausbildete. Trotz seiner sehr unansehnlichen Gestalt gewann er durch seine Kenntnisse und seine Liebenswürdigkeit allgemeine Anerkennung, und bald auch das vollste Vertrauen des Kaisers. Sehr geschickt in kunstreicher Arbeit, erhielt er nach dem Werkmeister der Stiftshütte den Beinamen Beseleel, und wahrscheinlich auch die obere Leitung der Bauten Karls. Auch bei Ludwig d. Fr. stand er in hoher Gunst, wurde 817 dem jungen Lothar als Rath beigegeben, und bemühte sich, den Frieden aufrecht zu erhalten, die Empörung der Söhne zu verhindern. Als aber seine Bemühungen vergeblich waren, zog er sich ganz von Staatsgeschäften zurück. Schon 815 hatte er vom Kaiser Landbesitz im Odenwald zu Michelstadt erhalten, hier gedachte er ein Kloster zu gründen, für welches er sich 827 den nach den Begriffen der Zeit unschätzbaren Besitz der Gebeine der Märtyrer Marcellinus und Petrus verschaffte. Eine Vision veranlaßte ihn aber, die Reliquien nach Mühlheim am Main zu führen, wo er eine Abtei stiftete, nach welcher der Ort später Seligenstadt genannt wurde. Obgleich Abt mehrerer Klöster war E. nicht Geistlicher; seine Gemahlin Imma war vermuthlich die Schwester des Bischofs Bernhar von Worms, daher nicht Karls d. Gr. Tochter. Die bekannte Sage von Eginhard und Emma, welche schon in der Lorscher Chronik aus dem 12. Jahrhundert erzählt wird, ist irrthümlich an diese bekannteren Namen angeknüpft (vgl. d. Art. Angilbert, I. 460). Im J. 836 verlor E. seine geliebte Gattin, am 14. März 840 starb er selbst.

    E. hat es in einer fast fehlerfreien lateinischen Ausdrucksweise im Mittelalter am weitesten gebracht. Sueton war sein Vorbild für das schöne Lebensbild, welches er von Karl dem Großen mit warmer Anhänglichkeit entworfen hat. Außerdem galt er für den Verfasser der Jahrbücher, welche in lichtvoller|gedrängter Darstellung über die Zeit von 741—829 vorhanden sind, doch ist seine Autorschaft mit guten Gründen angefochten worden. In einer mehr kirchlich gefärbten Darstellung hat E. 830 jene Uebertragung der Märtyrer Petrus und Marcellinus beschrieben, mit zahlreichen Wundergeschichten; ob auch die Geschichte ihres Martyriums in rhythmischer Form von ihm verfaßt ist, ist zweifelhaft. Außerdem ist uns eine Sammlung seiner Briefe aus dem letzten Jahrzehnt erhalten.

    • Literatur

      Vgl. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter II. §. 8. Ausg. der Werke mit franz. Uebers. von Teulet in 2 Bänden, Paris 1843. Vita Caroli und Annales von Pertz Mon. Germ. I. II. Vita und Briefe von Jaffé, Bibl. Rer. Germ. IV. Zweite Sep.-Ausg. der V. Caroli 1876. Uebers. ders. und der Jahrb. von O. Abel in der Sammlung der Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit.

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Einhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 759-760 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118529560.html#adbcontent

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