Lebensdaten
gestorben 13. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118525514 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dietrich von der Glezze
  • Glezze, Dietrich von der
  • Gleese, Dietrich von der
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Zitierweise

Dietrich von der Gleese, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118525514.html [17.11.2018].

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  • Leben

    Seine Lebenszeit ist ungefähr bestimmt durch den Hinweis auf seinen Gönner Wilhelm, Sohn des Vogtes von Weidenau (Österreichisch-Schlesien), der selbst spätestens 1296 gestorben ist und dessen Vater die Vogtei nicht vor 1266 erhalten hatte. Dazu stimmt gut Stil und Sprache seines Werkes, die auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts weisen. Von seinem Stande wissen wir nichts Gewisses. P. Klemenz hielt ihn für einen Lehnsmann der Herrschaft Karpenstein, D. von Kralik für einen Fahrenden; feste Anhaltspunkte fehlen für beides. Sicher ist nur, daß er Latein konnte. Vielleicht dichtete er sogar|nach einer lateinischen Vorlage. Trotz seines schlesischen Gönners und seines wahrscheinlich auf die Clesse beziehungsweise den Clessengrund am Südostabhang des Glatzer Schneeberges weisenden Namens war er gewiß kein gebürtiger Schlesier, sondern eher ein nördlicher Alemanne aus der Rheingegend. Er ist der Verfasser einer Novelle „Der Borte“ („Gürtel“), dessen etwas gewagtes Motiv mit der antiken Erzählung von Kephalos und Prokris nahe verwandt ist. Stilistische Gewandtheit verbindet sich darin mit warmem Naturgefühl und durch Ironie gewürzte Anschauungskraft. Allerdings ist manches durch Interpolationen eines Späteren mit Namen Punzinger verdorben worden.

  • Werke

    Ausg. v.: F. H. v. d. Hagen, Gesamtabenteuer Nr. 20, 1850, u. v. O. R. Meyer, a. a. O.;
    Übertragungen v.: F. Bergmann, Altdt. Minnemären, 1924, v. R. Zoozmann, Phantasusdrucke Nr. 3, 1921.

  • Literatur

    R. Brendel, Üb. d. mhdt. Gedicht „Der Borte“, Diss. Halle 1906;
    O. R. Meyer, „Der Borte“ d. D. v. d. G., 1915, = Germanist. Arbb., hrsg. v. G. Baesecke, H. 3;
    P. Klemenz, Zur Herkunft d. Grafschafter Dichters Dietrich, in: Glatzer Heimatschriften 5, 1921, S. 20-28;
    D. v. Kralik, „Der Borte“ d. D. v. d. G. in urspr. Gestalt, in: ZDA 60, 1923, S. 153-93;
    A. Leitzmann, D.s v. d. G. Gürtel, in: PBB 48, 1924 (Textkritik);
    H. F. Rosenfeld, in: Vf.-Lex. d. MA, Sp. 426-28.

  • Autor/in

    Hans-Friedrich Rosenfeld
  • Empfohlene Zitierweise

    Rosenfeld, Hans-Friedrich, "Dietrich von der Gleese" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 690 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118525514.html#ndbcontent

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  • Leben

    Glezze: Dietrich von der G., Verfasser einer „Der Borte“ (Gürtel) betitelten deutschen nach französischer, bisher nicht ermittelter Quelle gedichteten und etwas unsauberen Erzählung, gehört der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an und war höchst wahrscheinlich ein Spielmann. Sein Gedicht, das im Auftrage eines Wilhelm von Wîdenâ entstand, trägt formell die Spuren gesunkener Kunst an sich, zeigt aber keine dialectischen Eigenheiten, auf Grund deren man als des Dichters Heimath Glatz, wie das geschehen ist, annehmen dürfte: eher weist manches auf alemannische Herkunft. Im ganzen ist Dietrich nicht zu den schlechtesten Poeten seiner Zeit zu rechnen: er besitzt lebhaftes Naturgefühl, welches mehrfach durchbricht, reiche Phantasie und einige gelehrte Bildung.

    • Literatur

      Von der Hagen, Gesammtabenteuer 1 (Stuttgart und Tübingen 1850) S. 449 ff.

  • Autor/in

    Steinmeyer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Steinmeyer, Elias von, "Dietrich von der Gleese" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 236 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118525514.html#adbcontent

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