Lebensdaten
1846 bis 1907
Geburtsort
Hornhausen (Westerwald)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Publizist ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11852383X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dasbach, Georg Friedrich
  • Dasbach, Georg Friedrich
  • Dasbach, G. F.
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Zitierweise

Dasbach, Georg Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11852383X.html [12.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ludw. Frdr., Bäcker, Kaufm. u. Gastwirt, S des Peter u. der Elis. Kisgen;
    M Kath. Veronika, T des Heinr. Gassen u. der Kath. Fuhr, sämtlich in Hornhausen.

  • Leben

    Nach Studium der Theologie in Rom und Trier arbeitete D. zu Trier als Kaplan im Sinne der Zentrumspartei für die katholische Presse. Infolgedessen wurde ihm 1875 von der Regierung zunächst das Abhalten des Religionsunterrichts, bald jede Amtshandlung untersagt. Gleich zahlreichen anderen Priestern, denen durch die rigorosen preußischen Kulturkampfmaßnahmen ihr Aufgabengebiet genommen wurde, stürzte sich D. in die publizistische Abwehr. Dabei wurde er zum geschicktesten publizistischen Organisator, den die katholische Kirche an Rhein, Mosel und Saar gehabt hat. Sein Wirken begann mit dem Ankaufen eines Betriebs 1875 und der Gründung der „Sankt Paulinus-Druckerei von F. D.“ (Paulinus war um 350 Bischof von Trier und wurde wegen seines Eintretens für Athanasius nach Phrygien verbannt).

    Die publizistische Tätigkeit wurde mit dem Paulinusblatt eröffnet, das seit April 1875 periodisch herauskam. Im Anschluß daran wurde die „Katholische Volkszeitung“ herausgebracht (seit Oktober 1875 „Trierische Landeszeitung“). Die Grundgedanken ihres „Aufrufes an das katholische Volk der Trierschen Lande“ stammten von D. Das neue Blatt wollte sich für die Freiheit des Glaubens, für die Interessen der Bischöfe und des Papstes einsetzen und das aktuelle Problem des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche mit Aufmerksamkeit verfolgen. Ferner wollte man Wahlpropaganda für das Zentrum treiben. Dank der Initiative D.s wurden diese beiden „bedeutsamsten Gründungen des ganzen Kulturkampfes“ zu erfolgreichen Blättern. Dieses Programm D.s und seiner Organe wurde zum Leitbild für eine Fülle weiterer Periodika, die durch seine unermüdliche Geschicklichkeit gleichsam als Ableger seiner „Paulinus-Druckerei“ gegründet wurden. Unter D.s verlegerischer Regie entstanden neben der Monatsschrift „Pastor bonus“ (1889) 7 Tageszeitungen im Saar-, Mosel- und Mittelrheingebiet und dazu die „Märkische Volkszeitung“ für Berlin und Brandenburg (1900 an den Verlag Germania verkauft). Allein durch das Gründen, Durchsetzen und Hochbringen so vieler Zeitungen läßt sich D.s Bedeutung für die katholische Bewegung auf dem Gebiete der Presse mit den späteren Methoden auf schwerindustrieller Seite und im nationalen Lager vergleichen, die den Hugenberg-Konzern zu einem Machtgebilde geprägt haben.

    D.s federführende Mitarbeit an der Gründung des „Augustinus-Vereins“ zur Pflege der katholischen Presse, dessen erster Vorsitzender er von 1878 an de facto zunächst gewesen ist, zeigt abermals, daß er einer der ersten Köpfe im katholischen Lager war, die erkannten, daß die Durchschlagskraft publizistischen Meinens und Beeinflussens wächst, sobald man sich nicht föderalistisch zersplittert, sondern kraftvoll zentralisiert. Auf diese Weise kann man die Bevölkerung überall in gleicher Einmütigkeit ansprechen. Daher hat D. an die Stelle finanzschwacher Einzel-Korrespondenzen den ersten einheitlichen politischen Nachrichtendienst des Zentrums gesetzt. 1879 wurde durch den Augustinus-Verein die „Centrums-Parlaments-Correspondenz“ (C. P. C.) geschaffen. D. selbst richtete sie in Berlin ein.

    Aus D.s wohlüberlegtem Verwenden von Zeitungstiteln wie „Volkszeitung“ oder „Arbeiterfreund“ für katholische Presseorgane ist zu erkennen, wie geschickt er es verstand, Einbrüche in das Gelände der sozialistischen Arbeiterpresse zu erzielen. Der Begriff „Volk“ wurde während und nach der Kulturkampf-Epoche von der katholischen Presse aus der sozialdemokratischen Publizistik bewußt übernommen. Nach dem Prinzip der Genossenschaften und Gewerkschaften schuf D., der darin klar ein brauchbares publizistisches Beeinflussungsmittel und politisches Kampf-Werkzeug erkannt hatte, eine Fülle von Interessenten-Verbänden. 1884 wurde er Gründer und Präsident des Trierschen Bauernvereins. Ferner spielte er eine führende Rolle im Trierschen Genossenschaftsverband, im Trierschen Winzerverein, im Trierschen Versicherungsverband und in der Rechtsschutzstelle zur Bekämpfung des Wuchers. Durch seine ständige Verquickung sozialer Reformpläne mit konfessionellen Tendenzen hat er sozialistischen Werbern und nationalliberalen Parolen das Wasser abgegraben.

    Im Preußischen Landtag (seit 1890) und im Reichstag (seit 1898) setzte er seinen Kampf auf mitunter für seine Fraktion nicht bequeme, weil selbständige Weise für die Bauern, Winzer und Bergarbeiter seiner Heimat im Sinne der katholischen Kirche fort.

  • Literatur

    K. Löffler, Gesch. d. kath. Presse Dtld.s, 1924;
    W. Kisky, Der Augustinus-Ver. z. Pflege d. Kath. Presse v. 1878-1928, 1928;
    G. Schork, in: Staatslex. I, 1926;
    LThK;
    Enc. Catt.;
    BJ XII (Tl. 1907.L).

  • Autor/in

    Wilmont Haacke
  • Empfohlene Zitierweise

    Haacke, Wilmont, "Dasbach, Georg Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 518 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11852383X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA