Lebensdaten
1663 bis 1743
Geburtsort
Dittwar bei Tauberbischofsheim
Sterbeort
Bamberg
Beruf/Funktion
Satiriker ; Jesuit ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11851847X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Callenbach, Franz
  • Callenbach, Frans
  • Kallenbach, Franz
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Zitierweise

Callenbach, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11851847X.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christoph ( 1717), Amtskeller in Gamburg, Amtschreiber in Tauberbischofsheim im unteren Schloß;
    M Anna Kath. ( 1721).

  • Leben

    C. besuchte das Würzburger Jesuitenkolleg und trat als 20jähriger in Mainz in den Jesuitenorden ein. Nach pädagogischer Tätigkeit in Bamberg (1685–90) und theologischem Studium in Würzburg, wurde er 1694 als Prediger und Lehrer an die jesuitische Residenz in Wetzlar abgeordnet, wo er sich ins- besonders der Kinder der katholischen Mitglieder des Reichskammergerichts anzunehmen hatte. 1697 wurde C. Prinzenerzieher am hessisch-rotenburgschen Hof in Wanfried, 1698 wiederum Lehrer am Bamberger Jesuitenkolleg und 1702 Missionar im elsässischen Hagenau. 1703-21 war er abermals in Wetzlar in seinen alten Ämtern tätig. 1721 wurde er mit dem Rektorat der Würzburger Jesuitenschule betraut und wirkte seit 1725 - nunmehr als Seelsorger, zeitweilig auch als Sekretär des oberrheinischen Ordensprovinzials - in Bamberg, Heidelberg und Mainz und ab 1734 wieder in Bamberg.

    C. war ein scharfer Beobachter des zeitgenössischen Lebens und nahm an seinen zahlreichen Aufenthaltsorten lebhaften kritischen Anteil am weltlichen und geistlichen Treiben. Vor allem in Wetzlar bot sich dem mit gesundem Mutterwitz ausgerüsteten Mann ein überaus reicher Stoff in den kläglichen von inneren Zwistigkeiten zerrissenen Wetzlarer Anfängen des Reichskammergerichts, in denen sich die wurmstichigen Zustände des Reiches und des deutschen Volkskörpers spiegelten. Hier entwickelte er sich zum Satiriker, der die deutschen Verhältnisse über den Wetzlarer Meridian hinaus scharf anvisierte und zu überdüsteren Einsichten gelangte; sie schlugen sich in seinen 8 deutschen Komödien nieder, die in Anklängen an Fischart, Moscherosch, Abraham a Santa Clara, an die jesuitische Dramatik und Lyrik mit vaterländischem Eifer die politischen und sozialen Mißstände geißeln und zur Umkehr mahnen. Die Satiren sind offenbar, trotz der häufigen Bühnenanweisungen, nur zur Lektüre, nicht zur Aufführung bestimmt gewesen: Sie bestehen aus einer losen Folge von realistischen Einzelszenen in teilweise ungefügem Redestil ohne eine durchgehende, das dramatische Interesse verstärkende Handlung; allenfalls werden sie gelegentlich durch eine durchlaufende Person zusammengehalten (zum Beispiel die Gestalt des Hinkenden Boten). Daß in C. ursprüngliche dramatische Anlagen vorhanden waren, zeigt der Aufbau der Einzelszenen in ihrer scholastischen Dialektik. Die wiederholten Auflagen seiner Komödien beweisen, wie sehr seine patriotischen Strafreden den Beifall vieler Zeitgenossen fanden.

  • Werke

    Wurmatia, Wurm-Land, 1714;
    Quasi sive mundus quasificatus, Das ist: Die quasificirte Welt, 1714;
    Genealogia Nisibitarum, Nisi Stamm-Baum, 1714;
    Quasi vero, Der Hinckende Bott, 1714;
    Uti ante hac, auff die alte Hack, o. J.;
    Eclipses politicomorales, Sicht- u. unsichtbare Staats-Finsternüssen, o. J.;
    Alm. Welt-Sitten-Staat-Marter-Kal., o. J.;
    Puer centum annorum|…, Der … Welt täglich anhaltendes Kinder-Spiehl, o. J. (alle o. O.).

  • Literatur

    ADB III;
    Dämmert, F. C. u. seine satir. Komödien, Diss. Freiburg i. Br. 1903;
    Sommervogel IV, Sp. 900-02;
    Duhr IV/2, Sp. 88-100;
    LThK.

  • Autor/in

    Kurt Schreinert
  • Empfohlene Zitierweise

    Schreinert, Kurt, "Callenbach, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 95 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11851847X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Callenbach: Franz C., ein Jesuit und satirischer Schriftsteller in der zweiten Hälfte des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts, von dessen näheren Verhältnissen jedoch durchaus nichts bekannt ist, doch scheint er im südlichen oder südwestlichen Deutschland gelebt zu haben. Er schrieb mehrere dramatische Satiren oder Komödien, wie sie ehemals auf den Jesuitentheatern gegeben wurden, untermengt mit lateinischen Versen und zahlreichen Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten, in denen er die Gebrechen seiner Zeit im Staate, in der Kirche, der Gelehrsamkeit und dem gemeinen Leben durchzieht, aber in einer groben und plumpen Sprache. Gleichwol verrathen diese Sittengemälde eine genaue Welt- und Menschenkenntniß und große Lebendigkeit, so daß sie einen getreuen Spiegel der Ausartung und Uebertreibung in den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen gewähren und deshalb und da sie zugleich den vollkommensten Gegensatz zu den geschraubten und vornehmthuenden Schriften des protestantischen Nordens jener Periode bilden, in mehr als einer Hinsicht merkwürdig und wichtig sind. Die Titel einiger dieser Schriften, welche sämmtlich (8 an der Zahl), anonym und ohne Angabe des Druckortes erschienen, sind: „Quasi sive Mundus quasificatus. Gedruckt in der Quasi-Welt“ o. O. 1714. 6 Theile. 8. „Quasi vero, der hinckende Bott hat sich wohl“, o. O. 1715. 4. „Puer centum annorum“, o. O. und J. 8.

    • Literatur

      Jördens, Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten. O. L. B. Wolff, Encyklopädie der deutschen Nationallitt. II. S. 1—3. Ueber den Jesuiten Franz Callenbach ist neuerdings von Dr. R. Dammert eine Monographie erschienen, welche ihn cultur- und litterarhistorisch behandelt, seine Biographie und Bibliographie bringt (1903); zu beziehen durch Troemer's Univ.-Buchhandlung, Freiburg i. Br.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob, "Callenbach, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 707 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11851847X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA