• Leben

    Von B.s Jugend ist nichts bekannt. Die Steyrer Chronik nennt ihn Schüler Melanchthons. Demnach hat er in Wittenberg studiert (die Matrikel nennt ihn nicht), und Wittenberger Studenten aus Steyr waren es auch, die ihm das Amt eines Rektors der protestantischen Lateinschule in Steyr vermittelten (1558). Krankheit und der „unglückselig ehrbrüchige Unfall mit seinem gewesenen Weib“ verdüsterten ihm sein Leben. Aber seine Resignation wird überglänzt von glaubensstarker geduldiger Ergebenheit in Gott und aufopferungsvoller Liebe zu seiner Schuljugend. Seine stattliche Bücherei wurde später der Grundstock der Steyrer Stadtbibliothek. - Traditionsgemäß brachte B. jährlich zur Fastnacht „der lieben Jugend zu guter christlicher Anweisung“ ein biblisches Schuldrama mit seinen Schülern zu öffentlicher Aufführung. Die Texte verfaßte er „Gott zu Lob, Ehr und Dank“ selber. Erhalten haben sich nur „Jacob“ (1566) und zwei für Bürgerhochzeiten verfaßte Spiele „Tobias“ (1569) und „Isaac und Rebecca“ (1569). Durch geschickte bühnentechnische Ausnützung der Simultanbühne wird eine dem Mittelalter noch fremde Geschlossenheit erreicht, durch tiefempfundene Charakteristik eine wirkliche Verlebendigung der biblischen Historie. Dies und die tendenzlose Glaubensinnigkeit erheben B.s Dramen über das Niveau der meisten Schuldramen und Volksstücke der Zeit.

  • Werke

    Jacob u. seine 12 Söhne, hrsg. v. R. Stumpfl, 1928, = Neudrr. dt. Lit.werke d. 16. u. 17. Jh., Nr. 258-60.

  • Literatur

    W. Scherer, in: ADB III;
    Goedeke II, 1886, S. 406 (W);
    W. Scherer, Kleine Schrr. II, 1893, S. 292 f.;
    A. Wick, Tobias in d. dramat. Lit. Dtld.s, Diss. Heidelberg 1899;
    E. Haller, Th. B. (Pegäus) u. G. Mauritius d. Ä., in: Heimatgaue 4, Linz 1923, S. 262 ff.;
    R. Stumpfl, Das ev. Drama in Steyr im 16. Jh., Diss. Wien 1926;
    ders., Das alte Schultheater in Steyr im Za. d. Ref. u. Gegenref., in: Heimatgaue 12, Linz 1931, S. 136 bis 158, 13, 1932, S. 13-24, 95-128;
    ders., Th. B.s Tobias (1569) u. Gg. Rollenhagens Bühnenbearb. (1576), in: ZDP 57, 1932, S. 157-77.

  • Autor/in

    Hellmut Rosenfeld
  • Empfohlene Zitierweise

    Rosenfeld, Hellmut, "Brunner, Thomas" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 684 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118516213.html#ndbcontent

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  • Leben

    Brunner: Thomas B., deutscher Dramatiker, geb. zu Landshut, studirte in Wittenberg, in den 60er Jahren lat. Schulmeister zu Steyr in Oberösterreich, Protestant. Von ihm „Jacob und seine Söhne“, 1566; „Tobias"; „Isaak und Rebecca“, 1569, beide letztere Gelegenheitscomödien zu Hochzeiten. In allen|dreien ein ganz eigener Ton schlichter Herzlichkeit und frommer kindlicher Einfalt, eine Weichheit und Innigkeit, wie man sie im 16. Jahrhundert nicht häufig findet. Auch wo er nicht original ist, weiß er doch immer diese warme sanfte Stimmung hineinzubringen. Die treuen echten Familiengefühle stehen oben an: daneben glaubenssichere Festigkeit mit einem Zug der Resignation, der hier geduldige Ergebung in den Willen Gottes bedeutet, gefaßt auf Verfolgung, Unterdrückung, Tyrannei, aber stets unverzagt.

    • Literatur

      Vgl. Goedeke; J. M. Wagner, Oester. Dichter des 16. Jahrhunderts (Serapeum Bd. 25) S. 24.

  • Autor/in

    W. Scherer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Scherer, Wilhelm, "Brunner, Thomas" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 447-448 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118516213.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA