Lebensdaten
1704 bis 1747
Geburtsort
Gersdorf (Pommern)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Diplomat ; Gelehrter ; preußischer Staatsmann ; Übersetzer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11851346X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Borck, Kaspar Wilhelm von
  • Borcke, Kaspar Wilhelm von
  • Borck, Kaspar Wilhelm von
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Zitierweise

Borcke, Kaspar Wilhelm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11851346X.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg Matthias (1671–1740), Kanzler der Neumark, S des Matthias Adrian, Gutsbesitzer, und der Katharina Barb. von Reisewitz;
    M Elisabeth Marie von Blankenburg (1685–1740);
    B Georg Balthasar ( 1779), Gutsbesitzer, besorgte die Herausgabe von Borckes Lukan-Übersetzung.

  • Leben

    B. trat gleich nach dem Abschluß seines Studiums der Rechts- und Kameralwissenschaften in den diplomatischen Dienst ein, war zuerst in Kopenhagen, danach in Dresden, Braunschweig, London und Wien. Bei Ausbruch des ersten Schlesischen Krieges wurde er als Kriegs- und Kabinettsminister nach Berlin berufen. Von Friedrich II. als Mensch und Gelehrter hoch geschätzt, nahm er regen Anteil an den Arbeiten der Akademie der Wissenschaften, deren Kurator er 1744 wurde. Sein stärkstes Interesse galt der Geschichtswissenschaft, insbesondere heimatgeschichtlichen und genealogischen Fragen. Als geistvoller Freund der schönen Wissenschaften war er dem klassischen Altertum und der neueren Literatur in gleicher Weise zugewandt. Seine literargeschichtliche Bedeutung liegt aber weniger in der erst nach seinem Tode erschienenen Übersetzung der „Pharsalia“ des Lukan als in dem wohl durch seinen Londoner Aufenthalt angeregten Versuch, Shakespeares „Julius Cäsar“ in Alexandrinern zu verdeutschen. Er gab damit die erste eigentliche Übersetzung eines Shakespeareschen Stückes, die, soweit das im klassizistischen Gewande überhaupt möglich war, wesensgetreu zu sein sich bemühte. Mit ihr nahm der Kampf um Shakespeare seinen Anfang: sie veranlaßte eine heftig abweisende Rezension Gottscheds und im folgenden Jahre den ersten Versuch einer kritischen Würdigung durch Johann Elias Schlegel. So wenig B. selbst grundsätzliche Absichten einer Erneuerung der deutschen Literatur hegte, ist doch von seinem Versuch der Anstoß zu einer Entwicklung ausgegangen, die über Lessing und Herder zum Shakespearekult des Sturm und Drang und zum universalen Shakespeareverständnis der Romantik führte.

  • Werke

    Versuch einer gebundenen Übers. d. Trauerspiels v. d. Tode d. Jul. Cäsar, aus d. engl. Werke d. Shakespeare, Berlin 1741, Neudr. hrsg. v. M. J. Wolff, 1929;
    Versuch einer gebundenen Übers. d. Lukan, Mit einer Vorrede v. D. S. J. Baumgarten, Halle 1749;
    Briefwechsel zw. d. preuß. Minister C. W. v. B. u. d. Greifswalder Prof. A. G. v. Schwartz, hrsg. v. H. Müller, in: Zs. f. preuß. Gesch. u. Landeskde. 13, 1876, S. 39-156.

  • Literatur

    ADB XLVII;
    R. Genée, Gesch. d. Shakespeareschen Dramen in Dtld., 1870, S. 63 ff., 203 f., 429 ff., 473;
    Goedeke III, 1887, S. 368;
    W. Paetow, Die erste metr. dt. Shakespeare-Übertragung in ihrer Stellung z. ihrer Lit.epoche, 1892;
    M. Joachimi-Dege, Dt. Shakespeare-Probleme im 18. Jh., 1907, S. 2 f., 10 ff.;
    F. Gundolf, Shakespeare u. d. dt. Geist, 91946, S. 100 f.

  • Portraits

    Ölgem. v. A. Pesne, um 1745 (Privatbnsitz v. Griesheim, Falkenburg/Pommern), Abb. in: Das geistige Pommern (Ausstellungskat. Stettin), 1939, Tafel 7.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Borcke, Kaspar Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 461 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11851346X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Borcke: Caspar Wilhelm von B., geboren am 30. August 1704, am 8. März 1747. Als Sohn des Kanzlers Georg Matthias v. B. in Gersdorf (Kr. Dramburg in Pommern) geboren, studirte er auf mehreren Universitäten die Rechts- und Cameralwissenschaften und trat schon recht jung in den diplomatischen Dienst Preußens. Er war in Kopenhagen, Braunschweig, wo er die Verhandlungen wegen Vermählung des preußischen Kronprinzen Friedrich mit der Prinzessin Elisabeth Christine führte, und an den Höfen von|Dresden und London mit verschiedenem Erfolge thätig. 1738 wurde er zum bevollmächtigten Minister in Wien ernannt. Hier hatte er 1740 und 1741 die schwierige Aufgabe, wegen der Abtretung Schlesiens zu verhandeln, ein Auftrag, der dem feinen, verbindlichen, sanften Gesandten peinlich genug war (Koser, König Friedrich der Große I, 75). Nach dem Abbruche der diplomatischen Beziehungen wurde er in Berlin zum Kriegs- und Cabinetsminister ernannt und arbeitete mit Graf Podewils zusammen. Als 1744 die Akademie der Wissenschaften wiederhergestellt wurde, ernannte der König B. zu einem der vier Curatoren. Er nahm mit lebhaftem Interesse an den Sitzungen Theil und verfolgte die Arbeiten mit Verständniß und Theilnahme. Sein frühzeitiger Tod wurde vom König und der ganzen königlichen Familie aufrichtig betrauert. (Koser a. a. O. S. 487.) Als Beförderer und Freund der Wissenschaften ist er bedeutender als in seiner Stellung als Staatsmann. Er hatte besonderes Interesse für Geschichtsforschung, namentlich auch für die Geschichte Pommerns und seiner Familie. Daher sammelte er nicht nur eine ansehnliche Bibliothek, sondern regte auch zu Forschungen und Arbeiten auf dem Gebiete der pommerschen Geschichte an und unterhielt einen regen Briefwechsel mit dem Professor Albert Georg Schwartz in Greifswald. (Herausgegeben von H. Müller, Zeitschrift f. Preuß. Gesch. u. Landesk. XIII, 35—156.) Er selbst versuchte sich als Uebersetzer. 1741 erschien in Berlin: „Versuch einer gebundenen Uebersetzung des Trauerspiel von dem Tode des Julius Cäsar. Aus dem englischen Werke des Shakespear“. Diese erste Uebersetzung eines Shakespeare'schen Dramas in Alexandrinern ist für ihre Zeit wohlgelungen, veranlaßte aber Gottsched, das Original für die elendeste Haupt- und Staatsaction voll Schnitzer und Fehler zu erklären. Nach Borcke's Tode erschien „Versuch einer gebundenen Uebersetzung des Lukan“ (Halle 1749). Die Herausgeber waren sein Bruder Georg Balthasar v. Borcke und Dr. S. J. Baumgarten.

    • Literatur

      Dähnert, Pomm. Bibliothek I, 73. — K. Goedeke, Grundriß z. Gesch. d. dtsch. Dichtung III, 368.

  • Autor/in

    M. Wehrmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wehrmann, Martin, "Borcke, Kaspar Wilhelm von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 112-113 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11851346X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA