Lebensdaten
1875 bis 1951
Geburtsort
Trautskirchen (Mittelfranken)
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Gewerkschafter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118512366 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Böckler, Hans

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Zitierweise

Böckler, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118512366.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Andreas, Fuhrmann;
    M Christine Kornbausch;
    Magd. Müller;
    3 K.

  • Leben

    B. erlernte nach dem Besuch der Volksschule in Fürth das Silber- und Goldschlägerhandwerk. 1894 trat er dem Deutschen Metallarbeiterverband und der Sozialdemokratischen Partei bei und wurde 1903 als Sekretär des Deutschen Metallarbeiterverbandes im Saargebiet in der Gewerkschaftsbewegung hauptamtlich tätig. Seit 1908 in der Bezirksleitung des Metallarbeiterverbandes in Frankfurt/Main, kam er im Mai 1910 als Bezirksleiter des Verbandes für Schlesien nach Breslau und 1912 als Redakteur an der Metallarbeiterzeitung nach Berlin. Bei Kriegsausbruch zur Landwehr einberufen und an der Ostfront eingesetzt, wurde er nach einer Verwundung Ende 1915 als nicht mehr felddienstfähig entlassen und war in der Folgezeit in Danzig, Oberschlesien und im Siegerland erneut in der gewerkschaftlichen Arbeit tätig.

    Nach der Gründung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes wurde B. 1920 zum ersten Bevollmächtigten der Verwaltungsstelle Köln des Deutschen Metallarbeiterverbandes ernannt und trat damit zum ersten Mal in Beziehungen zur rheinischen Metropole, die ihm dann bis zum Tode Wahlheimat blieb. 1927 schied er aus der aktiven Arbeit seines Verbandes aus und widmete sich weiterhin, zum Bezirkssekretär des ADGB für Rheinland und Westfalen-Lippe ernannt, ausschließlich der gesamt-gewerkschaftlichen Arbeit. 1928 wurde er für die SPD in den Reichstag gewählt, nachdem er bereits seit 1924 ein Mandat in der Kölner Stadtverordnetenversammlung innegehabt hatte. Die Jahre 1933-45 brachten dauernde Verfolgungen und zeitweise Verhaftung. Als einer der führenden Köpfe der illegalen Gewerkschaftsbewegung konnte er sich nach dem 20.7.1944 nur mit Mühe in einem kleinen Zufluchtsort im Oberbergischen dem Zugriff der Gestapo entziehen.

    Nach dem Zusammenbruch 1945 wurde B. in Köln und im Rheinland zum Organisator des neuen Deutschen Gewerkschaftsbundes und zugleich vom britischen Stadtkommandanten in die Kölner Stadtvertretung berufen. 1946 folgten seine Wahl zum Vorsitzenden des Bezirks Nordrhein-Westfalen des DGB, die Ernennung zum Mitglied des Zonenbeirates für die britische Zone und die Wahl zum Mitglied des ersten Landtages von Nordrhein-Westfalen. Die zunehmenden gewerkschaftlichen Verpflichtungen, insbesondere die Wahl zum Vorsitzenden des DGB für die britische Zone am 24.4.1947 und am 6.11. die Wahl zum Vorsitzenden des bizonalen, später trizonalen Gewerkschaftsrates, machten die Niederlegungen aller politischen Mandate notwendig. Seine Verdienste um den Neuaufbau und die Einigung der deutschen Gewerkschaftsbewegung fanden durch die Verleihung des Dr. jur. h. c. der Universität Köln (26.2.1948) und die Berufung zum Senator der Max-|Planck-Gesellschaft (19.3.1949) Anerkennung. Am 14.10.1949 wurde B. auf dem Münchener Gründungskongreß mit 397 von 474 Stimmen zum Vorsitzenden des DGB für das Gebiet der Bundesrepublik und am 7.12.1949 in London bei der Gründung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften zu dessen Vizepräsidenten gewählt. Die Berufung in die Leitung zahlreicher Verbände und Vereinigungen, so des Hauptausschusses des Nordwestdeutschen Rundfunks, des Ehrenpräsidiums der Weltwirtschaftlichen Vereinigung in Berlin, des Verwaltungsrates der Wiederaufbau- und Kreditbank in Frankfurt/Main und des Aufsichtsrates des Hüttenwerkes Oberhausen, war Ausdruck des Einflusses der Persönlichkeit B.s auf die Neugestaltung des öffentlichen Lebens in Deutschland nach 1945. Die Krönung seiner Arbeit für die deutsche Gewerkschaftsbewegung bedeutete das unter Vermeidung des schon beschlossenen Streiks in diesen Industriegruppen durchgesetzte Mitbestimmungsrecht in der Stahl- und Eisenindustrie und dem Bergbau zu Beginn des Jahres 1951, womit nach seinen Worten ein erster Schritt auf dem Wege zur Neuordnung der deutschen Wirtschaft und zum Ausgleich zwischen den Sozialpartnern getan war. Die Stadt Köln ehrte ihn wegen seiner großen Verdienste, vor allem um ihren Wiederaufbau nach 1945, wenige Wochen vor seinem Tode durch die Verleihung der Ehrenbürgerrechte.

  • Literatur

    Reichstagshdbb. 1928, 1930, 1932, 1933;Festschr. Verleihung d. Ehrenbürgerrechts an Dr. h. c. K. Adenauer u. Dr. h. c. H. B. durch d. Stadt Köln, 1951 (P)
    ;
    H. B., Ein Leben f. d. Gewerkschaften, o. J.;
    Die Gewerkschaftsbewegung in d. brit. Besatzungszone, o. J.;
    Informations- u. Nachrr.dienste d. Bundespressestelle u. Dt. Gewerkschaftsbundes, Bd. 1 u. 2;
    E. Klein-Viehöver u. J. Viehöver, H. B., Ein Bild seiner Persönlichkeit, 1952 (P).

  • Autor/in

    Alfred Milatz
  • Empfohlene Zitierweise

    Milatz, Alfred, "Böckler, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 371 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118512366.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA