Lebensdaten
1490 bis 1562
Geburtsort
auf der Osterburg zu Grimersum
Sterbeort
Grimersum
Beruf/Funktion
Chronist ; ostfriesischer Beamter
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118508997 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Beninga, Egerik
  • Beninga, Eggeric
  • Beninga, Eggericus
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Zitierweise

Beninga, Eggerik, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118508997.html [28.03.2017].

CC0

Beninga, Eggerik

ostfriesischer Beamter und Chronist, * 1490 auf der Osterburg zu Grimersum, 19.10.1562 Grimersum. (evangelisch)

  • Genealogie

    Aus ältestem ostfriesischen Häuptlingsadel; V Garrelt ( 1501), Häuptling zu Grimersum, Propst zu Hinte, S des Ailt, Häuptling zu Grimersum, Propst zu Hinte, und der Hima von Nordorp; M Essa, T des Snelger Houwerda, Häuptling zu Appingedam und Münte, und der Occa von Oldersum.

  • Leben

    B. genoß den ersten Unterricht bei dem Grimersumer Burgkaplan Magister Henricus Huismann (Agricola), der wahrscheinlich ein Bruder des bekannten Rudolf Agricola war. Früh trat er in die Dienste seines Landesherrn Edzard dem Großen, dem er, nach dessen Tode 1528, aus treuer Anhänglichkeit in seiner Chronik ein besonderes literarisches Denkmal setzte. 1525 wurde er Drost auf der Grenzfeste Leerort, wo ihm in Verwaltung und Rechtspflege mancherlei Gelegenheit geboten wurde, Volk und Land kennen zu lernen. Dazu kam sein Eintreten für die neue evangelische Lehre und die Propsteiwürde von Weener, so daß Graf Enno II. seit 1533 seinen besonderen Rat gern in Anspruch nahm. Nach dem Tode Ennos 1540 wurde B. alsbald von der Gräfin Anna zum Mitglied des ritterbürtigen Regentschaftsrates berufen. Mit verständigem Rat hat er hier als besonders vertrauter Beamter mancherlei wichtige Aufträge erfolgreich durchgeführt. So läßt sein von C. Borchling wieder entdecktes „Hausbuch“ seinen tiefen Einblick in die sittlichen Zustände des Volkslebens und ihre Schäden sowie seine tatkräftigen Bemühungen um Besserung durch die „Polizeiordnung“ der Gräfin Anna 1545 erkennen. 1556 übernahm er noch einmal für 5 Jahre das Drostenamt in Leerort. - Seine Chronik von Ostfriesland, die älteste dieser Art, besitzt durch die mitgeteilten Urkunden aus älterer Zeit und durch die Berichte des Zeitgenossen für die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts Quellenwert, wenngleich der Chronist die inneren Zusammenhänge der verschiedenen in- und ausländischen Mächtegruppen und ihre Politik selten ergründet hat. Durch die plattdeutsche Sprache war sie jedem verständlich und bildete einige Jahrzehnte später die Grundlage für die lateinische Rerum Frisicarum Historia des Ubbo Emmius.

  • Werke

    Chronyk van Oostfrieslant …, hrsg. v. Antonius Matthaei, Leiden 1706 u. Den Haag 1738, hrsg. v. Eilhardus Folkardus Hackenroht, Emden 1723, hist.-krit. Ausg. v. L. Hahn (†) in Vorbereitung (vgl. L. Hahn, Der echte B., in: Ostfreesland-Kal., 1949, S. 55-57).

  • Literatur

    ADB II; C. Borchling, Ein Hausbuch E. B.s, in: Emder Jb. XIV, 1902, S. 177-235, u. XV, 1903, S. 105-37; H. Reimers, Die Qu. d. Rerum Frisicarum Historia d. Ubbo Emmius, ebenda XV, 1903, S. 65-80; ders., Ostfries. Gesch. I: Gesch.schreibung u. Gesch.schreiber, in: Ostfreesland-Kal., 1921, S. 74-77; P. Bartels, Die älteren ostfries. Chronisten u. Geschichtschreiber u. ihre Zeit, 1905, S. 3-21 (L).

  • Portraits

    Bildnisfigur auf d. Grabstein B.s zu Grimersum, 1562, Abb. in: Ostfreesland-Kal., 1921, S. 75.

  • Autor

    Ufke Cremer
  • Empfohlene Zitierweise

    Cremer, Ufke, "Beninga, Eggerik" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 49 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118508997.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Beninga, Eggerik

  • Leben

    Beninga: Eggerik B., ostfriesischer Chronist, geb. 1490, 19. Oct. 1562 auf der Burg zu Grimersum. — Als 1501 sein Vater gestorben war, trat der elfjährige Knabe in die Dienste seines Landesherrn, des Grafen Edzard d. Gr. von Ostfriesland, in dessen Umgebung der junge Edelmann aus hervorragender ostfriesischer Adelsfamilie die Jünglingsjahre lernend und beobachtend verlebte. Schon 1525 wird B. Drost auf der wichtigen Festung Leerort, wo ihm die Rechtspflege und Verwaltung auszuüben oblag. Nach dem Tode des Grafen Enno, des Nachfolgers Edzards, berief ihn Ennos Wittwe, die Vormünderin der jungen Grafen, Gräfin Anna, an den Hof (1540), wo er als Rathgeber in allen wichtigen Landesangelegenheiten von segensreichstem Einflüsse war. Im J. 1556 abermals Drost in Leerort, zog er sich nach fünf Jahren, als mit dem Ende der vormundschaftlichen Regierung Graf Edzard II. den Thron bestieg, auf seine Burg zu Grimersum zurück, wo er bald darauf verstarb. — War B. während seines Lebens als Häuptling zu Grimersum, Borssum, Jarssum und Widdelsweer, Drost zu Leerort, Rath des Landes und Propst zu Weener und Hatzum, also als hochgestellter Beamter und kirchlicher Würdenträger für sein Vaterland eine gewichtige Persönlichkeit, so hat er sich doch hauptsächlich nach anderer Richtung hin um sein Vaterland wohl verdient gemacht, einmal durch seine "Cronica der Fresen", der Hauptquelle für eine große Periode der ostfriesischen Geschichte, und dann durch seinen Antheil an der Einführung der Reformation in Ostfriesland, deren eifrigster Beförderer er gewesen: Hand in Hand mit Johannes a Lasco arbeitete er auf Disciplinirung des Volkslebens und hat den Hauptantheil an der wichtigen Polizeiordnung der Gräfin Anna, durch welche das Volk sittlich gezügelt und gehoben werden sollte, und die in der That für Ehesachen, Volksschulen etc. für Ostfriesland eine neue Epoche anbahnte. — Was die oben erwähnte ostfriesische Chronik betrifft, so ist dieselbe für das Alterthum und das frühere Mittelalter ohne höhere Bedeutung, denn Beninga's Leichtgläubigkeit und Naivetät erreichen hier die Grenze des Möglichen. Werthvoll aber ist die Chronik für das spätere Mittelalter durch Mittheilung vieler Urkunden, die er in seinem Familienarchive fand und namentlich für die Zeit von ca. 1500—1560, die er als mitten in den Ereignissen an hervorragender Stelle stehender Zeitgenosse beschreibt. Allerdings ist auch hier häufig sein Urtheil beschränkt und seine Parteilichkeit für Edzard d. Gr. und sein Haus nicht unbedenklich, dennoch aber ist diese Chronik die Grundlage für die wissenschaftliche Behandlung der friesischen Geschichte geworden und die Hauptquelle für des Emmius "Rerum Frisicarum historia". Das umfangreiche von B. bis kurz vor seinem Tode durch Eintragungen vervollständigte Werk, welches wesentlich den|Charakter von gesammelten Nachrichten trägt und nicht eine durchgearbeitete Darstellung bietet, ist erst 150 Jahre nach dem Tode des Autors zum ersten Male veröffentlicht und zwar in "Ant. Matthaei Analecta vet. aevi", Leyd. 1706, und nach dieser Ausgabe von Eilhard Folkard Harkenroth, Emden 1723, dann verbessert in Matth. anal. 2. Ausg. Haag 1738. Doch sind diese Ausgaben ohne Benutzung der Originalhandschrift nur nach späteren Abschriften gemacht und daher sehr incorrect.

    • Literatur

      Vgl. über Beninga: Bertram, Parerga Ostfrisica, Brem. 1735 (Tjaden), Das gelehrte Ostfriesland. Aurich 1785. I; Möhlmann, Kritik der friesischen Geschichtsschreibung etc. Emden 1862; Müllerus, De antiq. Frisiae Orient, dynastis, Lugd. Bat. 1730; und namentlich Bartels im Jahrbuch der Gesellschaft für bild. Kunst u. vaterländische Alterthümer. Emden 1874. Heft 3. S. 1 ff.

  • Autor

    Friedländer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedländer, "Beninga, Eggerik" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 334-335 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118508997.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA