• Genealogie

    V Hirsch Beer

  • Leben

    B. erhielt im Hause seiner wohlhabenden Eltern eine vorzügliche Erziehung. Er bemühte sich, die jungen Juden mit Bibel und jüdischer Literatur vertrauter zu machen, gründete zu diesem Zweck in Dresden 1824 den „Verein junger Juden zum Studium der Bibel und der hebräischen Sprache“ und 1829, anläßlich der 100. Wiederkehr von Moses Mendelssohns Geburtstag, den „Mendelssohn-Verein zur Förderung der Wissenschaft, Kunst und des Gewerbes bei der israelitischen Jugend“. B. unterstützte auch den damaligen Dresdener Oberrabbiner Zacharias Frankel (1801–75) bei der Organisierung der jüdischen Gemeinde, gründete die erste jüdische Schule und hielt in der Synagoge die ersten Predigten in deutscher Sprache. 1833 und 1837 unterbreitete er dem sächsischen Parlament Denkschriften zwecks Gewährung der bürgerlichen Gleichberechtigung an die Juden. - Für seine schriftstellerischen Leistungen wurde B. 1834 der Dr. phil. h. c. der Universität Leipzig verliehen.

  • Werke

    Imre Joscher (religiös-moral. Schrr.), 1833;
    Die Freie christl. Kirche u. d. Judentum (Offener Brief an J. Ronge), 1848;
    Jüd. Lit.briefe, in: Mschr. f. Gesch. u. Wiss. d. Judenthums, 1853/54, in Buchform 1857;

    Aaron, in: Wiener Jbb., 1855;

    Das Leben Abrahams nach d. Auffassung d. jüd. Sage, 1859;

    Das Buch d. Jubiläen u. sein Verhältnis z. d. Midraschim, 1856;

    Abel, in: Lit.bl. d. Orients 4, 1943;
    Übers.: Salomon Munks (Orientalist, 1803–67) hist. Skizze La Philosophie chez les Juifs, unter d. Titel Philos. u. philosoph. Schriftsteller d. Juden, 1852.

  • Literatur

    ADB II;
    Z. Frankel, in: Mschr. f. Gesch. u. Wiss. d. Judenthums, 1862;
    Wininger I, Czernowitz 1925;
    Jüd. Lex. I, 1928;
    Enc. Jud. III, 1929;
    Universal Jewish Encyclopedia II, New York 1939.

  • Autor/in

    Ernst Gottfried Lowenthal
  • Empfohlene Zitierweise

    Lowenthal, Ernst Gottfried, "Beer, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 734 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11809503X.html#ndbcontent

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  • Leben

    Beer: Bernhard B., im J. 1801 in Dresden geb., am 1. Juli 1861 daselbst gestorben, hat seine sechs Jahrzehnte im Dienste der Humanität und Wissenschaft verlebt; seine Kräfte widmete er praktisch und wissenschaftlich der freiwillig übernommenen Aufgabe, seinen jüdischen Glaubensgenossen die bürgerliche Gleichstellung, die geistige und sittliche Veredelung zu erringen. Von dieser Bemühung zeugen seine zahlreichen meist kleinen Schriften, belehrende Reden und Vorträge, Denkschriften an maßgebende Behörden wie Polemisches und Apologetisches für die Oeffentlichkeit; werthvoll aber war seine eingreifende Thätigkeit in die litterarische Bewegung, und sind hier von besonderer Bedeutung seine deutsche Bearbeitung der historischen Skizze von Munk: „Philosophie und philosophische Schriften der Juden“ (1842), „Das Leben Abrahams nach der jüdischen Sage“ (1859). Beer's milde, zur Vermittelung geneigte Natur suchte sich von allen energischen Schritten fern zu halten, und so theilt er das Loos solcher Männer, denen eine bestimmende und dauernde Einwirkung versagt ist. Dennoch wurde die Redlichkeit seiner Gesinnung, die Tüchtigkeit seines Wissens und Strebens allgemein anerkannt, und im Leben wie in der Wissenschaft hat sein Beispiel und seine Lehre fruchtbar genützt. Sein Lebensbild wurde ausführlich von Frenkel im Jahrgange 1862 seiner „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums“ dargelegt und ist diese Biographie noch in besonderem Abdrucke erschienen. Werthvolle Ergänzungen liefert Wolf in der Einleitung zu dem 1863 erschienenen Kataloge der von Beer Unterlassenen Bibliothek, und eine Würdigung bietet die „Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben“ desselben Jahres.

  • Autor/in

    A. Geiger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiger, A., "Beer, Bernhard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 246-247 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11809503X.html#adbcontent

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