Lebensdaten
1869 bis 1950
Geburtsort
Mannheim
Sterbeort
Neckargemünd
Beruf/Funktion
Industrieller
Konfession
jüdisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 117752797 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lenel, Richard

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Zitierweise

Lenel, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117752797.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Viktor (s. 1);
    Ov Otto (s. 3);
    - Berlin 1900 Emilie (1880–1959), T d. Kaufm. Heinrich Maas (1838–1917) in Berlin u. d. Marie Levy;
    4 S, 5 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums (1878–87), einer Lehre im Familienunternehmen (1887–89) und Reisen nach Frankreich, England und Nordamerika (1889–92) trat L. bei „Gebr. Lenel“ ein, wo er bis 1896 zunächst als Commis, dann als Prokurist tätig war. 1897 übernahm er als Nachfolger seines Vaters die Geschäftsführung von „Lenel, Bensinger & Co.“. Schon früh engagierte L. sich verbandspolitisch. 1906 war er an der Gründung des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes Mannheim-Ludwigshafen beteiligt, 1908 an der des Arbeitsnachweises der Industrie Mannheim-Ludwigshafen; er übernahm den Vorsitz beider Organisationen und 1911 auch den des Fabrikantenvereins. Seit 1920 führte er unter wirtschaftlich und politisch schwierigen Umständen souverän das Amt des Präsidenten der Handelskammer, mit dem eine große Zahl weiterer Funktionen verbunden war (Bad. Handelstag, Deutscher Handelstag, Internationale Handelskammer, Reichseisenbahn- und Reichswasserstraßenbeirat, Verwaltungsrat der Reichspost, Luftfahrt- und Rundfunkwesen). Im Deutschen Industrie- und Handelstag war L. führendes Mitglied des sozialpolitischen Ausschusses und maßgebend an der Ausarbeitung sozialpolitischer Stellungnahmen beteiligt.

    Die Rhein. Gummi- und Celluloidfabrik hatte sich bis zum 1. Weltkrieg zusammen mit Werken zur Kamm- und Puppenherstellung (seit 1896 Herstellung von Puppen aus Zelluoid, 1899 Eintragung des Warenzeichens „Schildkröt“) zum bedeutendsten Unternehmen seiner Art auf der Welt entwickelt. 1914 wurden im Gesamtunternehmen 6 000 Mitarbeiter beschäftigt. Trotz seiner zahlreichen Verpflichtungen fand L. noch die Zeit, als Spitzenkandidat der Deutschen Volkspartei hei den Kommunalwahlen 1922 anzutreten und bis 1930 im Bürgerausschuß der Stadt Mannheim zu amtieren. Während der Weltwirtschaftskrise stellte er sich an die Spitze des 1931 gegründeten Mannheimer Hilfswerks. Gegenüber den wirtschaftlichen und politischen Problemen jener Jahre war L. lange optimistisch geblieben, obwohl Fehlinvestitionen 1929 zum Verkauf der Rhein. Gummi- und Celluloidfabrik an die IG-Farben-Gruppe (60% Dynamit AG, 40% Wasag-Chemie) gezwungen hatten; Teilstilllegungen und Massenentlassungen folgten. Die Nationalsozialisten erzwangen am 27.3.1933 L.s Rücktritt als Präsident der Industrie- und Handelskammer. L. lebte nunmehr zurückgezogen; während die meisten seiner Kinder auswanderten, versuchte er, mit seiner Frau und den beiden ältesten Söhnen in Deutschland auszuharren – nicht zuletzt um das hier festgelegte Vermögen zu erhalten –, und kehrte auch von einer Reise in die USA im Frühjahr 1938 zurück. Bald danach mußte er den Verkauf des Familienvermögens einleiten, doch verliefen die Verhandlungen schleppend. Unterdessen nahm der Druck auf die Familie zu. Die Söhne wurden in ein Konzentrationslager eingeliefert, aus dem sie nur mit Mühe freikamen; Hab und Gut mußten praktisch verschleudert werden. Erst Ende August 1939 war die Ausreise möglich. Die Emigration führte L. zunächst nach London, dann 1945 in die USA. Dabei ergaben sich zunehmende finanzielle Probleme. Gern folgten L. und seine Frau der Einladung zur Rückkehr in die Heimat, wo man gegenüber dem nunmehr 80jährigen um Wiedergutmachung bemüht war. – Ehrenbürger v. Mannheim (1949); Erster Ehrenpräs. d. Industrie- u. Handelskammer Mannheim (1949); Dr. rer. oec. h. c. (Handelshochschule Mannheim 1930).

  • Literatur

    zu 3) u. 2) A. Blaustein (Hrsg.), Die Handelskammer Mannheim u. ihre Vorläufer 1728-1928, 1928;
    M. Grübler, Die Spitzenverbände d. Wirtsch. u. d. erste Kab. Brüning, 1982;
    M. v. d. Kall, Richard L. (1869-1950), 1972 (P v. 2);
    B. Rosenthal, Zur Ahnentafel d. Kinder d. Richard L. in Mannheim, o. J. (ungedr.);
    K. O. Watzinger, Die jüd. Gemeinde Mannheims in d. Weimarer Republik, in: Mannheimer Hh., 1980, S. 84-86 (P v. 2);
    ders., Die jüd. Gemeinde Mannheims in d. ghzgl. Zeit (1803–1918), ebd., 1981, S. 95, 97, 108-10 (P v. 1) u. 2]);
    BHdE I. |

  • Quellen

    Qu.: Unterlagen aus d. Fam.arch. v. Heinz Walter Lenel, Wetzikon; Stadtarchiv Mannheim, u. a. M. v. d. Kall, Auszüge aus d. Briefen Richard L.s u. s. Frau Milly an d. in d. Schweiz lebenden Sohn Heinz Walter (ungedr.).

  • Autor/in

    Hermann Schäfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schäfer, Hermann, "Lenel, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 203 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117752797.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA