Lebensdaten
1498 bis 1559
Geburtsort
Meißen
Sterbeort
Kalkreuth bei Großenhain
Beruf/Funktion
sächsischer Rat ; Staatsmann
Konfession
katholisch,evangelisch?
Normdaten
GND: 117737437 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Commerstedt, Georg von
  • Komerstadt, Georg (bis 1538)
  • Commerstedt, Georg (bis 1538)
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Zitierweise

Komerstadt, Georg von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117737437.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Dietrich K. (1450-1519), Ratsmann in M.;
    M Anna v. Beschwitz ( 1536);
    1) Sophie v. Döben, 2) Lommatzsch 4.5.1555 Margaretha Stange;
    5 S, 1 T aus 1), u. a. Julius ( 1577), kursächs. Rat, Dompropst zu Meißen; 2. Ehe kinderlos;
    N Hieronymus ( 1575), Dr. iur., Domdechant z. Merseburg u. Meißen, ließ d. Reliquien d. hl. Benno aus Meißen nach München überführen, Theophil ( 1594), bayer. Hofkammerrat, Domherr z. Regensburg.

  • Leben

    K., der über seine schwere Kindheit geklagt hat, besuchte die Lateinschule in Zwickau, wurde 1515 an der Universität Leipzig immatrikuliert, 1525 zum Licentiatus iuris und 1526 zum Dr. iur. promoviert. Auf Wunsch des ernestinischen Herzog Johann wurde er 1525 auf 3 Jahre als Ratssyndikus in Zwickau angestellt. Danach trat er als Rat in den Dienst seiner albertinischen Landesherren und diente nacheinander Herzog Georg, Herzog Heinrich, Herzog und Kurfürst Moritz, Kurfürst August. Er wurde von den habsburgfreundlichen Räten mißtrauisch angesehen, besonders von Georg und Christoph von Carlowitz, denen er vorsichtig entgegenarbeitete. Er neigte zu den Schmalkaldenern und war der Vertraute des hessischen Geschwisterpaares Herzogin Elisabeth zu Sachsen und Landgraf Philipp zu Hessen. Dadurch trat er schon dem jungen Moritz nahe. 1530 ließ Herzog Georg K. auf den Reichstag zu Augsburg nachkommen und schickte ihn 1532 mit Julius Pflug, dessen vermittelnde Gesinnung zwischen den christlichen Konfessionen K. teilte, als Gesandten auf den Reichstag zu Regensburg. K. wurde von Erasmus hochgeschätzt, der mit ihm korrespondierte. Befreundet mit Georg Agricola, der ihm zwei seiner Werke widmete, verschaffte er diesem fürstliche Vergünstigungen. Mehrmals wurde K. zu König Ferdinand I. nach Prag geschickt. Er vermittelte öfters in Streitigkeiten zwischen Albertinern und Ernestinern. Unter Herzog Moritz wirkte er teils väterlich warnend vor einer Beteiligung an Kriegen, teils fördernd auf dessen Innen- und Außenpolitik. Während dessen langer Abwesenheit (1542, 1544, 1547/48, 1553) wurden K. und andere als Regierungsvertreter eingesetzt, und wurden ihm besonders die kirchlichen und schulischen Angelegenheiten anvertraut. Bei der Beratung in Oschatz 1547 war K. gegen einen Bund der Reichsstände unter kaiserlicher Führung. Vergeblich versuchte er, den Herzog von der Reise nach Regensburg (1546) zurückzuhalten. So begleitete er ihn mit Ch. von Carlowitz, nahm an der Unterredung Karls V., Ferdinands I. und Granvellas mit Moritz teil und benachrichtigte nach der Rückkehr sofort Herzogin Elisabeth von dem unerwünschten Ergebnis. K. hatte 1545 die Vorverhandlungen zum Erwerb der Stifte Magdeburg und Halberstadt geführt. Bei der Aufteilung der geistlichen Güter, mit der ihn Moritz beauftragt hatte, bedachte K. die Universität Leipzig reichlich mit Geld, Grundbesitz und Klosterbibliotheken. Auch sorgte er eifrig für die Einrichtung der von Moritz 1543 gegründeten Fürstenschulen zu Meißen, Pforta und Merseburg (später Grimma). Mit Melanchthon, der K. wegen der Universität Wittenberg in Kalkreuth aufgesucht hatte, verhandelte er in Zella zuerst allein ablehnend über das Augsburger Interim, dann mit anderen Theologen und Räten, verfaßte selbst den Entwurf zur Antwort an den Kaiser, den Melanchthon billigte, und war wesentlich beteiligt an den Vorarbeiten zum Leipziger Interim, durch das eine Verzögerung erreicht wurde. Er hatte Moritz gewarnt vor Religionsänderungen, die zum Aufstand führen könnten, und stärkte ihn in der abwartenden Haltung. K. förderte wohlwollend die Sache der Evangelischen, aber noch hat sich kein Beleg gefunden, wann er sich in seinem Privatleben von der katholischen Kirche getrennt hat. Nach 1548 hielt er sich mehr zurück, trat aber seit September 1551 eifriger handelnd hervor, als sich Moritz gegen den Kaiser wandte. K. war beteiligt an den abschließenden Geheimverhandlungen mit Magdeburg. Seine politische Einstellung hatte nach dem Ausscheiden und Tod Georgs von Carlowitz gesiegt. So hatte er auch Anteil an der Rettung des Protestantismus durch Kurfürst Moritz. Durch Wissen, Umsicht, Gründlichkeit und außerordentlichen Fleiß, wovon die zahlreichen Akten künden, erwarb sich K. die Gunst seiner Fürsten. Schon Herzog Georg schenkte ihm Grundbesitz um Dresden, noch mehr Moritz, unter dem er außer seinem Gut Kalkreuth noch Dörfer um Großenhain als Geschenk oder durch Kauf mit fürstlicher Genehmigung bekam.

  • Literatur

    ADB 16;
    Versuch e. hist. Beschreibung d. altadligen Geschl. derer v. Kommerstädt, 1723 (mit Fehlern);
    J. Reimers, Aus d. Leben d. Dr. G. v. K., in: Zs. f. KG 3. Folge V, 1935, S. 87-101;
    Erasmi opera omnia, hrsg. v. P. St. Allen, 1906 f., Register;
    E. Brandenburg, Pol. Korr. d. Hzg. u. Kf. Moritz v. Sachsen I, 1900, II, 1904, III-V, bearb. v. J. Herrmann u. G. Wartenberg (im Druck);
    F. Geß, Akten u. Briefe z. Kirchenpol. Hzg. Georgs v. Sachsen III u. IV, bearb. v. E. Werl (Ms);
    J. Pollet, Julius Pflug, Correspondance I, 1969;
    - Th. Flathe, St. Afra, 1879;
    F. A. v. Langenn, Moritz, Hzg. u. Churf. zu Sachsen I u. II, 1841;
    ders., Christoph v. Carlowitz, 1854;
    H. Wilsdorf, Georg Agricola I u. II, 1955/56 (P);
    H.-M. Kühn, Die Einbeziehung d. geistl. Gutes im Albertin. Sachsen 1539–53, 1966;
    H. Scheible, Melanchthons Brief an Carlowitz (1548 28. April), in: Archiv f. Ref.gesch. 57, 1966, S. 102-30;
    C. Gurlitt, Bau- u. Kunstdenkmäler d. Kgr. Sachsen 37, 1914, S. 249-53, 39, 1917, S. 41-43 (P).

  • Portraits

    Kupf. v. Lauderwein, 1560 (Dresden, Kupf.-kab.), Abb. b. Wilsdorf u. Pollet, s. L;
    Statue (Grabmal in d. v. K. erbauten Kirche zu Reinersdorf b. Kalkreuth), 4 Abb. b. Gurlitt, s. L.

  • Autor/in

    Elisabeth Werl
  • Empfohlene Zitierweise

    Werl, Elisabeth, "Komerstadt, Georg von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 479 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117737437.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kommerstadt: Georg von K. (Comerstadt, Comerstedt), geb. am 28. März 1498 zu Meißen als Sohn des dortigen Patriciers Dietrich K., wurde 1523 Syndikus zu Zwickau und in den dortigen Rath aufgenommen, am 30. April 1538 nebst seinen Brüdern Niclas und Hans durch König Ferdinand in den Adelstand erhoben. Vier Herzögen von Sachsen, Georg dem Bärtigen, Heinrich dem Frommen, Moritz und August, hat er als geheimer Rath gedient, insbesondere schenkte ihm Moritz in den inneren und den kirchlichen Angelegenheiten ein ähnliches Vertrauen wie dem Christoph von Carlowitz in den auswärtigen, doch wurde er auch in letzteren mehrfach verwendet. Im J. 1542 gehörte er zu den Räthen, denen Moritz die Regierung während seiner Abwesenheit übertrug, 1545 führte er die Unterhandlungen wegen der Stifter Merseburg und Halberstadt, wohnte am 20. Juni der entscheidenden Unterredung des Herzogs mit dem Kaiser, dem König Ferdinand und Granvella bei und zeichnete den Inhalt derselben in einem Protokoll auf, nahm Antheil an den Berathungen über das Interim, vor allem aber befähigten ihn seine wissenschaftlichen Kenntnisse und sein wissenschaftlicher Sinn, den Herzog bei den für die Hebung des Schulwesens zu treffenden Einrichtungen zu berathen und zu unterstützen. Ganz besonders war er bei der Einrichtung der Fürstenschulen thätig, beförderte auch die reichere Ausstattung der Universität Leipzig, konnte jedoch dem Vorwurfe nicht entgehen, bei Einziehung der erledigten geistlichen Güter sich und seine Verwandten über Gebühr bedacht zu haben. Er starb auf seinem von Herzog Moritz gekauften Gute Kalkreuth bei Großenhain am 26. Dec. 1559 und liegt zu Reinersdorf begraben. Er war zweimal vermählt, mit Sophie von Döben und Margarethe Stange. Stammvater des jetzigen Geschlechts von Kommerstedt ist sein Bruder Hans.

    • Literatur

      Versuch einer histor. Beschreibung des alt-adelichen Geschlechts derer von Commerstedt, Grätz 1723. — v. Langenn, Kurf. Moritz. — Th. Flathe, Sankt Afra, S. 42 ff.

  • Autor/in

    Flathe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Komerstadt, Georg von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 498 unter Kommerstadt [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117737437.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA