Lebensdaten
1863 bis 1934
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Blankenese bei Altona
Beruf/Funktion
Zoologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117694886 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lohmann, Hans
  • Lohmann, Hans Theod.
  • Lohmann, Hans Theodor

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Zitierweise

Lohmann, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117694886.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1834–98), Dr. med., Oberstabsarzt, Sanitätsrat, prakt. Arzt, S d. Dr. med. Ernst Wilhelm Theodor, Arzt in Dannenberg, aus Arztfam.;
    M Adelheid (1834–83), T d. Apothekers Dr. phil. Theodor Grüner u. d. Lydia Jordan; ledig.

  • Leben

    Nach Besuch des Gymnasiums in Hannover studierte L. 1885-89 Medizin und Naturwissenschaften in Göttingen, Kiel und Greifswald. In Kiel wurde er 1889 mit der Arbeit „Die Unterfamilie der Halacaridae Murr. und die Meeresmilben der Ostsee“ (Zool. Jbb., Abt. Systematik, 4, 1889, S. 269-408) zum Dr. phil. promoviert. Nach der Habilitation für Zoologie 1893 wurde er 1898 Assistent am Zoolog. Institut in Kiel und arbeitete gleichzeitig als Sachverständiger für San José-Schildlaus- und Reblausangelegenheiten der Prov. Schleswig-Holstein. Seit 1902 war er Sekretär der Preuß. Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere und seit 1904 Professor. – Nach Planktonstudien in der Kieler Bucht bei Laboe, im Mittelmeer bei Messina (1896) und Syrakus (1900) und im Nordatlantik während einer Fahrt mit dem Kabeldampfer „v. Podbielski“ (1902) untersuchte er als Teilnehmer der Ausfahrt der „Deutschland“ zur Deutschen Antarktischen Expedition von Bremerhaven bis Buenos Aires 1911 an über 40 Stationen die vertikale Verbreitung des Planktons im Atlantik in einem nach seinen Ideen eingerichteten Bordlaboratorium an lebendem Material. 1912 konnte er über die bei seinen Planktonstudien neu gewonnenen Erkenntnisse in einem Grundsatzreferat auf der 22. Jahresversammlung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft in Halle berichten (Die Probleme der modernen Planktonforschung, in: Verhandlungen der dt. Zoolog. Ges. 1912, S. 16-109) und damit eine neue Periode der Planktonforschung einleiten.

    1913 wurde L. an das Naturhistorische Museum zu Hamburg berufen, zuerst als Kustos (Leiter der Elbeuntersuchungsstation) und 1914 als Direktor. Nach Gründung der Univ. Hamburg wurde er 1919 außerdem Ordinarius für Zoologie und erfüllte die Aufgabe, den zoologischen Universitätsunterricht in den Räumen des Naturhistorischen Museums aufzubauen, mit großer Gewissenhaftigkeit. Seine vielen Verpflichtungen ließen ihm jetzt zwar keine Zeit mehr für eigene Forschungsreisen, aber er bearbeitete mit seinen Schülern die Planktonausbeuten fast aller wichtigen marinen Expeditionen, die von Deutschland ausgingen, und erstellte den Plan für die biologischen Arbeiten der Deutschen Atlantischen Expedition auf dem Forschungs- und Vermessungsschiff Meteor 1925/27. 1933 wurde L. emeritiert, doch führte er trotz körperlicher Beschwerden noch das Direktorat bis April 1934 weiter (1921/22 Dekan der Math.-Naturwiss. Fakultät).

    L. war Spezialist für Coccolithophoridae (eine marine Familie der Flagellatenordnung Chrysomonadina), Meeresmilben und besonders Appendicularien (Tunicata), als deren bester Kenner er galt. Bei der Bearbeitung dieser Gruppen war ihm die Taxonomie stets Mittel zum Auffinden allgemeiner biologischer Gesetzmäßigkeiten: Sein Hauptverdienst ist die Weiterentwicklung der Planktonkunde, deren bisherige biologische und statistische Forschungsweisen er vereinte. Beim Studium des Filterapparates im Gallertgehäuse der Appendicularien entdeckte L. das Zwerg- oder Nannoplankton, das mit den bisher benutzten Netzen nicht erfaßt werden konnte (Die Gehäuse und Gallertblasen der Appendicularien und ihre Bedeutung für die Erforschung des Lebens im Meer, in: Verhh. d. dt. zoolog. Ges. auf d. 19. J.verslg. zu Frankfurt a. M., 1909, S. 200-39). Zur Ergänzung der Netzfänge führte er daher die Verwendung von Zentrifuge und gehärteten Filtern ein (Über das Nannoplankton und die Zentrifugierung kleinster Wasserproben zur Gewinnung desselben in lebendem Zustande, in: Internat. Revue d. ges. Hydrobiol. u. Hydrogr. 4, 1911, S. 1-38). Erst durch die Kombination dieser drei Fangmethoden ließ sich ein qualitativ und quantitativ sehr zuverlässiges Bild der gesetzmäßigen Schwankungen der Bevölkerungsdichte der Planktonten im Ozean erhalten, was durch die von L. geschaffenen Isoplankten, die Punkte mit gleicher Planktondichte verbinden, deutlich gemacht wird. Diese Untersuchungen haben auch für die Fischerei große praktische Bedeutung bekommen.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. Berlin (1924).

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Halacarinen d. Plankton-Expedition, in: Ergebnisse d. in d. Atlant. Ocean v. Mitte Juli bis Anfang Nov. 1889 ausgeführten Plankton-Expedition d. Humboldt-Stiftung, Bd. 2 (G.a.ß.), 1893, S. 11-95;
    Die Appendicularien d. Plankton-Expedition, ebd. (EC), 1896, S. 1-148;
    Die Coccolithophoridae, in: Archiv f. Protistenkunde 1, 1902, S. 89-165;
    Neue Unteres, üb. d. Reichtum d. Meeres an Plankton u. üb. d. Brauchbarkeit d. versch. Fangmethoden, in: Wiss. Meeresunterss. NF 7, Abt. Kiel, 1903, S. 1-87;
    Zur Feststellung d. vollst. Gehaltes d. Meeres an Plankton, ebd. NF 10, 1908, S. 129-370;
    Die Meeresmilben d. Dt. Südpolar-Expedition 1901–03, in: Dt. Südpolar-Expedition 1901–03, Bd. 9 (Zoologie Bd. 1), 1907, S. 361-413;
    Die Appendicularien d. Dt. Südpolar-Expedition 1901–03, ebd., Bd. 18 (Zoologie Bd. 10), 1926, S. 62-231 (mit A. Bückmann);
    Btrr. z. Planktonbevölkerung d. Weddellsee nach d. Ergebnissen d. Dt. Antarkt.-Expedition 1911–12, Btr. II. Die Appendicularien-Bevölkerung d. Weddellsee, in: Internat. Revue d. ges. Hydrobiol. u. Hydrogr. 20, 1928, S. 1-12, S. 13-72;
    Tunicata, in: Hdwb. d. Naturwiss. X, 1913, S. 57-90, 21935, S. 40-72;
    Die Bevölkerung d. Ozeans mit Plankton, Nach d. Ergebnissen d. Zentrifugenfänge während d. Ausreise d. „Deutschland“ 1911. T. 1 u. 2, in: Archiv f. Biontol. 4. (1916-19), H. 3, 1920, S. 1-470, 471-617;
    Die Appendicularien d. Dt. Tiefsee-Expedition, in: Wiss. Ergebnisse d. Dt. Tiefsee-Expedition „Valdivia“ 1898-99, Bd. 21, 1931, S. 1-158;
    Erste Kl. d. Tunicaten Appendiculariae, in: Hdb. d. Zool. V, 2, 1933 f., S. 1-202. -
    Hrsg.: Mitt. aus d. Zool. Staats-Inst. u. Zool. Mus.;
    Mithrsg.: Zs. f. wiss. Biologie.

  • Literatur

    G. Stiasny, Das Plankton d. Meeres, 1913 (ausführl. Darst. d. Weiterentwicklung d. Planktonkde. durch L.);
    E. Hentschel, in: FF 9, 1933, S. 403;
    W. Schnakenbeck, in: Der Biologe 2, 1933, S. 316 f.;
    B. Klatt, in: Mitt. aus d. zool. Staats-Inst. u. zool. Mus. in Hamburg 45, 1935, S. I-X (W-Verz., P);
    K. Viets, Die Milben d. Süßwassers u. d. Meeres, Hydrachnellae et Halacaridae (Acari), 1. T. Bibliogr., 1955, S. 205 f. u. 443 f. (Kurzbiogr., Verz. d. Arbb. üb. Acarina, S. 205 fehlerhaft, berichtigt u. ergänzt S. 443 f.);
    H. Weidner, 15 J. Naturhistor. Mus. zu Hamburg, in: Abhh. u. Verhh. d. naturwiss. Ver. in Hamburg, NF 13, S. 5-30 (S. 21 Kurzbiogr., P).

  • Autor/in

    Herbert Weidner
  • Empfohlene Zitierweise

    Weidner, Herbert, "Lohmann, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 126 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117694886.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA