Lebensdaten
1753 bis 1809
Geburtsort
Brüssel
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11769164X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cobenzl, Johann Ludwig Joseph Graf von
  • Cobenzl, Ludwig Graf von
  • Cobenzl, Johann Ludwig Joseph Graf von
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Zitierweise

Cobenzl, Ludwig Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11769164X.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Carl Phil. (1712–70), WGR, k.k. Botschafter, bevollmächtiger Min. in den österr. Niederlanden (s. ADB IV, Wurzbach), S des Joh. Kasp. (1664–1742), WGR, k.k. Oberstkämmerer, u. der Charl. Sophie Gfn. Rindsmaul;
    M Maria Theresia (1719–1771), T des Genfeldmarschalls Paul Carl Gf. Pálffy v. Erdöd (1679–1774, s. Wurzbach) u. der Marie Marg. Gfn. v. Stubenberg ( 1724);
    Vt Phil. s. (2);
    1774 Theresia Joh., T des Leonh. de la Rovere, Conte di Monteabate;
    4 K (früh †).

  • Leben

    C.s Fleiß und Wendigkeit bei der Verwaltung des neuerworbenen Galizien (1772–74) wie seine geistvollen Berichte als Gesandter|in Berlin 1774-79 veranlaßten den der Familie C. befreundeten Kaunitz, ihn 1779 zum Gesandten in Sankt Petersburg zu ernennen. Tatsächlich befestigte sich C. hier als blendender Causeur so in der Achtung der Kaiserin Katharina II., daß er sich ihre Gunst auch während der Abkühlung der durch ihn mitbewirkten Freundschaft zwischen Österreich und Rußland 1790-94 bewahrte und 1795 einen für Österreich günstigen Vertrag über die dritte Teilung Polens mit der Kaiserin abschließen konnte. Er wurde daraufhin 1797 mit der Führung der Friedensverhandlungen in Campo Formio beauftragt; weniger durch seine diplomatische Routine als durch Napoleons Friedenswillen gelang ihm auch hier ein Erfolg im Austausch der Lombardei gegen Venezien, wobei er freilich die deutschen Interessen Österreichs preisgab. Als er dann Österreichs Vertretung auf dem Rastatter Kongreß 1798 mit dem älteren Metternich und Graf Lehrbach erhielt, versagte er sich jedem Widerstand deutscher Reichsstände gegen die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich und kam diesem am 1.12.1798 mit einem Vertrag entgegen, der die Übergabe von Mainz und den Rückzug der österreichischen Truppen hinter den Lech bewirkte; trotzdem erreichte er für Österreich weder eine Erstattung der linksrheinischen Verluste in Italien noch eine Einigung mit Preußen über die deutschen Entschädigungsfragen. C., der damit freilich in der Linie der Politik Thuguts blieb, wurde deshalb am 30.4.1799 zum interimistischen Außenminister ernannt und versuchte nun, nach Rußland auch Preußen für den 2. Koalitionskrieg gegen Frankreich zu gewinnen. Obwohl das scheiterte und auch Paul I. aus der Koalition ausschied, wurde C. auf Thuguts Betreiben nach Lunéville entsandt, um dort als anscheinend erfolgreicher Diplomat den Frieden mit Frankreich abzuschließen; er unterzeichnete den Frieden mit großen Opfern an Österreichs deutscher Macht und Prestige.

    Seit dem 18.9.1800 als Nachfolger Thuguts Hof- und Staats-Vizekanzler und Außenminister, besaß C. weder die Tatkraft, den Einfluß des zwischen ihm und Kaiser Franz II. stehenden Fürsten Colloredo zu beseitigen, noch Österreichs außenpolitische Stellung durch klare Konsequenz zu verbessern. Ohne Einfühlungsgabe in innenpolitische Probleme, ließ er es an Verständnis und Hilfe für Erzherzog Carls Reformpolitik ebenso fehlen wie an Einsicht in die Pläne Napoleons. Als sanguinischer Politiker glaubte er, mit Napoleon die österreichisch-französisch Allianz von 1756 erneuern zu können und erkannte deshalb, trotz gelegentlicher Proteste gegen französische Eingriffe in die Reichspolitik, 1804 Napoleons Kaisertum an; den prestigemäßigen Ausgleich dafür suchte er in der Errichtung des reichsrechtswidrigen Kaisertums Österreich 1804. Nur widerstrebend ließ er sich durch Trauttmannsdorff und Stadion zum Abschluß eines österreichisch-russischen Defensivvertrags 1804 drängen, schloß aber dann - nach erneuten Vertragsbrüchen Napoleons in Italien - am 9.8.1805 einen übereilten Kriegsvertrag mit Rußland, zu dessen Durchführung er den friedenswilligen Erzherzog Carl durch Mack ersetzen ließ. Das Scheitern seiner Politik im 3. Koalitionskrieg führte am 25.12.1805 zu seiner Entlassung, nach der er im Privatleben verblieb.

  • Literatur

    ADB IV;
    H. Hüffer, Diplomat. Verhh. aus d. Zeit d. Franz. Revolution, 2 Bde., 1868;
    ders., Qu. z. Gesch. d. Za. d. Franz. Revolution, 1900 bis 1907;
    A. Fournier, Gentz u. C., 1880;
    H. v. Srbik, Metternich I, 1925;
    G. de Boom, Les Ministres plénipotentiaires dans les Pays-Bas Autrichiens, principalement C., in: Ac. Royale des sciences … de Belgique, Bull. de la Comm. Royale d'hist. 31/1, Brüssel 1932;
    H. Rößler, Österr.s Kampf um Dtld.s Befreiung … 1805-15, Bd. 1, 21945;
    Wurzbach.

  • Portraits

    Kosch, Kath. Dtld. I;
    Metternich, Denkwürdigkeiten I, 1921.

  • Autor/in

    Hellmuth Rößler
  • Empfohlene Zitierweise

    Rößler, Hellmuth, "Cobenzl, Ludwig Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 297-298 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11769164X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA