Lebensdaten
1810 bis 1887
Geburtsort
Wartenberg bei Niemes (Nordböhmen)
Sterbeort
Schloß Lohova bei Tuschkau (Böhmen)
Beruf/Funktion
Internist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117610909 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jaksch, Anton (bis 1870)
  • Jaksch Ritter von Wartenhorst, Anton (seit 1870)
  • Wartenhorst, Anton Ritter von (seit 1870)
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Zitierweise

Jaksch von Wartenhorst, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117610909.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ignaz (* 1773), Kleinbauer u. Schuhmacher in Wartenberg/Nordostböhmen;
    M Margarete Fiedler (* 1769), Landwirts-T aus W.;
    1) Prag 1841 Karoline (1822–59), T d. Apothekers Karl Rr. v. Helly u. d. Katharina Bischof, 2) Slivitz 1870 Auguste verw. Schoultz v. Ascheraden geb. Bauerhorst (1823–1911);
    5 S, 3 T aus 1), u. a. Friedrich (1846–1908), Advokat in W., seit 1878 Reichsratsabg., Rudolf (s. 3), August (s. 2).

  • Leben

    Das Gymnasium besuchte J. in Leitmeritz, die Universität in Prag (Promotion 1835). In Wien wurde er Schüler von Rokitansky und Skoda. Als einer der ersten Anhänger der neuen Auffassung der physikalischen Diagnostik am Krankenbett, die, fundiert auf Gesetze der Akustik und Befunde der pathologischen Anatomie, jetzt objektive Erkenntnisse, statt wie bisher subjektive Deutung, ergab, kehrte er nach Prag zurück. Er brachte dorthin statt der empirischen Auswertung der Perkussion und Auskultation, die auf René Théophile Hyacinthe Laennec und Pierre Adolph Piorry zurückging, die von Skoda geläuterte Methode, welche direkt auf Leopold Auenbrugger fußte. Darin liegt ein Hauptverdienst von J. für die Prager Schule. 1842 wurde er dort für Innere Medizin habilitiert und übernahm, auch äußerlich dem Weg Skodas folgend, zuerst die Leitung der dort neu errichteten Abteilung für Brustkrankheiten. 1845 wurde J. o. Professor und Vorstand der II. Medizinischen Klinik. Nachdem Joh. Oppolzer noch im gleichen Jahr einem Ruf nach Leipzig gefolgt war, wurde er dessen Nachfolger in Prag und damit Vorstand der I. Medizinischen Klinik. Bald darauf folgte Oppolzer seiner Berufung nach Wien, worauf J. neuerlich dessen Nachfolge, jetzt in Leipzig, angetragen wurde. Er blieb aber bis zu seiner Emeritierung 1881 in Prag. Einige seiner Schüler wurden später Ordinarien für ihr Fach (Heinr. Bamberger, Frdr. Theod. Frerichs, Rud. v. Jaksch-Wartenhorst). Außer seinen Arbeiten auf dem Gebiete der physikalischen Diagnostik haben besonders seine Publikationen über die Syphilis der inneren Organe, über Vergiftung durch Harnresorption und über die Lehre vom Magengeschwür bei seinen Zeitgenossen Beachtung gefunden. Auch mit der Symptomatologie der Hysterie hat er sich beschäftigt. Daß J. sich in seinen Vorlesungen noch heftig gegen die häufige Anwendung von Aderlässen und Brechmitteln gewendet hat, berührte jüngere Hörer bereits merkwürdig, zeigte aber deutlich den Unterschied seiner Zeit gegenüber der alten Medizin, aus der er hervorgegangen war und die zu überwinden er selbst einen großen Beitrag geleistet hat.|

  • Auszeichnungen

    Landtagsabgeordneter; Rektor d. Univ. Prag 1849.

  • Werke

    u. a. Btr. z. Würdigung d. bei d. Blutcirculation obwaltenden physikal. Verhältnisse, in: Vj.-schr. f. prakt. Heilkde. 1, 1844, H. 1, S. 13-27;
    Über Blutvergiftung durch Harnresorption, ebd., H. 2, S. 47-53;
    Btr. z. Lehre v. perforirenden Magengeschwüre, ebd., H. 3, S. 1-17;
    Einige Andeutungen üb. d. Wichtigkeit d. Gesichts- u. Tastsinnes bei Erforschung d. Krankheiten d. Respirationsorgane, ebd. 4, 1847, H. 1, S. 137-48;
    Über d. bei Krankheiten d. Herzens u. d. gr. Gefäße mit d. aufgelegten Hand wahrnehmbaren Vibrationen (Geräusche) u. deren Bedeutung, ebd., H. 3, S. 17-22;
    Über d. Leistungen Claude Bernards auf d. Gebiete d. Experimentalphysiol., ebd. 10, 1853, H. 1, S. 180-90;
    Über Duchennes (de Boulogne in Paris) Entdeckungen in physikal., anatom.-physiolog. u. patholog. Hinsicht, ebd. 10, 1853, H. 3, S. 187-206;
    Klin. Mitt. (Über Urämie), ebd. 17, 1860, H. 2, S. 143-85.

  • Literatur

    ADB 50;
    Prager med. Wschr. 17, 1887, S. 303 f.;
    Die dt. Karl-Ferdinands-Univ. in Prag …, 1899;
    W. Koerting. Die Dt. Univ. in Prag, Die letzten 100 J. ihrer Med. Fak., 1968, S. 164 f.;
    BLÄ;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Helmut Wyklicky
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyklicky, Helmut, "Jaksch von Wartenhorst, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 324 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117610909.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Jaksch: Anton J., Ritter von Wartenhorst, Kliniker in Prag, geboren am 11. April 1810 im Städtchen Wartenberg in Böhmen, erhielt seine Ausbildung theils in Prag durch Krombholz, theils in Wien durch Skoda, Kolletschka und Rokitansky, erlangte 1835 mit der „Diss. inaug. med. sistens conspectum morborum in clinico ophthalmiatrico Pragensi anno 1834 tractatorum“ die Doctorwürde, wirkte 1835—38 als Assistent der 2. medicinischen Klinik, 1842, 1843—45, 1846 als Vorstand und Docent an der neu errichteten Brustkrankenabtheilung in Prag und übernahm im letzteren Jahre die 2. und 1849, 1850 die 1. medicinische Klinik, welche er bis 1881 innehatte. J. starb als Professor em. und Hofrath am 2. September 1887 auf seinem Schlosse Lohova bei Tuschkau. Veröffentlicht hat J.: „Abhandlung über das perforirende Magengeschwür in diagnostischer und therapeutischer Hinsicht"; „Ueber Ammoniämie"; „Ueber die Erscheinungen, welche der Gesichts- und Tastsinn bei Krankheiten der Lunge und des Herzens liefert"; „Ueber die spontane Heilung der Krankheiten der Herzklappen"; „Bericht über Duchenne's de Boulogne Faradisation localisée und Claude Bernard nach einem längeren Aufenthalte in Paris“.

    • Literatur

      Vgl. Biogr. Lex. hervorr. Aerzte d. 19. Jhs., hsg. von Pagel (Berlin u. Wien 1901), S. 814.

  • Autor/in

    Pagel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pagel, Julius Leopold, "Jaksch von Wartenhorst, Anton" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 627 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117610909.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA