Lebensdaten
1828 bis 1915
Geburtsort
Schäßburg (Siebenbürgen)
Sterbeort
Hermannstadt (Siebenbürgen)
Beruf/Funktion
evangelischer Bischof von Siebenbürgen ; Historiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117609781 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Friedrich der Ältere
  • Müller, Friedrich
  • Müller, Friedrich der Ältere

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Zitierweise

Müller, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117609781.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich, Stadtrat in Sch., S d. Georg (1784–1845), Gymnasiallehrer u. Stadtpfarrer in Sch. (s. L);
    M Charlotte Misselbacher, aus Apotheker- u. Kaufm.fam. in Sch.;
    1851 Henriette Melas aus Mühlbach; zahlr. K.

  • Leben

    Nach Abschluß des Schäßburger Gymnasiums 1845 wurde M. Hauslehrer in Klausenburg. Anschließend studierte er 1846-48 Theologie, Geschichte und Philologie in Leipzig und Berlin. Nachhaltigen Einfluß auf seine spätere volkskundliche und sprachwissenschaftliche Tätigkeit übte sein Berliner Lehrer Wilhelm Grimm aus. Während der Revolution 1848/49 trat er als Leutnant in die „Schäßburger Bürgerwehr“ ein, die auf der Seite der Habsburger die Stadt gegen die Ungar. Revolutionäre verteidigte. Als Lehrer (1848–63) und Rektor (1863–69) des Schäßburger Gymnasiums setzte sich M. für die Anwendung moderner Unterrichtsmethoden und für die Einführung des Sportunterrichts ein. Politisch trat er an der Seite der sog. Altsachsen, die an der Zugehörigkeit zu „Großösterreich“ festhielten, gegen die Union Siebenbürgens mit Ungarn im Zuge des österr.-ungar, Ausgleichs ein.

    Als Pfarrer in Leschkirch (1869–74), als Mitglied des Landeskonsistoriums der Ev. Kirche A. B. in Siebenbürgen (seit 1870), vor allem aber als Stadtpfarrer von Hermannstadt (1874–93) und als Bischofsvikar (1883–93) wurde M. im bildungspolitischen sowie im sozial-diakonischen Bereich aktiv. Als Bischof in Siebenbürgen (1893–1906) bemühte er sich, „die Verteidigungswerke unserer Kirche nach Innen auszubauen“, um einerseits die christliche Frömmigkeit zu vertiefen und die innere Struktur der Kirche zu verbessern, andererseits um die „Volkskirche“ als Hort der Siebenbürger Sachsen gegen die Magyarisierungstendenzen nach dem österr.-ungar. Ausgleich (1867) zu stärken. Er leistete erfolglos Widerstand gegen die kirchenpolitischen Gesetze der ungar. Regierung von 1894/95 über Eherecht und staatliche Matrikelführung und gegen das Gesetz von 1897/98, das zum Gebrauch magyar. Ortsnamen verpflichtete. Den Gottesdienst verbesserte M. durch Ausarbeitung einer Agende zur Neugestaltung des kirchlichen Lebens (1894/95) und eines neuen Gesangbuchs (1898). Seiner Initiative ist auch die Herausgabe der Wochenschrift „Kirchliche Blätter“ seit 1897 zu verdanken. Obwohl er sich der Union Siebenbürgens mit Ungarn nach dem Ausgleich widersetzt hatte, war M. 1895-1906 Mitglied des ungar. Herrenhauses.

    Als Wissenschaftler tat sich M. durch umfassende, gut dokumentierte und oft grundlegende Forschungen hervor. Er untersuchte die Bronzezeit in Siebenbürgen (1859) und unternahm erstmals Ausgrabungen röm. Kolonistengräber bei Kastenholz. Zusammen mit Johann Michael Ackner trug M. „Die röm. Inschriften in Dacien“ (1865) zusammen, die dann in Theodor Mommsens „Corpus Inscriptionum Latinarum“ eingingen. Eine Reihe von Arbeiten galt der Medizin-, Kirchen- und Kunstgeschichte sowie der Entwicklung des Kunstgewerbes (Goldschmiedekunst); u. a. erarbeitete er die bisher einzige siebenbürg. Glockenkunde (1859). Angeregt von den Arbeiten der Brüder Grimm, sammelte M. „Siebenbürg. Sagen“ (1857, 21885, Nachdr. 1972), während sein Schäßburger Kollege Josef Haltrich die Märchen zusammentrug – bis heute Standardwerke der siebenbürg. Volkskunde. M. schrieb in vorwiegend erzieherischer Absicht auch Gedichte, Novellen und Kurzgeschichten. – Dr. phil. h. c. (Marburg 1883, Klausenburg 1896), D. theol. (Leipzig 1897).

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Schäßburger Bergkirche, in: Archiv d. Ver. f. siebenbürg. Landeskde. NF 1, 1853, S. 305-62;
    Die Inkunabeln d. Hermannstädter „Capellenbibl.“, ebd. 14, 1877/78, S. 293-385, 489-543;
    Materialien z. Kirchengesch. Siebenbürgens u. Ungarns im 17. Jh., ebd. 19, 1884, S. 576-750;
    Btrr. z. Gesch. d. Hexenglaubens u. d. Hexenprocesses in Siebenbürgen, 1854;
    Gesch. d. siebenbürg. Hospitäler bis zum J. 1625, 1856;
    Die kirchl. Baukunst d. roman. Styles in Siebenbürgen, 1858;
    Dt. Sprachdenkmäler aus Siebenbürgen, Aus schriftl. Qu. d. 12.-16. Jh., 1864 (Nachdr. 1973, 1986);
    Gottesdienst in e. ev.-sächs. Kirche in Siebenbürgen im J. 1555, in: Zs. f. prot. Theol. 6, 1884, S. 150-70, 259-69.

  • Literatur

    F. Teutsch, Bischof F. M. (1828-1915), Ein Lebens- u. Zeitbild, in: Archiv d. Ver. f. siebenbürg. Landeskde. 40, 1918, S. 191-300;
    J. Trausch u. F. Schuller, Schriftst.-Lex. d. Siebenbürger Deutschen II, 1870, S. 446-50, IV. 1902, S. 301-12 (Nachdr. 1983, W- u. L-Verz.);
    L. Binder, in: ders. u. J. Scheerer, Die Bischöfe d. ev. Kirche A. B. in Siebenbürgen II. 1980, S. 39-64 (P);
    K. G. Gündisch, in: BBKL;
    H.-H. Brandsch, H. Heltmann u. W. Lingner (Hrsg.), Schäßburg, Bild e. siebenbürg. Stadt, 1994, S. 340 (P);
    ÖBL;
    Lex. d. Siebenbürger Sachsen, 1993 (P). – Zu Georg: Trausch-Schuller (s. o.) III, S. 446.

  • Portraits

    Gem. v. Carl Dörschlag, 1898 (Landeskonsistorium d. Ev. Kirche A. B. in Rumänien, Hermannstadt), Abb. b. Binder (s. L): Lith., um 1890 (Privatbes. Walter Lingner, Düsseldorf), Abb. in Brandsch u. a. (s. L);
    Phot., um 1900 (Archiv d. Landeskonsistoriums d. Ev. Kirche A. B. in Rumänien, Hermannstadt, Kopie im Archiv d. Siebenbürgen-Inst., Gundelsheim).

  • Autor/in

    Konrad Gündisch
  • Empfohlene Zitierweise

    Gündisch, Konrad, "Müller, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 377 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117609781.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA