Lebensdaten
1762 bis 1848
Geburtsort
Trier
Sterbeort
Trier
Beruf/Funktion
Trierer Historiker ; Topograph
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 117602426 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Michael Franz Joseph
  • Müller, Franz Joseph
  • Müller, Michael Franz Joseph

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Zitierweise

Müller, Franz Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117602426.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Sanderad (s. 1);
    1) Echternach 1789 Maria Anna Franziska Didier (1761–95) aus Echternach, 2) Echternach 1798 Anna Christina Tschiderer (1766–1819) aus Echternach;
    2 S, 1 T aus 1).

  • Leben

    M. studierte 1779-86 in Trier Philosophie, Theologie und Jura. Nach einem Jahr Verwaltungspraxis im kurfürstl. Amt Pfalzel vollendete er 1787/88 in Mainz seine Studien in Jura und Kameralistik. Nachdem sein Angebot, an der Univ. Trier unentgeltlich Vorlesungen in Staats-Polizei-Wissenschaft zu halten, 1789 vom kurfürstl. Hof abgelehnt worden war, ernannte ihn der Abt von Echternach, E. Limpach, 1791 zum Hochgerichtsschöffen. Im folgenden Jahr wurde er zum Deputierten der Stadt Echternach in die Landstände des Hzgt. Luxemburg entsandt. Unter franz. Herrschaft war er seit 1795 als Friedensrichter für den Kt. Echternach tätig und wurde 1812 zum Staatsprokurator ernannt. Nach dem Sturz Napoleons berief ihn Justus Gruner nach Trier an das Appellationsgericht. Bei dessen Verlegung nach Köln blieb M. auf eigenen Wunsch in Trier, wo er von 1820 bis zur Pensionierung 1827 als Landgerichtsrat amtierte.

    Unter dem Einfluß der historischen Schriften des Weihbischofs N. v. Hontheim und seines Lehrers für Reichsgeschichte und Staatsrecht P. A. Frhr. v. Frank befaßte sich M. bereits als Student mit der trier. Geschichte. Dabei bezog er die Geographie, Klimatologie, Bevölkerungsstatistik, Staatsverfassung und Religion mit ein und nutzte für seine zahlreichen Publikationen die im Zuge der Säkularisation vermehrten Bestände der Stadtbibliothek. Sein volkspädagogisches Bildungsbemühen, das im Utilitarismus des 18. Jh. wurzelte, fand in dem Bibliothekar und Gymnasialdirektor J. H. Wyttenbach einen Mitstreiter. Ihre Zusammenarbeit führte zur Herausgabe der „Gesta Treverorum“ (3 Bde., 1836–39), die im wesentlichen durch eine kritische Neuedition der MGH ersetzt ist. Nur der von M. aus Tagebüchern zusammengestellte, bis 1794 fortgeführte 3. Teil ist bis heute eine wichtige Quellenschrift, ebenso wie manche seiner 172 Abhandlungen, 36 selbständigen Schriften und die hinterlassenen Manuskripte. Als Anreger und Förderer der trier. Geschichtsschreibung nach 1800 und durch seine geographisch-statistischen und historischen Untersuchungen über Echternach, das Sauertal und das Hzgt. Luxemburg hat er Bedeutung für die dortige Landeskunde.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Hist. u. archäolog. Ges. in Wetzlar (1845).

  • Werke

    W-Verz.: G. Groß, Das Gesamtwerk d. Trierer Historiker J. H. Wyttenbach u. M. F. J. M., in: Kurtrier. Jb. 8, 1968, S. 186-205.

  • Literatur

    ADB 22;
    G. Groß, Trierer Geistesleben unter d. Einfluß v. Aufklärung u. Romantik, 1956;
    ders., Geistiges Streben in e. Trierer Bürgerfam., in: Aufklärung u. Tradition, Kurfürstentum u. Stadt Trier im 18. Jh., Ausst.kat. 1988, S. 189-94;
    ders., Frühe Ansätze zu e. Kurtrier. Landeskde., in: Btrr. z. Kultur- u. Regionalgeogr., FS f. R. Jätzold, 1993, S. 121-31;
    A. Neyen, Biogr. Luxembourgeoise, 1860, Neudr. 1972;
    J. Mersch, in: Biogr. Nationale du Pays de Luxembourg, X, 1960 (P).

  • Portraits

    Ölgem. v. V. Maissonet, 1793 (Privatbes.);
    Scherenschnitt, beide Abb. b. Mersch (s. L).

  • Autor/in

    Guido Groß
  • Empfohlene Zitierweise

    Groß, Guido, "Müller, Franz Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 315 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117602426.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Müller: Michael Franz Joseph M., geb. zu Trier am 4. Octbr. 1762, am 26. Octbr. 1848. Er war der Sohn des Thomas Müller und der Marie Therese Driesch, und gehörte einer durch mehrere Mitglieder auf dem Gebiete der Trier'schen Geschichtskunde thätigen Familie an. Vor dem Ausbruch der französischen Revolution war er Pensionär der Trois-Etats des Herzogthums Luxemburg, unter der französischen Herrschaft ward er Friedensrichter in Echternach, 1812 Staatsanwalt und zwei Jahre später Rath an dem Appellhofe daselbst. Nach der Einverleibung Triers in Preußen blieb er daselbst als Landgerichtsrath bis zu seinem Tode. M. war neben H. Wyttenbach zu Ende des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts der thätigste Vertreter der vaterländischen Geschichte in Trier. Seine Vaterstadt verdankt ihm in jenen Jahren des Umsturzes alter und der Bildung ganz neuer Verhältnisse die Erhaltung einer großen Zahl litterarischer und monumentaler Schätze. Seine zahlreichen Schriften entsprechen zwar heute in keiner Weise mehr den Anforderungen der Kritik, und jedenfalls waren bei ihm Fleiß und Begeisterung größer als wissenschaftliche Begabung und Schulung; indessen bewahren fast alle Erzeugnisse seiner Feder einigen, mehrere einen namhaften Werth für die Landesgeschichte. Die wichtigeren derselben sind: „Das Geschichtliche des Kurtrierischen Landrechts summarisch entwickelt"; „Kleiner Beitrag zur Geschichte des Hexenwesens im 16. Jahrhundert, 1830; „Ueber die Schicksale vaterländischer Handschriften“, 1831; „Statistische Uebersicht des Herzogthums Luxemburg und der Grafschaft Chiny u. s. f.“, 1814; „Abhandlung über die Echternacher Springprocession“, 1815; „Alphabetische Anzeige der vorzüglichsten Quellen zur Kenntniß der Rechte und Gewohnheiten des Herzogth. Luxemburg und der Grafschaft Chiny“, 1829; „Ueber die gemeinen Landesbräuche des Herzogthums Luxemburg und der Grafschaft Chiny“, 1832; „Das Städtchen Echternach“, 1823; „Kurzgefaßte Geschichte der Abtei St. Clemens-Willibrordus zu Echternach“ (Tr. Taschenkalender 1827); „Das Denkmal der Diana im Kanton Echternach“, 1803; „Dissertatio de Religione Trevirorum antechristiana"; „Kleine vermischte Beiträge zur Kenntniß der Schicksale einheimischer und fremder Münzen im Herzogthum Luxemburg u. s. f."; Desgl. „im Kurfürstenthum Trier", 1794; „Beiträge zur Kenntniß des nationalen Charakters, der Sitten, Gebräuche, Sprache, Künste und Wissenschaften der Trierer u. s. f."; „Hist.-statist. Lexicon des Wälder-Departements“, 1810; „Hist.-topogr. Beiträge zur Kenntniß des Sauerthals“, 1844; „Literatur-Anzeigen, welche über die in der Stadt Trier und ihren Umgebungen theils noch bestehenden, theils aber zerstörten Bauten, Inschriften etc., aus den ältesten und mittleren Zeiten einige Kunde geben"; „Gesta Trevirorum“, welche M. mit Wyttenbach in drei Bdn. Trier 1836—39 herausgab. Eine Ausgabe, die seither durch die Monumenta Germaniae weit überholt ist, die aber trotz ihres geringen kritischen Werthes durch die beigefügten Noten des dritten Bandes noch ihre Bedeutung hat. Sehr vieles veröffentlichte M. in der Zeitschrift „Treviris“ (1834—36), in der „Trierischen Kronik“ (1816—23) und in den Localblättern. Anderes ist noch handschriftlich vorhanden und theils in den Besitz der Trierischen Stadtbibliothek, theils in denjenigen des Unterzeichneten übergegangen. So besitze ich u. a. noch eine handschriftliche Abhandlung Müller's: „Kurzer|geographisch-historischer Entwurf Trierischer Alterthümer", noch aus der Zeit Clemens' Wenceslaus; weiter einen „Kurzen historischen Entwurf der Trierischen Bischöfe, Erzbischöfe, Kurfürsten“, bis Ende des 18. Jahrh.; endlich eine „Allgemeine Trierische Staats-, Kirchen- und Naturgeschichte“ vom Jahre 1780 ff.

    • Literatur

      Bärsch, Eifflia illustrata II, II, 2, S. 300. Namur, Catalogue de la Bibliothèque de Luxembourg, 708, 790. Neyen, Biographie Luxemburgeoise, Lux. 1876, S. 472 ff., wo ein annähernd vollständiges Verzeichniß von Müller's Schriften gegeben ist.

  • Autor/in

    F. X. Kraus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kraus, Franz Xaver, "Müller, Franz Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 527-528 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117602426.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA