Lebensdaten
1880 bis 1972
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Archäologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117598364 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Kurt Ferdinand
  • Müller, Kurt
  • Müller, Kurt Ferdinand

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Zitierweise

Müller, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117598364.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Albert Wilhelm (1844–1912), Arzt in D., S d. Heinrich Ernst (1801–66), Arzt in Bräunsdorf b. Freiberg (Sachsen), u. d. Charlotte Beyer (1811–1902);
    M Anna (1856–1929), T d. Ferdinand Künzel (1823–76), Geh. Reg.rat in D., u. d. Mathilde Boeckh (1833–69) aus Mannheim; ledig.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Kreuzgymnasiums in Dresden (1891–99) studierte M. Altphilologie, Alte Geschichte, Kunstgeschichte und klassische Archäologie in München und Leipzig, wo er 1905 bei Franz Studniczka mit der Dissertation „Der Leichenwagen Alexanders des Grossen“ promovierte. Nach kurzer Lehrtätigkeit am Wettiner-Gymnasium in Dresden bereiste er 1905-07 als Stipendiat des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) Italien, Griechenland, Kleinasien und Ägypten. Anschließend arbeitete er zunächst als persönlicher Assistent Georg Karos in Athen, woraus eine lebenslange fruchtbare Freundschaft resultierte. 1909-12 war M. Assistent am Athener Archäologischen Institut, nahm an Grabungen in Tiryns, Olympia und Pylos-Kakovatos (Kuppelgräber) teil und leitete gemeinsam mit Fritz Weege die Grabung am Artemistempel bei Kombothekra. 1909 übertrug ihm Dörpfeld die Grabungsleitung auf der Burg von Tiryns, die seinen weiteren wissenschaftlichen Weg bestimmen sollte. 1912 kam M. als Assistent an das Archäologische Institut der Univ. Göttingen, wo er sich 1913 habilitierte. 1919 erhielt er den Professortitel, 1921 die Ernennung zum ao. Professor. 1937 wurde er aus seiner Assistentenstelle entlassen, gleichzeitig erhielt er einen Lehrauftrag für Vor- und Frühgriech. Kunst. Nach der Emeritierung Hermann Thierschs wurde M. 1939 mit der Vertretung des Lehrstuhls beauftragt und zum apl. Professor ernannt (pensioniert 1946).

    In Tiryns hatte M. seinen Arbeitsschwerpunkt gefunden, die griech. Vorgeschichte. Die Publikation der Funde aus den Kuppelgräbern von Pylos-Kakovatos (1909) bildet einen Markstein der vorgeschichtlichen Forschung in Griechenland. Darin setzte M. sich erstmals intensiver mit dem Verhältnis der kret. zur festländischen Kunst auseinander. Diesem Thema galt auch seine Habilitationsschrift über „Frühmykenische Reliefs aus Kreta und vom griech. Festland“ (1915). Seine Interessen in Forschung und Lehre umfaßten u. a. auch die Architektur von Erechtheion und Propylon, Probleme der angewandten Photographie und Versuche zur farbigen Rekonstruktion antiker Plastik.

    Die im 1. Weltkrieg unterbrochenen Grabungen in Tiryns wurden unter M.s Leitung 1921 wieder aufgenommen und bis zum 2. Weltkrieg fortgeführt. Die Untersuchungen griffen jetzt über den Bereich der Burg auch auf die Stadt und Nekropole aus. Ein von M. entdecktes zweites Kuppelgrab sollte noch 1942 freigelegt werden, doch kam die Grabung nicht mehr zustande. Untersuchungen zur mittelhelladischen Keramik, zu den myken. Vasen mit Linear B-Inschriften, zum Kyanosfries des Megarons sowie zum ersten Kuppelgrab waren in Angriff genommen, wurden aber wegen der dringlicheren Dokumentation zur „Architektur der Burg und des Palastes“ (Tiryns III, 1930) zurückgestellt. M. gelang es in dieser Arbeit, „das Chaos von durcheinander und übereinanderlaufenden Mauern“ der|älteren Architektur (Dörpfeld 1884) weitgehend zu entwirren und erstmals ein klares Bild der drei Hauptbauphasen des myken. Palastes zu erstellen. Der besonderen Bedeutung Tiryns' in frühhelladischer Zeit trägt M.s umfassende Monographie der Tirynther „Urfirniskeramik“ (Tiryns IV, 1938) Rechnung, die über die reine Materialdokumentation hinaus eine klare und feine stilistische Analyse frühbronzezeitlicher Keramik in ihren wechselseitigen Bezügen von Kretischem, Festländischem und Kykladischem enthält.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Griech. Archäolog. Ges. in Athen (1908, Ehrenmitgl. 1938), d. DAI (1910), d. Österr. Archäolog. Inst. (korr. 1912) u. d. Ak. d. Wiss. Göttingen (1943).

  • Werke

    Weitere W Alt-Pylos II, Die Funde aus d. Kuppelgräbern v. Kakovatos, in: Athen. Mitt. 34, 1909, S. 269-328;
    Gebäudemodelle spätgeometr. Zeit, ebd. 48, 1923, S. 252-69;
    Frühmyken. Reliefs aus Kreta u. v. griech. Festland, in: Jb. d. DAI 30, 1915, S. 242-336;
    Das Kuppelgrab v. Tiryns, in: Tiryns VIII, 1975, S. 1-6.

  • Literatur

    H. Döhl u. R. Horn, in: Jb. d. Ak. d. Wiss. Göttingen 1972, S. 189-93;
    H. Döhl u. H. Möbius, in: Gnomon 45, 1973, S. 317-20;
    H. Döhl, in: R. Lullies u. W. Schiering (Hrsg.), Archäologenbildnisse, 1988, S. 202 f. (P).

  • Autor/in

    Hartmut Döhl
  • Empfohlene Zitierweise

    Döhl, Hartmut, "Müller, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 449 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117598364.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA