Lebensdaten
1834 bis 1887
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Hanf-, Drahtseil- und Kabelindustrieller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117576654 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Guilleaume, Franz Carl
  • Guilleaume, Franz Karl
  • Guilleaume, Karl
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Zitierweise

Guilleaume, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117576654.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor (s. 4);
    M Wilhelmine Dahmen;
    Vt Emil (s. 2);
    Aachen-Burtscheid 1859 Antoinette (1837–1922), T d. Arnold Gründgens (1794–1875), Kaufm. u. Eisengroßhändler in Aachen, u. d. Lucia Urlichs;
    3 S, 2 T, u. a. Arnold (s. 1), Theodor Frhr. v. G. (1861-1933), GKR, Gen.dir., seit 1900 Aufsichtsratsvorsitzender d. Carlswerks, Max v. G. (1866-1932), GKR, Mitinh. d. Fa., Maria ( Aug. Ludw. Neven-Du Mont, 1866–1909, Verleger); N d. Ehefrau Gustaf Gründgens ( 1963, s. NDB VII).

  • Leben

    G. erhielt unter der leitenden Hand seines Vaters eine gediegene Schul- und kaufmännisch-technische Ausbildung, die er durch|Studien an der Universität Lüttich und eine mehrjährige Auslandspraxis in Belgien und England ergänzte. Gemeinsam mit dem Vater meisterte er die mit der Wirtschaftskrise 1857 verbundenen Schwierigkeiten im Geschäft, das von da an einen unaufhaltsamen Aufstieg nahm. – G. wurde schon mit 25 Jahren 1860 Teilhaber, 1865 Alleininhaber der Firma „Feiten & Guilleaume“.

    Nach Neuorganisation der Hanfverarbeitung in Köln, unter anderem durch die mechanische Bindfadenfabrikation (1863), trennte G. die Metallverarbeitung ab und verlegte sie in das neugegründete Carlswerk zu Mülheim/Rhein (1874). Hier wurde nun die Draht- und Kabelherstellung in einem dauernd erweiterten Produktionsprogramm mit zunehmender Verselbständigung der Eigenfertigung allen Zubehörs aufgenommen. Kabel, schon seit 1853 im Betrieb gefertigt, waren und blieben für G. das beherrschende technische und unternehmerische Anliegen. Bereits 1859 verfaßte er als fachliche Studie die erste deutsche Abhandlung über die Herstellung, Prüfung und Legung von Telegraphenkabeln. Das seit 1875 von Generalpostmeister H. von Stephan ausgebaute deutsche Telegraphennetz basierte auf den vorbildlichen Vorarbeiten von G. Er nahm an dem fortschreitenden Ausbau der internationalen Kabelnetze führenden Anteil und machte Köln zum Ausgangspunkt der deutschen Kabelindustrie, was ihm den Namen eines „Siemens des Westens“ eintrug. Ferner ist G. die Einführung der Gußstahldrahtseile in dem europäischen Bergbau zu verdanken, sodann die Durchentwicklung der amerikanischen Erfindung des Stacheldrahtes und schließlich in der Kabeltechnik die schwierige Konstruktion von Telephonkabeln mit zahlreichen Einzelleitungen. Die internationale Wirtschaftsverbundenheit seines Unternehmens ließ ihn zum Vorbild für europäische Zusammenarbeit (Arbed) werden; sie veranlaßte ihn unter anderem, zusammen mit der Kölner Zuckerindustrie, die erste Dampferlinie zwischen Köln und London einzurichten (1886). – Er gehörte zu den Gründern des Vereins der Industriellen für den Regierungsbezirk Köln (1881). Wissenschaftlich ist er durch fachkundige Vorträge über Drahtseile und Kabel hervorgetreten. Ein früher Tod setzte seinem vielseitigen lebensvollem Schaffen ein unverhofftes Ende, das ein aus 10 selbständigen Betrieben bestehendes Unternehmen von Weltruf hinterließ.

  • Literatur

    ADB 49;
    F. Brill, F. C. G., in: Rhein.-Westfäl. Wirtsch.biogrr. VII, 1960, S. 25-47 (L, P); s. a. L z. Gesamtartikel.

  • Portraits

    Ölgem. v. J. Schrader (in Fam.bes., Kopie im Bes. d. Carlswerkes);
    Büste (im Carlswerk).

  • Autor/in

    Franz Brill
  • Empfohlene Zitierweise

    Brill, Franz, "Guilleaume, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 298 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117576654.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Guilleaume: Franz Karl G., Großindustrieller. Seit 1707 betrieb die Familie Felten die Fabrikation von Seilerwaaren. Im J. 1826 gründete Johann Theodor Felten und sein Schwiegersohn Franz Karl G. in Köln auf dem Karthäuserwall eine Seilerwaarenfabrik und Hanfseilerei mit einem Verkaufslocal in der Höhle. Seit 1845 betrieb die Firma eine Seilerei bei Wahn, seit 1838 die Drahtseilflechterei. Eine Wendung für das Geschäft trat ein, als der Enkel des einen Gründers, der junge Franz Karl G., Sohn von Theodor G., 1860 eintrat. Er war am 31. December 1834 in Köln geboren, besuchte dort die höhere Bürgerschule und die Gewerbeschule, dann die Universität Lüttich, und hatte von Auslandsreisen reiche Erfahrungen ins Geschäft gebracht. Auf seine Anregung begann die Firma 1853 die Herstellung von Telegraphenkabeln, richtete 1854 eine Verzinkerei für Draht, 1857 eine Drahtzieherei und 1859 ein Drahtwalzwerk ein. Mit dem Jahre 1865 übernahm G. die Firma als alleiniger Inhaber und hob sie zu einem der größten Unternehmen der Welt auf dem Gebiete der Drahtfabrikation. Die Einführung der Gußstahldrahtseile in den continentalen Bergbau, die Durchbildung des Stacheldrahtes für Gitter und Zäune, die Construction vieladriger Kabel für Telephonie, das sind einige der ganz persönlichen Verdienste von G. Der Generalpostmeister v. Stephan plante 1875 das unterirdische Reichstelegraphennetz zwischen den Hauptpunkten des Landes. Da sich die von G. 1853 verlegten Fluß- und Stadtkabel bisher gut bewährt hatten, und man auch auf einer Studienreise im Ausland nichts mehr lernen konnte, so übertrug v. Stephan der Firma Felten & Guilleaume die Ausführung von 6329 km Kabelleitung. G. hatte schon 1873 die ganze Metallverarbeitung von Köln und Wahn nach Mülheim a. Rh. verlegt und im folgenden Jahre die Fabrik „Theodorshöhe“ bei Wahn aufgehoben. So konnte sich denn in Mülheim das neue „Karlswerk“ sogleich an einer Riesenarbeit messen. Schon in 4 Jahren und 10 Monaten waren jene 6329 km Erdkabel mit insgesammt 42 908 km Leitungen fertiggestellt. Das ist eine Länge der Einzelleitungen, die die Erde weit umspannt. Sind das nicht Leistungen|eines einzelnen Mannes, die wir ebenso bewundern müssen, wie Arbeiten auf wissenschaftlichem, litterarischem oder künstlerischem Gebiet? G. besaß einen zähen Willen. Dieser, seine Thatkraft, seine Unternehmungslust, sein scharfer Geist und seine Ruhe in der Ueberlegung machten ihn besonders zu einem großen Problemen gewachsenen Manne. 1882 errichtete G. eine eigene Guttaperchafabrik für seine Kabel. Nun kam die Hochfluth der modernen Elektrotechnik, das Telephon, die Beleuchtung und damit die Nothwendigkeit interurbaner Leitungen. Auf diesem Gebiete war G. in voller Thätigkeit, als ihn nach tückischem Leiden der Tod am 1. December 1887 wegraffte. Wie er selbst sein „Karlswerk“ in die Höhe brachte, mögen folgende Zahlen darthun: 1874 zählte es 10 Beamte und 134 Arbeiter, bei seinem Tode waren es 94 Beamte und 1412 Arbeiter. Damals producirte er 2400 Tonnen, 1887 deren 28 400. Wie eine gute Saat aber auch über das Grab hinaus reiche Früchte trägt, zeigen die statistischen Zahlen von 1903. Das „Karlswerk“, seit 1. Januar 1900 Actiengesellschaft, zählte 1903: 400 Beamte, 6000 Arbeiter mit 12 500 Angehörigen; die Production betrug 100 000 Tonnen. 1894 theilten die Söhne Guilleaume's das Erbe derart, daß Arnold das Kölner Werk, der älteste Theodor v. G. (1. Sept. 1900 erblich geadelt) und Max das Karlswerk übernahmen.

    • Literatur

      Mittheilungen des Karlswerks an den Unterzeichneten. — Drucksachen der Firma. — J. Eckstein, Histor.-biogr. Blätter, Lfg. 1, 1897.

  • Autor/in

    F. M. Feldhaus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Feldhaus, Franz Maria, "Guilleaume, Carl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 49 (1904), S. 621-622 unter Guilleaume, Franz Karl [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117576654.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA