Lebensdaten
1820 bis 1905
Geburtsort
Sagan (Schlesien)
Sterbeort
Zehlendorf bei Berlin
Beruf/Funktion
Psychiater
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117572209 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Laehr, Heinrich
  • Laehr, H.

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Laehr, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117572209.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August Wilhelm, Schönfärber in S.;
    M Dorothea Friederike Henn;
    Berlin 1854 Joh. Henriette Maria verw. v. Krebs geb. Otto (1824–1902);
    5 S (1 früh †), 2 T, u. a. Hans (1856–1929), Psychiater, Leiter d. Asyls Schweizerhof bis 1919 (s. Allg. Zs. f. Psychiatrie 90, 1929, W, P; Fischer), Max (1865–1936), Psychiater, Dir. d. Heilstätte f. Nervenkranke „Haus Schönow“ in Z., später in Malente-Gremsmühlen (s. ebd. 105, 1937, P; Fischer).

  • Leben

    L. begann 1839 das Studium der Medizin in Berlin und setzte es 1841 in Halle, besonders bei P. Krukenberg, fort. Nach dem Examen (Promotion 1843) war er 1842/43 Unterarzt an den Franckeschen Stiftungen, dann Assistent an verschiedenen Kliniken und führte je ein Jahr eine Land- und eine Stadtpraxis. 1848-52 erfolgte die Ausbildung zum Psychiater an der Provinzial-Irrenanstalt in Halle. 1853 gründete er in Zehlendorf b. Berlin eine eigene Anstalt zur Heilung und Pflege Gemütskranker, das „Asyl Schweizerhof“, das 1855 eröffnet wurde. Der Aufbau und die Leitung des Schweizerhofs ist seine große Lebensaufgabe geblieben. 1886 wurde dem Asyl noch eine Abteilung für Nervenkranke angegliedert, und schließlich wurde 1898 darin auch die erste Heilstätte für minderbemittelte Nervenkranke, das „Haus Schönow“ errichtet, dessen Leitung L. seinem Sohn Max übertrug. In dieser Heilanstalt sollte durch prophylaktische und freie Behandlung einer möglichen schweren Erkrankung vorgebeugt werden. 1889 gab L. die Leitung des Schweizerhofs an seinen Sohn Hans ab. L.s Leistungen liegen auf dem Gebiet der Sozialmedizin und der Humanisierung der Anstaltspsychiatrie. So bevorzugte er die „indirekte“ psychische Behandlung. Entschieden lehnte er die damals übliche „positive“ Strafe, die medikamentöse Therapie und den Aderlaß für Geisteskranke ab. Ebenso war er auch gegen die strenge Hospitalisierung, weshalb der Schweizerhof weder Mauern noch Zäune besaß, also ein Vorläufer der heutigen offenen Anstalten war. L. gilt als Pionier des Anstaltswesens, für das er sein außergewöhnliches Organisationstalent einsetzte. So wurden auf seine Anregung hin oder nach seinen Plänen die Anstalten in Lengerich (1864), Eberswalde (1865), Andernach (1867), Schwerin (1874), Merzig (1876), Düren und Owinsk (1880), Berlin-Dalldorf und Grafenberg (1882) und Potsdam (1886) gebaut. Das Ansehen und den Einfluß der Psychiatrie steigerte er durch seinen Beitrag zur Gründung von Fachgesellschaften und Vereinigungen, so durch die Einberufung der ersten selbständigen Versammlung der Vereinigung dt. Irrenanstaltsdirektoren in Eisenach (1860); daraus ging 1864 der „Deutsche Verein der Irrenärzte“ hervor. Außerdem bemühte er sich um die Gründung lokaler und regionaler Vereinigungen, so des „Psychiatrischen Vereins“ zu Berlin (1867) oder der „Versammlung südwestdeutscher Irrenärzte“ (1867).

    Auch publizistisch setzte sich L. für die Psychiatrie ein. 1857 wurde ihm die Hauptredaktion der Allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie übertragen, in der er selbst auch eifrig publizierte. Berühmt ist die erste Darstellung eines Falles von Morphinismus in Deutschland (1872). Die Redaktion der Zeitschrift sollte er 47 Jahre behalten, und bald wurde nur noch von „Laehrs Zeitschrift“ oder dem „Grünen Heinrich“ gesprochen. Eine akademische Karriere ist L. versagt geblieben. Als 1862 die Berliner medizinische Fakultät L. für den 1. Lehrstuhl für Psychiatrie in Berlin vorschlug, wurde nicht er, sondern erst 1865 Griesinger berufen. – Ehrenmitgl. zahlr. wiss. Ges.; Prof.titel (1891).

  • Werke

    u. a. Über Irresein u. Irrenanstalten, 1852;
    Zusammenstellung d. Irrenanstalten Dtld.s, 1861;
    Fortschritt? - Rückschritt! Reformideen d. Herrn GR Prof. Dr. Griesinger zu Berlin auf d. Gebiet d. Irrenheilkde., 1868;
    Die Heil- u. Pflegeanstalten f. Psychisch-Kranke in Dtld., d. Schweiz u. d. benachbarten Ländern, 1875;
    Gedenktage d. Psychiatrie aller Länder, 1885;
    Gedenktage d. Psychiatrie u. ihrer Hilfsdisziplinen, 1893;
    Lit. d. Psychiatrie, Neurol. u. Psychol. im 18. Jh., 1892;
    dass. v. 1459 bis 1799, 21900;
    Asyl Schweizerhof nach 25j. Wirksamkeit, 1878;
    Asyl Schweizerhof - 50 J. nach seiner Gründung, 1903.

  • Literatur

    Schäfer, in: Allg. Zs. f. Psychiatrie 62, 1905, S. 893-904;
    Jber. üb. d. Leistungen u. Fortschritte in d. gesammten Med. (Forts. v. Virchow's Jber.) f. 1905, 40, I, 1906, S. 469 f.;
    Archiv f. Psychiatrie 41, 1906, S. 367-70;
    Th. Kirchhoff, Dt. Irrenärzte II, 1924, S. 18-29 (P);
    G. Zilborg, A Hist. of Medical Psychology, 1941, S. 442;
    W. Leibbrand, in: Nervenarzt 26, 1955, S. 390-94;
    K. Langer, H. L. u. d. Asyl Schweizerhof in Zehlendorf b. Berlin, Diss. FU Berlin 1966;
    BJ X;
    BLÄ;
    Pagel (P).

  • Autor/in

    Erhart Kahle
  • Empfohlene Zitierweise

    Kahle, Erhart, "Laehr, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 396 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117572209.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA