Lebensdaten
1830 bis 1910
Geburtsort
Bledeln bei Hannover
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Sprachforscher
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117564591 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyer, Leo

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Meyer, Leo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117564591.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Friedrich (1802–73), Dr. phil., Pastor in B., später Sup. in Katlenburg, dann in Uslar, S d. Johann Andreas Georg (1768–1841), Pastor u. Sup. in Sarstedt, u. d. Henriette Elisabeth Wilhelmi (1776–1807);
    M Jeanette (* 1801), T d. Georg Christoph Schlüter, Buchdruckereibes. in Hannover;
    Vt Wolfgang Schlüter (1848–1919), Bibliothekar u. Priv.doz. in Dorpat (s. Dt.balt. Biogr. Lex.);
    Elze b. Hannover 1865 Marie (* 1840), T d. Andreas Heinrich Justus Ludolph Haase, Oberamtsrichter in Elze, u. d. Emilie Christine Stucke.

  • Leben

    M. erhielt zunächst Privatunterricht und besuchte seit 1844 das Lyzeum in Hannover. Das Reifezeugnis erhielt er am Gymnasium in Holzminden. Seit 1849 studierte er in Göttingen bei dem Philologen K. F. Hermann, dem Historiker G. Waitz und vor allem bei dem Sprachvergleicher und Indologen Th. Benfey, dessen Andenken er zeitlebens besonders in Ehren hielt. 1851 errang er einen Preis der Universität. 1855 trat M. während eines Berliner Semesters in Verbindung mit Franz Bopp, Jacob Grimm, Moriz Haupt und Adalbert Kuhn. Nach der Promotion und der Habilitation 1856 in Göttingen wurde er zum Privatdozenten „für das Fach der griech., lat., Sanskrit- und deutschen Sprache“, 1862 zum ao. Professor ernannt. 1865 wurde ihm der neugegründete Lehrstuhl für Deutsche und Vergleichende Sprachkunde an der damals deutschsprachigen Univ. Dorpat übertragen, wo er auch zweimal Dekan der Fakultät war. Dort widmete sich M. der sprachwissenschaftlichen Ausbildung der Philologiestudenten. Zu seinen Schülern zählten die später an Universitäten wirkenden Sprachwissenschaftler N. Anderson, P. v. Bradke, A. Johannson, F. Knauer, L. Masing, W. Schlüter und L. v. Schroeder. M. beschäftigte sich außer mit indogerman. auch mit finn.-ugr. Sprachen und wirkte lange Jahre als Präsident der Gelehrten Estnischen Gesellschaft. 1898 wurde M., der sich mit anderen Dorpater Professoren der nach 1889 rasch fortschreitenden Russifizierung der Universität vergeblich widersetzte, aus dem russ. Staatsdienst entlassen. Auf seinen Antrag erhielt er 1899 in Göttingen eine o. Honorarprofessur für vergleichende Grammatik der indogerman. Sprachen und arbeitete hier noch ein Jahrzehnt als Forscher und Lehrer.

    Aus M.s zahlreichen Veröffentlichungen ragen vier Hauptwerke heraus. Unter ihnen steht die sorgfältige, nicht überholte Ausgabe der mittelhochdeutschen „Livländ. Reimchronik“ (1876, Nachdr. 1963) für sich. Die anderen sind sprach-, besonders wortvergleichende Handbücher und zeigen M.s etwas einseitige Vorliebe für die jeweils ältesten größeren Quellen: Rigveda, Wulfila und vor allem Homer. Zu den Stärken des „Handbuchs der griech. Etymologie“ (I-IV, 1901/02) gehört neben der philologischen Genauigkeit und dem Stoffreichtum die Anführung zahlreicher Belegstellen der behandelten Wörter. Allerdings war von der neueren Forschung, insbesondere auch von der seit etwa 1875 strengeren Handhabung sprachvergleichender Grundsätze zu wenig eingeflossen. Da obendrein die Stichwörter schwer auffindbar sind, hat unter den Hauptwerken M.s dieses letzte wohl die geringste Beachtung gefunden. Die „Vergleichende Grammatik|der griech. und lat. Sprache“ (I-II, 1861–65, 2I, 1884), die vielen Altphilologen etwas von der Indogermanistik vermittelt hat, und die „Gothische Sprache“ (1869) – ein Werk, an dem zu Recht die vorbildliche, in der Bearbeitung des Gotischen auffällig selten erreichte Vollständigkeit gerühmt wurde – stellen für den Forscher gediegenes Wortmaterial bereit. Beide Werke wirken als wissenschaftliche Hilfsmittel fort, aber auch manche Einzelerkenntnisse M.s sind Gemeingut der Indogermanistik geworden.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Göttinger Ak. d. Wiss. (1861 Assessor, 1865 Korrespondent) u. zahlr. anderer wiss. Akademien; Wirkl. Staatsrat (1877); Großkreuz d. Stanislausordens (1885), Großkreuz d. Annenordens (1890).

  • Werke

    Weitere W Griech. Aoriste, Ein Btr. z. Gesch. d. Tempus- u. Modusgebrauchs im Griechischen, 1879;
    AN im Griechischen, Lateinischen u. Gothischen, Ein Btr. z. vgl. Syntax d. indogerm. Sprachen, 1880.

  • Literatur

    R. Tasa, L. M. Tartu Ülikooli õppejõuna ja keeleteadlasena, 1962 (estn. mit russ. u. dt. Zus.fassung: L. M. als Linguist u. Prof. d. Tartuer Univ., W-Verz., P);
    W. Schlüter, in: Biogr. Jb. f. Altertumskde. 35, 1913, S. 65-85 (W-Verz.);
    J. Wackernagel, Chronik d. Georgia Augusta zu Göttingen, 1910, S. 10-14;
    H. Semel, Die Univ. Dorpat (1802–1918), 1918, S. 107 f.;
    R. v. Engelhardt, Die Dt. Univ. Dorpat in ihrer geistesgeschichtl. Bedeutung, 1933, S. 359-61 (P);
    Dt.balt. Biogr. Lex.;
    BJ 15.

  • Portraits

    Gem. v. Th. Kraus, 1899 (im Bes. d. Gel. Estn. Ges.).

  • Autor/in

    Bernhard Forssman
  • Empfohlene Zitierweise

    Forssman, Bernhard, "Meyer, Leo" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 363 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117564591.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA