Lebensdaten
1898 bis 1975
Geburtsort
Pinneberg bei Hamburg
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Althistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117556394 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyer, Ernst

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Zitierweise

Meyer, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117556394.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann Heinrich (* 1868), Prokurist, S d. Hermann Heinrich (1826–91), Eigner u. Mehlhändler in P., u. d. Wilhelmine Charlotte Suhren (1832–n. 1891) aus Neuwustrow/Oder;
    M Antoinette Roll;
    Zürich 1936 Katharina Hildegard (* 1907), T d. Georg Ludwig Dierking (1882–1937), Kaufm. aus Kassel, u. d. Maria Katharina Gertrud Weber (1884–1962);
    1 S Jürgen Ernst Hermann (* 1941), Bauing.

  • Leben

    M. besuchte bis 1915 das Gymnasium in Altona. Nach dreijährigem Frontdienst im 1. Weltkrieg studierte er seit 1919 Alte Geschichte, klassische Philologie, Archäologie und Orientalistik in Hamburg, Kiel und Göttingen. Er promovierte 1923 in Göttingen bei Ulrich Kahrstedt und habilitierte sich 1924 in Kiel. Anschließend weilte er ein Jahr als Stipendiat des Deutschen Archäologischen Instituts in Athen. 29jährig wurde er 1927 als Nachfolger von Johannes Hasebroek nach Zürich berufen. Dem Lehrkörper der dortigen Universität hat er 48 Jahre lang angehört, zunächst als ao., seit 1947 als o. Professor und nach der Emeritierung (1968) als Honorarprofessor für Alte Geschichte. M. war einer der letzten Althistoriker, deren wissenschaftlicher Werdegang von einer universal begriffenen, mit Archäologie und altoriental. Sprachen gleichermaßen vertrauten Geschichte des Altertums bestimmt war.

    M.s Veröffentlichungen galten zunächst der Geschichte des Hellenismus. Seit der Berufung nach Zürich traten jedoch andere Arbeitsgebiete in den Vordergrund, deren Kombination die Spannweite seiner gelehrten Interessen bezeugt. Der Band „Peloponnesische Wanderungen“ (1939) war das Ergebnis oft strapazenreicher Feldarbeit in Griechenland; 1957 folgten „Neue Peloponnesische Wanderungen“. Beide Werke bieten ebenso wie die von M. übersetzte und erläuterte „Beschreibung Griechenlands“ des Pausanias (2 Bde. 1954, 21967) in der Verbindung von Archäologie, Inschriftenkunde und Geographie ein Musterbeispiel jener topographisch-historischen Forschung, die lange eine Domäne der Althistoriker war. Gegenpol zu solcher Feldforschung war die eingehende Beschäftigung mit den Staatsformen und politischen Systemen des Altertums. Die „Einführung in die antike Staatskunde“ (1968), vom Alten Orient bis zu den Sassaniden reichend, zeugt von umfassendem Wissen und universaler Weite des Blicks. M.s eigentliches Meisterwerk ist das zuerst 1948 erschienene Buch „Römischer Staat und Staatsgedanke“ (21961, ergänzt), in seiner klaren Sprache, seiner umfassenden Kenntnis der Forschung und seinem ausgewogenen Urteil bis heute Studenten wie Mitforschenden kaum entbehrlich. Noch einem dritten Gebiet galt M.s wissenschaftliches Interesse über lange Jahre: der röm. Vergangenheit der Schweiz. Den gemeinsam mit dem Zürcher Latinisten Ernst Howald herausgegebenen Quellenband „Die röm. Schweiz, Texte und Inschriften mit Übersetzung“ (1941) ergänzt eine ausgewogene, den Schweizer Raum unter dem weiteren Horizont von Geschichte und Kultur des röm. Imperiums betrachtende Darstellung „Die Schweiz im Altertum“ (1946, 21984 um e. Anhang erweitert, hrsg. v. R. Frei-Stolba). Das knappe, aber dichte Kapitel „Römische Zeit“ im Handbuch der Schweizer Geschichte (1972) schließlich zieht in souveräner Beherrschung der literarischen, inschriftlichen und archäologischen Quellen eine Bilanz fremder und eigener Forschungen.

    Hunderte von Artikeln für wissenschaftliche Nachschlagewerke, vor allem für die „Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft“, belegen, daß M. jene undankbare Kärrnerarbeit nicht scheute, von deren Erträgen letztlich alle Forschung zehrt. Doch war M. nicht nur Gelehrter, sondern mit gleicher Hingabe auch akademischer Lehrer. Seine präzis ausgearbeiteten Vorlesungen erschlossen sich zwar dem Anfänger nicht immer leicht, doch sein wissenschaftliches Ethos wirkte auf Generationen von Geschichtsstudenten. Zur akademischen Lehrtätigkeit kam sein Wirken über den Kreis der Universität hinaus. In zahllosen Artikeln und Buchbesprechungen in der „Neuen Zürcher Zeitung“ verstand er es, im besten Sinne Wissenschaft zu popularisieren.

  • Werke

    Weitere W Die Grenzen d. hellenist. Staaten in Kleinasien, 1923 (Diss.);
    Chronol. d. ersten Ptolemäer auf Grund d. Papyri, 1925;
    Zur Frage d. Volkstums d. Eisenzeit, in: Ur- u. frühgeschichtl. Archäol. d. Schweiz 4, 1974, S. 197 ff.

  • Literatur

    F. G. Maier, in: NZZ v. 22./23.11.1975;
    ders., in: Gnomon 48, 1976, S. 635-37;
    A. Lambert, Zum Tod v. E. M., in: Jb. d. Ges. Pro Vindonissa, 1975;
    P. Frei, in: HZ 223, 1976, S. 521-23;
    K. Christ, in: ders., Röm. Gesch. u. Wiss.gesch. III, 1983, S. 137-50;
    W. Weber, Biogr. Lex. z. Gesch.wiss., 21987.

  • Autor/in

    Franz Georg Maier
  • Empfohlene Zitierweise

    Maier, Franz Georg, "Meyer, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 333-334 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117556394.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA