• Genealogie

    Eltern unbek.;
    Pauline Zaengler.

  • Leben

    N. studierte seit 1876 in Berlin und Heidelberg Naturwissenschaften, nach 1878 Medizin. 1882 legte er seine medizinischen Examina ab und promovierte 1883 in Leipzig zum Dr. med. Nachdem er bereits während seines Studiums Südeuropa, Nordafrika und Nordeuropa bis zum Nordkap besucht hatte, begann er aus eigener Initiative 1884 eine Forschungsreise zum Pazifik, v. a. nach Australien, Neuseeland und Hawaii, mit dem Ziel, anthropologisches Material zu sammeln. Hierfür erlernte er im Atelier von Castans Panoptikum zu Berlin unter Anleitung des Bildhauers Schulz das Abformen von Gipsmasken. Ergebnis seiner Reise waren zwanzig Gesichtsabformungen von Einheimischen, Haarproben, Messungen von Kopf und Körper, Farbenbestimmungen der Haut sowie zwei Alben mit Photographien (heute in Berlin, Mus. f. Völkerkde.). Diese Alben überließ er 1885 als Geschenk der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, deren Mitglied er seit 1883 war.

    Neben einer Tätigkeit als Arzt seit 1885 in Berlin, nach 1901 in Lichterfelde, war N. 1894-1907 Herausgeber der „Photographischen Rundschau“ und betreute seit 1904 als Kustos die dokumentarisch wichtige Photographien-Sammlung der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Neben den Publikationen der ethnologischen Ergebnisse seiner Pazifikreise stehen Arbeiten über die Seekrankheit, meteorologische Untersuchungen und Beobachtungen über Dämmerungserscheinungen und Zodiakallicht. Intensiv befaßte sich N. mit der physischen Anthropologie und übersetzte 1888 Paul Topinards „Anthropologie“ (1876) ins Deutsche. Im Rahmen seiner eingehenden Beschäftigung mit der Photographie, v. a. der Mikrophotographie, lieferte er die Abbildungen zu Gustav Hellmanns Band über Schneekristalle (1893). Von größter Bedeutung für die Erforschung des Landes war N.s zweite Reise nach Neuguinea Ende Oktober 1908 bis Ende Mai 1910, die er gemeinsam mit seiner Frau unternahm. Teilweise zusammen mit den dort wirkenden Neuendettelsauer Missionaren führten sie Exkursionen in das Landesinnere durch und erkundeten den Markham- und den Sepik-Fluß sowie verschiedene Küstenorte Nordost-Neuguineas. Herausragende Ergebnisse sind ca. 1100 Photographien und die ethnographischen Sammlungen sowie N.s ausführliche Darstellung, die er nach der Rückkehr innerhalb kürzester Zeit zusammenstellte. Eine Pionierarbeit bilden vor allem seine 50 Filme, von denen allerdings nur Fragmente erhalten sind (Inst. f. d. wiss. Film in Göttingen). Auch nach seiner Rückkehr nach Berlin nahm N. durch Vorträge regen Anteil an der Erforschung von Neuguinea und befürwortete ein Projekt, bei dem die Insel mit Hilfe von Lenkballons erkundet werden sollte.|

  • Auszeichnungen

    Preuß. Prof. (1909).

  • Werke

    u. a. Die Hawaii-Inseln, 1886;
    Lehrb. d. Mikrophotogr., 1890, 31907;
    Lehrb. d. Projektion, 1901, 21908;
    Dt. Neu-Guinea, 3 Bde., 1911;
    Unsere Kolonie Dt.-Neu-Guinea, 1914;
    zahlr. Aufss. in d. Zs. f. Ethnologie, u. a.: Neuere photograph. Hilfsmittel f. d. Forsch.reisenden, ebd. 39, 1907, S. 966-72;
    Die Neuordnung d. Photographienslg. d. Berliner Anthropol. Ges., ebd. 40, 1908, S. 95-100.

  • Literatur

    A. Hinrichsen, Das lit. Dtld., 1891, S. 958 f.;
    E. Seler, in: Zs. f. Ethnologie 47, 1915, S. 92 f.;
    G. Schönith, in: Petermann's Mitt. 61, 1915, S. 112;
    A. Miethes, in: Photograph. Rdsch. 1915, S. 45;
    K.|Haushofer, Dt. Kulturpol. im Indopazif. Raum, 1939, S. 272 f.;
    M. Schindlbeck, Die ethnograph. Linse, 1989, S. 56 f. (P);
    Pogg. IV u. VI;
    DBJ I, Tl.;
    Wi. 1905–14.

  • Autor/in

    Markus Schindlbeck
  • Empfohlene Zitierweise

    Schindlbeck, Markus, "Neuhauss, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 128 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117551244.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA