Lebensdaten
1793 bis 1871
Geburtsort
Paris
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Solotänzer ; Pantomime ; Ballettmeister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117526908 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Huguet, Michel François (ursprünglich auch)
  • Hoguet, Michel François
  • Huguet, Michel François (ursprünglich auch)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Hoguet, Michel François, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117526908.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Toussaint François ( 1803), Uhrmacher in P.;
    M Elisabeth Delatre;
    Berlin 1821 Emilie (1801–68), Solotänzerin, T d. Étienne Vestris, Bibliothekar d. Prinzen Heinrich v. Preußen in Rheinsberg, u. d. Sophie Dor. Classe; Schwägerin Rosa ( Ferdinand Borck, 1791–1861, Geheimer Regierungsrat u. Korrespondenzsekretär von König Wilhelm I.), Solotänzerin u. Figurantin;
    2 S, 1 T Charles (1821–70), Landschafts- u. Marinemaler, Lithograph (s. ThB), Louis (1825–1900, Solotänzerin Agnes Köbisch, 1902), Solotänzer (als Hoguet-Vestris), später Landschaftsmaler (s. ThB), Mathilde (1833–78, Wilhelm Frey, 1826–1911, Sänger u. Maler, s. ThB), Schauspielerin.

  • Leben

    H. trat als Zehnjähriger in die Ballettschule der Pariser Großen Oper ein, konnte seine Ausbildung bei C. F. Coulon jedoch erst 1811 fortsetzen, nachdem er bis 1807 Tänzer und Schauspieler an C. Robillons Kindertheater, dann unter demselben Prinzipal Komiker in Versailles, Bratschist am Pariser Vaudeville und Tänzer bei Hussenets Truppe in Mainz gewesen war. Erfolge am heimatlichen Théâtre de la Gaîté verhalfen ihm 1817 zum Engagement an die Berliner Königlichen Theater, wo er neben seiner ihm aus Paris gefolgten Partnerin Lemière (nachmaligen Désargus) und seiner Frau, der ebenfalls in Paris geschulten Ballerina Emilie H.-Vestris, bis 1829 als 1. Solotänzer wirkte. Die technische Perfektion und künstlerische Disziplin dieser drei Protagonisten erwarben Berlin rasch den Ruf einer deutschen Ballettmetropole. Der Choreograph H., durch Noverres „Lettres“ theoretisch beeinflußt, debütierte 1818 mit J. Daubervals „La fille mal gardée“ und beendete 1822 durch die Inszenierung von P. J. Aumers „Aline“ die Hegemonie des mythologischen Balletts im heroischen Genre. Die Pariser Julirevolution (1831) vereitelte H.s Pläne für eine Karriere in Frankreich, weshalb er als Pantomime und Choreograph seine Berliner Tätigkeit wieder aufnahm; 1837 wurde er zum Ballettmeister ernannt. H.s gestische und mimische Ausdrucksfähigkeit bewährte sich in wirkungsvoll arrangierten Ballettpantomimen – überwiegend personenreichen, häufig in exotischem Milieu angesiedelten Burlesken und Zauberpossen –, die den dramaturgischen Anforderungen des Ballet d'action genügten und mit bühnentechnischem Aufwand dem Publikumsgeschmack Rechnung trugen. In den letzten Amtsjahren litt H., während der Revolution von 1848 seiner royalistischen Haltung wegen öffentlich angegriffen, unter der wachsenden Konkurrenz des zweiten Ballettmeisters P. Taglioni. Trotz der Popularität des Ausstattungsballetts „Aladin“ (1854) mußte er dem jüngeren Rivalen weichen und sich 1856 pensionieren lassen.

  • Werke

    W Verz. b. C. Schäffer u. C. Hartmann, Die Kgl. Theater in Berlin … 1786-1885, 1886, S. 2-90 (21 Ballette, 6 Bearb.). - Libretti u. a. mit Musik v. H. Schmidt: Der Polterabend, Kom. Divertissement, 1834;
    Der Schweizer-Soldat, Militair. Ballet, 1835;
    Der Marquis v. Carabas, 1836;
    Der Mutter Namenstag, od. Der geprellte Alcalde, 1836;
    Robinson, Pantomim. Ballet, 1837;
    Robert u. Bertram, Pantomim. Ballet, 1841, 1873;
    - mit Musik v. W. Gährich: Paul u. Virginie, Pantomim. Ballet nach P. G. Gardel, 1848;
    Aladin od. Die Wunderlampe, Großes Ballet, 1854, 1879. -
    97 Ballett-Artikel (gez. H… t. od. H.) in: Allg. Theater-Lex. od. Enc. alles Wissenswerthen f. Bühnenkünstler, Dilettanten u. Theaterfreunde, hrsg. v. R. Blum, K. Herloßsohn, H. Marggraff, 1.-7. Bd., 1839-42.

  • Literatur

    ADB XII;
    L. Schneider, in: Dt. Bühnen-Alm., hrsg. v. A. Heinrich, 21. Jg., 1857, S. 130-39;
    G. Weisstein, Das Berliner Ballett im 19. Jh., in: Spemanns goldenes Buch d. Theaters, 1902, Nr. 751;
    Allg. Theater-Lex. IV, 1841, S. 243-45;
    F. J. v. Reden-Esbeck, Dt. Bühnen-Lex. I, 1879, S. 288 f. (auch f. Fam.). - Eigene Archivstud.

  • Portraits

    Lith. v. J. Schoppe (mit Ehefrau in Spontinis „Nurmahal“), 1822 (Berlin. Dt. Staatsoper), Abb. b. J. Kapp, 200 J. Staatsoper im Bild, 1942, S. 32;
    v. T. Hosemann (mit L. Schneider als Robert u. Bertram), 1841 (Dresden, Kupf.kab.).

  • Autor/in

    Alexander Rudin
  • Empfohlene Zitierweise

    Rudin, Alexander, "Hoguet, Michel François" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 476 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117526908.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hoguet: Michael François H., bedeutender Choreograph, Ballettänzer und Pantomimist, geb. 1793 in Paris, gest. am 5. April 1871 in Berlin. Obgleich Franzose von Geburt und in Frankreich gebildet gehört H. doch zu|den einflußreichsten Persönlichkeiten in der Entwicklungsgeschichte des modernen Ballets in Deutschland, speciell in Berlin. Als Pantomimist seiner Zeit unübertroffen, gab er als Verfasser des Ballets „Aline“ dem Berliner Ballet einen vollständigen Umschwung und brach dauernd die Herrschaft des mythologischen Ballets. L. Schneider behauptet von seinen pantomimistischen Leistungen „daß Vollkommeneres und wahrhaft Künstlerisches in der Pantomimik bis dahin in Berlin nicht geleistet worden ist.“ Für seine Ballete verwandte H. mit wenigen Ausnahmen verhältnißmäßig nur kleine Mittel, daß er trotzdem damit dauernde Erfolge errang, spricht für ihre Wirksamkeit. Einzelne dieser Schöpfungen sind noch heute unvergessen. Wie schon bemerkt Pariser, war H. bereits 1802 in die Tanzschule des Théâtre de la république des arts (die grande opéra der Republik) gekommen. Der Tod des Vaters zwang ihn sich am Theater des Jeunes artistes als Tänzer und Schauspieler zu engagiren, dessen Director Robillon ihn nach dem Schluß seiner Pariser Bühne mit nach Versailles nahm, wo H. besonders als komischer Schauspieler wirkte. Um ausschließlich Tänzer zu sein, entzog sich H. seinen Verpflichtungen gegen Robillon durch die Flucht, wurde aber zwangsweise zurückgebracht. 1811 nahm er ein Engagement als erster Solotänzer in Mainz an, kehrte dann aber nach Paris und in die Tanzschule zurück. Der Zufall brachte ihn zu einem Auftreten im Théâtre de la porte St. Martin, das zu einem Engagement führte, nach dessen Lösung er sich dem Théâtre de la Gaité verpflichtete und von hier aus durch den Grafen v. d. Goltz für das Berliner Hoftheater engagirt wurde. Als Zephyr in „Zephyr et Flore“ erschien er am 24. April neben Dlle. Lemière zum ersten Mal vor dem Berliner Publikum, das sich in immer steigendem Maße für den zarten und graciösen Tänzer erklärte. Anfang der zwanziger Jahre setzte er dann das erwähnte Ballet „Aline“, tanzte 1828 in Hamburg und Doberan, entsagte aber 1830 der Bühme gänzlich, um nach Frankreich zurückzukehren. Nur kurze Zeit war seines Bleibens dort, er kam wieder nach Berlin und begann eine erneuerte Thätigkeit als Pantomimist und Balletmeister (Ernennung von 1837). Zuerst setzte er jetzt das komische Zauberballet „Arlequin in Berlin", dem nachstehende Werke folgten: „Die Pflanzer". „Der Geburtstag". „Vestrissinos vor Gericht", „Der Polterabend", „Nobinson", „Der gestiefelte Kater", „Der Soldat aus Liebe", „Die Feen", „Der Mutter Namenstag", „Das Jubiläum", „Robert und Bertrand", „Die Danaiden". „Die Tänzerin auf Reisen", „Der türkische Arzt", „Die unterbrochene Hochzeit“ und „Aladin, oder die Wunderlampe“. Am 1. April 1856 zog sich H. ins Privatleben zurück. Vermählt war H. seit 1821 mit Emilie Karoline Wilhelmine, geb. Vestris, geb. am 16. Febr. 1801 zu Rheinsberg, ausgebildet in Paris, von 1818—1830 Mitglied des Hoftheaters zu Berlin, gest. am 19. August 1869 zu Berlin. Beider Sohn Louis Michel H.-V. geb. am 4. Januar 1825 zu Berlin, war von 1846—1862 ebenfalls am Berliner Hoftheater engagirt und wurde dann pensionirt.

    • Literatur

      Vgl. M. F. Hoguet von Louis Schneider in Heinrichs deutschem Bühnen-Almanach 1857, S. 130—139.

  • Autor/in

    Joseph Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Hoguet, Michel François" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 652-653 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117526908.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA