• Genealogie

    V Hans Jakob (1743–1811), Uhrmacher, Münsterschaffner, S d. Weißgerbers Gabriel u. d. Elisabeth Furter;
    M Magdalena Ernst;
    1798 Marie Anna (* 1772), T d. Ratsherrn Joh. Jak. Gaillard in Murten u. d. Elisabeth Merle;
    5 S, 2 T.

  • Leben

    Nach anfänglichem Rechtsstudium an der Akademie in Bern wandte sich H. den exakten Wissenschaften zu, bewogen durch die Vorlesungen von J. G. Tralles, der ihn schon 1791 zu Triangulationsarbeiten in der Umgebung Berns heranzog. Diese kamen aber wegen fehlender Mittel und Instrumente bald zum Erliegen, so daß H. auf Reisen nach Paris, Gotha, Jena, Göttingen und Kassel seine Weiterbildung suchte. 1797 kehrte er nach Bern zurück, um die Triangulation des Aarberger Mooses zu vollenden. Der Umsturz in der Schweiz setzte aber noch im gleichen Jahr den Arbeiten ein Ende. H. wurde nun nacheinander Schaffner von Beromünster, Advokat und Staatsanwalt am helvetischen Obergericht. – Die politischen Verhältnisse bewogen ihn 1805 zur Auswanderung nach den USA. Verbindung mit wissenschaftlichen Kreisen trug ihm 1807 die Leitung der eben beschlossenen Küstenvermessung ein. Aus Mangel an Instrumenten sowie an Zeichen- und Druckmaterialien geschah jedoch in den ersten 4 Jahren fast nichts. Den Lebensunterhalt gewann H. in dieser Zeit als Professor für Mathematik an der Militärakademie in West Point, seit 1810 am Union College in Schenectady, New York. Von einer 1811 angetretenen Reise nach England zur Beschaffung der fehlenden Ausrüstung konnte er wegen des inzwischen ausgebrochenen Krieges erst 1815 in die USA zurückkehren. 1816 wurde H. zum Superintendenten des Survey of the Coast ernannt. Die mit Eifer begonnenen Feldarbeiten mußte er aber 1818 wieder abbrechen, da inzwischen die Küstenvermessung der Marine unterstellt worden war. H. weigerte sich beharrlich, Offizier zu werden, da stehende Heere seinen republikanischen Grundsätzen widersprächen, und mußte ausscheiden. Nach einem Jahrzehnt wenig erfolgreicher Tätigkeit als Farmer, dann als Angestellter der Zollbehörde von New York wurde er 1830 in den Staatsdienst als Leiter der Stelle für Maße und Gewichte zurückberufen und 1832 wieder mit der Leitung der inzwischen reorganisierten Coast Survey beauftragt. Die ihm verbleibenden 11 Jahre widmete er mit Leidenschaft und Eifer der ihm nun endgültig übertragenen Aufgabe. Er starb an den Folgen eines bei den Feldarbeiten erlittenen Unfalls. – Bei H.s Tode war die Küste von Rhode Island bis zum südlichsten Punkt der Chesapeake Bay mit einem Dreiecksnetz von 1200 Punkten auf 9000 Quadratmeilen überzogen. Topographische und hydrographische Messungen hatten zu einer großen Zahl von Küstenkarten geführt. Der heutige Coast and Geodetic Survey verdankt seinem Begründer, daß von Anfang an durch wissenschaftliche Systematik, wirtschaftliche Organisation, Schulung von Mitarbeitern, Heranbildung fähiger Geodäten und Begründung einer Fachliteratur ein Fundament der heutigen Einrichtungen geschaffen wurde. – Der Umgang mit H. war wegen seines aufbrausenden Temperaments und seiner Kompromissen abgeneigten Wesensart sicherlich nicht leicht. Seine Unbestechlichkeit, seine Hingabe an das Werk, seine unbestrittene wissenschaftliche Leistung aber sicherten ihm die Anerkennung und Achtung durch Vorgesetzte und Kongreß.

  • Werke

    u. a. Elements of analytic trigonometry, plane and spherical, New York 1826;
    A popular exposition of the system of the Universe with plates and tables, ebd. 1828;
    Vollst. Lehrb. d. theoret. u. angew. Arithmetik, 1834;
    Papers connected with the survey of the coast of the United States, Philadelphia 1824-26;
    Documents relating to the survey of the coast of the United States, 3 Bde., New York 1834;
    Documents relating to the construction of uniform Standards of weights and measures, 3 Bde., ebd. 1835 f.;
    Reports on the fabrication of Standard weights and measures etc., Washington 1838-45;
    Report showing the progress of the Coast survey up to the present time, ebd. 1842.

  • Literatur

    R. Wolf, Biogrr. z. Kulturgesch. d. Schweiz II, 1859, S. 319-52;
    E. Zschokke, Ing. F. R. H. v. Aarau, 1877 (engl. Übers. 1882);
    G. Brown Goode, The Origin of the Nat. Scientific and Educational Institutions of the United States, in: Papers of the American Historical Association IV, 1890, S. 11;
    F. Cajori, The Chequered Career of F. R. H., A Chapter in the Hist. of Science in America, Boston 1929;
    A. Bartholdi, in: Prominent Americans of Swiss Origin, hrsg. v. d. Swiss-American Historical Society, New York 1932;
    A. J. Wraight u. E. B. Roberts, The Coast and Geodetic Survey 1807-1957, 150 years of hist., Washington 1957 (P: Lith. v. Fenderich);
    Pogg. I;
    DAB;
    Biogr. Lex. d. Aargaus, 1958 (P).

  • Autor/in

    Theo Gerardy
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerardy, Theo, "Haßler, Ferdinand Rudolph" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 55 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117503444.html#ndbcontent

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