Lebensdaten
1848 bis 1919
Geburtsort
Dröschede bei Iserlohn
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117452416 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Soennecken, Friedrich
  • Soennecken, F.

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Zitierweise

Soennecken, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117452416.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter, aus Valbert b. Meinerzhagen (Berg. Land), Kleineisenschmied in Dröschede b. Iserlohn;
    M N. N.;
    1) Remscheid 1877 Helene (1852–78), T d. Johann Friedrich Wilhelm Wülfing, Pfarrer in Remscheid, u. d. Albertine Luise Büschgens, 2) Remscheid 1880 Bertha (1855–1914), T d. August Busch, Kleinschmied in Remscheid, u. d. Anna Karoline Engelbert;
    1 S aus 1) (früh †) 1 S aus 2) Alfred (1881–1954, Marjorie, T d. Dr. W. T. Kudlich, Arzt, S d. Hans Kudlich, 1823–1917, österr. Revolutionär, seit 1854 Arzt in Hoboken, New Jersey, s. NDB 13; ÖBL), Dipl.-Ing., Dr.-Ing., Fabr., führte d. väterl. Fa. Schreibfedern-, Schreibwaren- u. Schreibmöbelfabrik F. Soennecken, Bonn, weiter, stv. Vors. d. IHK Bonn, 1925 Ehrenbürger d. Univ. Bonn (s. Wenzel; Rhdb.; Wi. 1935–1955);
    E Alfred Walter, leitete 1954–62 d. „F. Soennecken KG“.

  • Leben

    S. wuchs als sechstes Kind in bescheidenen Verhältnissen auf und mußte deshalb die Rektoratsschule in Iserlohn vorzeitig verlassen. 1864 trat er bei der Firma „Aurand & Sudhaus“ (Reit- u. Wagengeschirre) in Iserlohn eine kaufmännische Ausbildung an. Angeregt durch seinen früheren Zeichenlehrer Heinrich Rahlenbeck, der ihm kostenlose Unterrichtskurse in Kalligraphie vermittelte, befaßte sich S. schon während seiner Schulzeit und später neben seiner Berufstätigkeit mit Zierschriften. Ausgehend von der in Frankreich verbreiteten „Ronde“ konzipierte er zunächst mit Hilfe einer breiten Stahlschreibfeder ein Rundschriftsystem, das leicht erlernbar war. Seine Rundschriftlehrhefte, die nach vier Jahren bereits in der 100. Auflage gedruckt erschienen, verlegte er in seiner 1875 in Remscheid gegründeten und 1876 nach Bonn verlegten Firma „F. Soenneckens Verlag“. Übersetzungen in viele Sprachen wurden produziert. S.s Studien an der Univ. Bonn 1876–78 (Kunstgesch., Gesch., Psychol., Paläogr.) und seine Studien zur Schriftentwicklung Westeuropas 1879/80 in Italien, Frankreich und England begründeten seine Überzeugung, daß eine dt. Schriftreform nötig sei. Er engagierte sich publizistisch für die offizielle Einführung der (lat.) Antiqua und führte dabei nicht nur pädagogische, sondern auch wirtschaftliche Gründe an („dt. Eigenbrötelei“), war 1885 Gründer des Vereins für Altschrift und 1917 Gründer des publizistisch sehr aktiven Dt. Altschriftbundes in Bonn. Die für die Rundschrift notwendigen neuartigen Schreibfedern aus Stahl sowie Schreibfedern für alle anderen Schriften und für spezielle Bedürfnisse wie die von Kindern ließ S. zunächst in England und später im eigenen Betrieb fertigen; dazu gehörte die vielbenutzte Schulfeder 111. Das Unternehmen entwickelte zunehmend auch Spezialartikel des Bürobedarfs (Tintenfässer, Kopierpressen, Buchstützen, Umleg-Notizkalender, Ringbücher), die teilweise eine Vorstufe zur späteren Normierung darstellten, und erhielt darauf Patente. Von besonderer Bedeutung war die Entwicklung eines neuartigen (Aushebe-)Briefordners und eines dafür geeigneten Lochers. Die Herstellung von Spezialordnerschränken bildete den Einstieg in die Büromöbelproduktion. S. war 1871 der erste dt. Hersteller von Füllfederhaltern, u. a. mit Goldfedern. 1914 war das Unternehmen „F. Soennecken“ ein international bedeutender Hersteller von Bürobedarf mit ca. 1000 Mitarbeitern. S. betätigte sich politisch als Beigeordneter der Bürgermeisterei Poppelsdorf 1883–1904 und als Stadtverordneter Bonns seit 1904. Er war seit 1905 stellv., seit 1914 Vorsitzender der Handelskammer Bonn. Hier, wie auch in der Rheinschiffahrtskommission und dem Landeseisenbahnrat, engagierte er sich insbesondere verkehrspolitisch. S.s Unternehmen, seit 1919 geleitet von seinem Sohn Alfred (1931–33 Präs. d. IHK Bonn), seit 1954 geführt von S.s Enkel Alfred Walter, war bis 1962 eine Kommanditgesellschaft in Familienbesitz. Der starke Wettbewerbsdruck führte zunächst zu einer Beteiligung der „Münchner Braunkohlen- und Brikett-Industrie AG“, 1967 zur vorübergehenden Übernahme durch den Konkurrenten „Leitz“. 1975 meldete das Unternehmen Soennecken Konkurs an, das Warenzeichen wurde 1983 an eine Bürobedarfseinkaufsgesellschaft verkauft, die unter dem Namen „Soennecken eG“, Overath, Büroartikel vertreibt.

  • Auszeichnungen

    KR (1903).

  • Werke

    W zahlr. Schrr. z. dt. Schriftwesen, u. a.: Das dt. Schriftwesen u. d. Notwendigkeit seiner Reform, 1881; Fraktur od. Antiqua im ersten Unterr.?, Vortrag, gehalten auf d. Verbandstag d. Hilfsschulen Dtlds, 1913; Die Aufschrift am RTgebäude „Dem dt. Volke“, 1915; Handel u. Schrift, in: Dt. Handelsschul-Lehrer-Ztg., 14 Jg., 1917, Nr. 34/35; Aufruf an d. Dt. Volk z. Aufhebung d. unnützen Zweischriftigkeit, hg. v. Dt. Altschriftbund, 1917 (mit Btrr. v. S.); Soennecken Schrifthh. mit d. Titeln Unzialschrr., Kursivschrr., Antiquaschrr., Got. Schrr., Lat.schr. etc.

  • Literatur

    | R. Hellbeck, F. S., Sein Leben u. sein Werk, 1927, Nachdr. 2008 (P); Ch. Eckert, in: Rhein.-Westfäl. Wirtsch.biogr. II, H. 2/3, 1937, S. 341–62 (W, L, P); P. C. Ettighoffer, 75 J. F. S., 1950; P. Rück, Paläographie u. Ideologie, Die dt. Schriftwiss. im Fraktur-Antiqua-Streit v. 1871–1945, in: Fachgebiet Hist. Hilfswissenschaften, Ausgew. Aufss. z. 65. Geb.tag v. Peter Rück, hg. v. E. Eisenlohr u. P. Worm, 2000, S. 159 ff.; Bonner Personenlex. (P); – Qu Firmenakten d. IHK Bonn im Rhein.-Westfäl. Wirtsch.archiv, Köln; Archiv d. Fa. Branion eG (Soennecken eG), Overath.P Ölgem. v. L. Samberger, Abb. in: W. Däbritz, in: Köln. Ztg. v. 5. 6. 1935.

  • Autor/in

    Jürgen Weise
  • Empfohlene Zitierweise

    Weise, Jürgen, "Soennecken, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 534-535 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117452416.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA