Lebensdaten
1883 bis 1950
Geburtsort
Freinsheim (Pfalz)
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Publizist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117403148 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sinsheimer, Hermann

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Sinsheimer, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117403148.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Samuel (1846–1928), Kaufm. in F.;
    M Fanny Fränkel;
    2 B Ludwig ( vor 1945 Gurs), Jur., Carl ( 1953), Kaufm., Co-Autor früher Stücke v. S., emigrierte n. 1933 in d. USA, 1 Schw Eugenie Reuter (1878/79–1942 Ghetto Theresienstadt), in Haigerloch;
    1) 1930 1941 Anna Keßler, Schausp., 2) London 1947 Christobel May Fowler, geb. Formby (* 1897), Lehrerin (s. W); kinderlos.

  • Leben

    |S. wuchs als jüngstes Kind der einzigen jüd. Familie in Freinsheim auf. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule und von Schulen in Dürkheim, Ludwigshafen und Frankenthal bis zum Einjährigen als Abschluß diente er in München beim Bayer. Infanterie-Leibregiment, jedoch als Jude ohne Aussicht auf eine Offizierslaufbahn. In dieser Zeit entwickelte er bei zahlreichen Theaterbesuchen seine Begeisterung für die Bühne. S. studierte Jura in Würzburg und Berlin (2. Staatsexamen 1910) und ließ sich anschließend als Rechtsanwalt in Ludwigshafen/Rhein nieder. Zu Beginn des 1. Weltkriegs wurde er dem Kriegsgericht in Landau zugeteilt, verließ jedoch aus gesundheitlichen Gründen den Militärdienst bald und siedelte 1916 nach München über, wo er, wenig erfolgreich, für kurze Zeit Leiter der Kammerspiele war. Seit 1917 schrieb S. Theaterkritiken, seit 1920 für die Münchner Neuesten Nachrichten. 1924 übernahm er die Leitung des in München erscheinenden „Simplicissimus“, 1929 wurde er Feuilletonchef des „Ulk“, der satirischen Beilage des „Berliner Tageblatts“. Nachdem er 1933 gezwungen worden war, diese Tätigkeit aufzugeben, wandte er sich zunehmend dem Judentum zu, u. a. als regelmäßiger Mitarbeiter der zionistischen „Jüd. Rundschau“. In Reaktion auf die Repressalien schrieb er eine Geschichte des Antisemitismus auf der Grundlage seiner Analyse der Figur des Shylock aus Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ (Shylock, The History of a Character or the Myth of the Jew, 1947, Nachdr. 1963, erw. dt. Ausg. mit e. Nachwort v. H. Braun, 1960). In dieser Studie verband S. seine Kenntnisse über das Theater, das Judentum und die Rechtswissenschaft (Fleischpfand). 1938 emigrierte er nach London, wo er eine untergeordnete Beschäftigung in einem Bücherlager fand (brit. Staatsbürger 1948). Nach dem Krieg hielt er bis 1948 Vorträge vor dt. Kriegsgefangenen, u. a. über Freinsheim, das Theater und den Freiherrn vom Stein. 1949/50 reiste er noch zweimal nach Deutschland.

    S. schrieb mehrere Romane (u. a. Die drei Kinder, 1917), in denen seine Freude an der Sprache und am Leben ebenso zum Ausdruck kommt wie in seiner postum erschienenen Autobiographie (Gelebt im Paradies, Erinnerungen u. Begegnungen, 1953, P). Von seiner Liebe zur Pfälzer Heimat, die er sein Leben lang beibehielt, zeugt seine Erzählung „An den Wassern von Babylon“ aus der gleichnamigen Anthologie (1920). Zur Erinnerung an S. richtete die Stadt Freinsheim in der Stadtbücherei ein H.-S.-Archiv ein und stiftete den renommierten, seit 1983 alle zwei Jahre vergebenen H.-S.-Preis für Literatur und Publizistik, den bisher u. a. Siegfried Lenz, Hilde Domin, Carola Stern, Marcel Reich-Ranicki, Christa Wolf und Walter Kempowski erhielten.

  • Auszeichnungen

    Gedenktafeln in Freinsheim, Geb.haus in d. Haintorstr., u. in Ludwigshafen, Ludwigstr., an d. Haus, wo S. seine Anwaltskanzlei betrieb (nach 1945 wiederaufgebaut).

  • Werke

    u. a. Peter Wildangers Sohn, 1919;
    Die Heimkehr n. Dtld., 1924;
    Der Schausp. Peter Unglaub, 1930;
    Al Rondo, 1932, Neuaufl. 1949;
    Sturz in d. Liebe, 1933, Neuaufl. 1953;
    Maria Nunnez, Eine jüd. Überlfg., 1934;
    Rabbi, Golem u. Kaiser, 1935;
    Am schwarzen Kreuz, 1957 (mit Nachwort v. Christobel Sinsheimer);
    Spatz in d. Kirschen, Kindheitserinnerungen aus d. Pfalz, hg. v. Christobel Sinsheimer, 1963 (Autobiogr.).

  • Literatur

    L Christobel Sinsheimer, H. S., Erinnerungen an d. Londoner J., in: Stimme d. Pfalz 21, 1970, S. 9 f.;
    O. Bischoff, An d. Wassern v. Babylon, H. S., in: ders., Dem Wort verschrieben, 1972, S. 36–40;
    H. S., Schriftst. u. Theaterkritiker, Eine Ausw. aus d. Gesamtwerk, hg. v. G. Weber u. R. Paulus, 1986 (W, L, P);
    B. Hain, H. S., ein Emigrantenschicksal, in: Der Aufbau v. 20. 6. 1986;
    J. Skolnik, „Dissimilation and the Historical Novel, H. S.s Maria Nunnez, in: Year Book of the Leo Baeck Inst. 43, 1998, S. 225–40;
    B. Hartlage-Laufenberg, Pfälzer u. Jurist, Jude u. Literat, H. S., in: NJW 52, 1999, H. 27, S. 1941–43;
    BHdE II;
    Lex. Pfälzer (P);
    Kosch, Theaterlex.;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L).

  • Autor/in

    Barbara Hartlage-Laufenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartlage-Laufenberg, Barbara, "Sinsheimer, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 469-470 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117403148.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA