Lebensdaten
1882 bis 1969
Geburtsort
Friedberg (Hessen)
Sterbeort
Mainz
Beruf/Funktion
klassischer Philologe ; Professor in Dorpat, Gießen, Breslau und Mainz
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117372110 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Süss, Wilhelm
  • Suess, Guilielmus
  • Süss, Guilelmus
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Zitierweise

Süss, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117372110.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Heinrich (1850–1940), aus rheinhess. Fam., Kreisschulrat in F.;
    M Karoline (Lina) Schäfer (1853–1890), aus odenwäld. Fam.;
    1924 Johanna Gottschalck.

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung am Gymnasium Augustinum in Friedberg studierte S. 1900–05 in Gießen, Berlin und München Klassische Philologie. Zu seinen Lehrern gehörte in München Eduard Wölfflin (1831–1908) und in Berlin Johannes Vahlen (1830–1911). 1904 wurde S. in Gießen mit einer Dissertation über die Personen der attischen Komödie promoviert, 1909 erfolgte hier seine Habilitation mit der Schrift „Ethos“ (1910), einer Arbeit aus der theoretischen Rhetorik. 1910 erhielt er in Leipzig die Venia legendi. 1915 wurde er zum ao. Professor ernannt, 1923 folgte er einem Ruf an die Univ. Dorpat (Tartu). Hier wirkte er trotz des immer stärker werdenden russ. Einflusses bis 1934, als er einem Ruf auf den lat. Lehrstuhl nach Gießen folgte, 1940 wechselte er nach Breslau. Im Febr. 1945 mußte S. unter Verlust seiner Bibliothek und seiner wiss. Materialsammlungen aus Breslau flüchten. 1947 wurde er als o. Professor der Klassischen Philologie (em. 1950) an die 1946 wiedergegründete Univ. Mainz berufen, wo er den Studiengang Latein aufbaute.

    In den ersten Jahren seiner wiss. Laufbahn beschäftigte sich S. weit stärker mit der griech. als mit der lat. Literatur. Auf Anregung Erich Bethes wurde S.s Hauptarbeitsgebiet die griech. Komödie, deren Personen er untersuchte und wo ihm die Entdeckung des Paares Alazon – Bomolochos (Marktschreier und Possenreißer) gelang. Diese Forschungen setzte er fort mit einer Ausgabe der „Frösche“ des Aristophanes, mit ausgewählten antiken Scholien und mit einer Schrift über die Rezeptionsgeschichte des Aristophanes in der Weltliteratur. In der 1910 veröffentlichten Habilitationsschrift untersuchte S. das Wort „Ethos“ als Begriff der Rhetorik. Bis zu seiner Leipziger Antrittsvorlesung stand die Theorie des Komischen in ihren rhetorischen und phil. Aspekten im Vordergrund seiner Forschungen.

    Eine besondere Bedeutung besaß für S. das Latein als Kommunikationsmittel: In der Nachfolge von J. Vahlen war Latein für ihn eine lebendige gesprochene Sprache, die er in Wort und Schrift in allen Situationen des täglichen Lebens souverän beherrschte und auch seinen Schülern weiter vermitteln wollte. Als Lehrveranstaltung bot er in Mainz regelmäßig Übungen im mündlichen und schriftlichen Gebrauch der lat. Sprache“ an. Die Hinwendung zum gesprochenen Wort war verbunden mit der Neigung zur Beschäftigung mit dem Latein in all seiner Vielfalt und seinen Sonderformen, so zum Vulgärlatein, zum Latein der röm. Komödie sowie zu Petronius und zur neulat. satirischen Dichtung (Johann Valentin Andreae, Turbo). Dazu gehörte auch die Sprache der frühen Christen und die der lat. Bibel sowie sein dem Latein der Humanisten gewidmetes wissenschaftsgeschichtliches Werk (1928). In den Breslauer Jahren galten S.s Forschungen v. a. Cicero. Das Ergebnis dieser durch Krieg und Vertreibung beeinträchtigten Untersuchungen war sein für einen breiteren Leserkreis bestimmtes Buch „Cicero“, aus dem „eine wahrhaft humanistische Gesinnung spricht“ (A. Weische). Das aus dem Gedächtnis rekonstruierte Breslauer Manuskript wurde 1966 mit Hilfe von Freunden, Kollegen und Schülern nach der Emeritierung von S. zur Veröffentlichung gebracht.

  • Werke

    u. a. De personarum antiquae comoediae Atticae usu et origine, 1905 (Diss.);
    Ethos, Studien z. älteren griech. Rhetorik, 1910, Nachdr. 1970 (z. T. Habil.schr.);
    Über den Turbo d. Johann Valentin Andreae, in: Neue Jbb. f. d. Klass. Altertum, Gesch. u. dt. Lit. 11, 1908, S. 343–56;
    Das Problem des Komischen im Altertum, ebd. 23, 1920, S. 28–45;
    Ed.: Bacchylides, carmina cum fragmentis ed. F. Blass, 41912;
    Hestia, in: RE VIII, 1912, Sp. 1257–1312;
    Aristophanes u. d. Nachwelt, 2 Bde., 1911;
    Aristophanes, Die Frösche, Mit ausgew. antiken Scholien, 1911, Neudr. 1935;
    De Graecorum fabulis satyricis, 1924;
    De eo, quem dicunt inesse Trimalchionis Cenae sermone vulgari, 1926;
    Petronii imitatio sermonis plebei, qua necesssitate coniungatur cum grammatica illius aetatis doctrina, 1927;
    Karl Morgenstern (1770–1852), 1928;
    Zu Lucilius, in: Hermes 62, 1927, S. 342–56;
    Die dramat. Kunst in d. phil. Dialogen Ciceros, ebd. 80, 1952, S. 419–36: Zur Cistelaria d. Plautus, in: Rhein. Mus. 87, 1938, S. 97–141;
    Das Drama Querolus sive Aulularia, ebd. 91, 1942, S. 59–122;
    Studien z. lat. Bibel, Augustins Locutiones u. d. Problem d. lat. Bibelsprache, 1932;
    Das Problem d. lat. Bibelsprache, in: HVjs. 27, 1932, S. 1–139;
    Cicero, Eine Einf. in seine phil. Schrr. mit Ausschluß d. staatspol. Werke, 1966;
    Lachen, Komik u. Witz in d. Antike, 1969 (posthum);
    Übers.:
    J. V. Andreae, Turbo oder d. irrende Ritter v. Geist, 1907.

  • Literatur

    W. Marg, in: Allg. Ztg. (Mainzer Anz.) v. 18. 7. 1969;
    A. Weische, in: Gnomon 38, 1966, S. 738–40;
    A. Thierfelder, ebd. 42, 1970, S. 638–40;
    W. S. 1882–1969, Reden b. d. Gedächtnisfeier d. Phil. Fak. d. Johannes Gutenberg-Univ. in Mainz am 27. 11. 1969, 1971 (Btrr. v. H. Buchheim, A. Thierfelder u. R. Kassel;
    P;
    W-Verz.);
    W. Strieht, in: Mitt. d. Landesverbandes Rheinland-Pfalz im Dt. Altphilologenverband, Nr 1, 1970;
    H. Braun, Es war einmal, in: Nachrr.bl. ehem. Augustinerschüler, Nr. 66, Aug. 1970;
    A. W. Pickard, Dithyramb, Tragedy, and Comedy, 21966, S. 174 f.;
    BBKL 17.

  • Autor/in

    Wolfhart Unte
  • Empfohlene Zitierweise

    Unte, Wolfhart, "Süss, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 679-680 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117372110.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA