Lebensdaten
1795 bis 1864
Geburtsort
Meedl bei Neustadt (Medlof, Mähren)
Sterbeort
Bockenheim bei Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Geiger ; Dirigent ; Musikschriftsteller ; Beethoven-Biograph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117271977 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schindler, Anton Felix
  • Schindler, Anton
  • Schindler, Anton Felix

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Zitierweise

Schindler, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117271977.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joseph (1758–1835), Lehrer, Chorrektor;
    M Susanna Kristen;
    1 B, 10 Schw u. a. Marie ( 1882), Schausp. in Mannheim, Erbin v. S.s Nachlaß mit zahlr. Dok. u. Objekten aus Beethovens Besitz; – ledig.

  • Leben

    Vom Vater in die Grundlagen der Musik eingewiesen, besuchte S. 1811-13 das Gymnasium in Olmütz und ging 1813 nach Wien, um Jura zu studieren. Ein Examen ist nicht nachweisbar, doch war er 1817-22 in der Kanzlei von Johann Baptist Bach in Wien beschäftigt. Als fähiger Geiger fand S. bald Aufnahme in guten Kammermusik-Ensembles und machte 1814 zufällig die Bekanntschaft Ludwig van Beethovens. Frühestens 1817 trat S. zu Beethoven in näheren Kontakt, und wurde 1820 dessen „unbezahlter Sekretär“. Seit 1822 wohnte er im selben Haus und war fast täglich mit dem Komponisten zusammen. Nach ungerechtfertigten Vorwürfen Beethovens, S. habe Gewinne aus einem Konzert unterschlagen, kam es im Mai 1824 zum Bruch, doch wurde 1826 der Streit beigelegt und der alte Kontakt wieder aufgenommen.

    Nach Beethovens Tod 1827 lebte S., der 1822 Dirigent am Josefstädter Theater und seit 1825 am Kärntnertortheater gewesen war, als Privatlehrer in Pest, kehrte aber 1829 als Lehrer am Gesangsinstitut des Kärtnertortheaters nach Wien zurück. 1831 übernahm er die Leitung des Musikvereins Münster, 1835-40 war er städt. Musikdirektor in Aachen. 1841-43 unternahm er Reisen nach Paris und Berlin und traf hier mit fast allen großen Musikern seiner Zeit zusammen. Seinem einzigen bedeutenden Schüler, Franz Wüllner (1832–1902), zuliebe zog er 1848 nach Frankfurt/M. und wohnte seit 1856 in Bockenheim.

    Als Dirigent, Musikschriftsteller und Lehrer setzte sich S. mit Eifer für Beethovens Werk ein, wobei der von ihm erhobene Anspruch auf das Primat der Beethoveninterpretation bei den Zeitgenossen vielfach auf Widerspruch stieß. Etwa 1837 begann S. mit der Niederschrift seiner Beethoven-Biographie, die 1840 im Druck erschien (21845, 31860, 1871, mehrere Nachdrr.) und trotz inzwischen zahlreich nachgewiesener Fehler und Irrtümer als Dokument eines Zeitzeugen bleibenden Wert besitzt. Genaue philologische Arbeitsweise und kritische Quellenedition waren S. fremd, wie auch sein Umgang mit ursprünglich über 400 Konversationsheften aus Beethovens Nachlaß zeigt. Den größten Teil der Hefte hat S. vernichtet, in den verbliebenen nachträglich Eintragungen vorgenommen. 1846 übergab er 137 Hefte zusammen mit einem großen Teil seiner Beethoven-Sammlung an die kgl. Bibliothek in Berlin, die ihm hierfür eine Leibrente gewährte.

  • Werke

    Messen, Lieder, Kammer- u. Klaviermusik ; weitere Schrr.:
    Beethoven in Paris, 1842;
    Ästhetik d. Tonkunst, 1846 (Ms.);
    Aufss. u. Kritiken u. a. f. d. Niederrhein. Musikztg.postum: A. S., der Freund Beethovens, Sein Tageb. aus d. J. 1841–43, hg. v. M. Becker, 1939.

  • Literatur

    ADB 31;
    E. Hüffer, A. F. S., d. Biograph Beethovens, 1909;
    D. Beck u. G. Herre, A. S.s fingierte Eintragungen in d. Konversationshh., in: Zu Beethoven, Aufss. u. Annotationen, hg. v. H. Goldschmidt, 1979, S. 11-89;
    D. Kämper, „Konservator d. Beethovenschen Traditionen“? Aus d. Jugendbriefen Franz Wüllners an A. S., in: Die Sprache d. Musik, FS K. W. Niemöller z. 60. Geb.tag, hg. v. J. P. Fricke, 1989, S. 303-21;
    H. Unverricht, A. F. S.s Geb.j.: 1795 od. 1798?, in: Mitt. d. österr. Ges. f. Musikwiss. 1995, Nr. 28, S. 16-18;
    R. Federhofer-Königs, A. S.s Briefe an Robert Schumann, Ein Kaleidoskop z. musikal. Zeitgeschehen, in: FS Ch.-H. Mahling z. 65. Geb.tag, hg. v. A. Beer u. a., 1997,| S. 341-60;
    H. Lühning, Das S.- u. d. Beethoven-Bild, in: Bonner Beethoven-Studien 2, 2001, S. 183-200;
    Wurzbach;
    Riemann mit Erg.bd., MGG;
    New Grove;
    New Grove;
    ÖBL;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    Frankfurter Biogr. (P).

  • Autor/in

    Marion Brück
  • Empfohlene Zitierweise

    Brück, Marion, "Schindler, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 788-789 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117271977.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schindler: Anton Felix S., Musiker und Schriftsteller, geboren 1795 zu Medl bei Mährisch-Neustadt, am 16. Jan. 1864 zu Bockenheim bei Frankfurt a. M. Zeigte ursprünglich viel Talent für Musik, studirte aber am Gymnasium zu Olmütz und absolvirte die damalige „Philosophie“. Nebstbei beschäftigte er sich leidenschaftlich mit Musik, was ihn nach Wien geführt haben dürfte. 1814 war S. sicher schon in Wien. Ende Februar 1815 kam er als Erzieher nach Brünn. Später kehrte er wieder nach Wien zurück, wo er in Beethoven's Kreise eintrat und Jahre lang eine Art unbesoldeter Secretär des genannten Tonmeisters war, der sich für ihn zu interessiren begann, als S. in Brünn unverdienter Weise mit der Polizei in Berührung kam. S. war dem, damals schon sehr schwerhörigen, in allen praktischen Dingen unbehülflichen Beethoven Jahre lang eine wirkliche Stütze und dem Meister aufrichtig ergeben. Eine ernstliche Störung erlitt das Verhältniß nur vorübergehend im J. 1824 nach der denkwürdigen Akademie im Mai. Schon im Herbst desselben Jahres war alles wieder beim Alten. Und S. hielt denn auch bei Beethoven (wenn auch nicht ohne jede Klage) aus, bis zu dessen Tode (1827). 1831 verließ S. Wien, um als Musikdirector nach Münster zu gehen. 1835 ging er als „Musikdirector und Professor der Tonkunst“ nach Aachen, kehrte 1842 aber wieder nach Münster zurück. Später finden wir ihn in Bockenheim bei Frankfurt a. M., wo er 1858 auch die Vorrede der dritten Auflage seiner Beethovenbiographie verfaßte und wo er (1864) starb.

    Schindler's Bedeutung liegt weder in seinem Musikerthum, noch in seinen schriftstellerischen Arbeiten, wohl aber in seinen nahen Beziehungen zu Beethoven. Der große Componist hatte in seinen letzten Stunden seine Freunde Rochlitz und St. v. Breuning zu seinen Biographen bestimmt und ihnen einige Behelfe für die Arbeit angedeutet. Breuning starb bald darauf. Rochlitz lehnte ab. S. hatte von der Wittwe Breuning die auf Beethoven bezüglichen Papiere erhalten und arbeitete in der Folge eine werthvolle Biographie des Meisters aus. 1840 erschien die erste Auflage (Münster bei Aschendorff). Bald folgte eine Schrift „Beethoven in Paris“, die besonders von der Aufnahme der Beethoven'schen Musik in der französischen Hauptstadt handelt (die vierte Auflage seiner Beethovenbiographie erschien 1871). Neben diesen großen Arbeiten, die sich übrigens nicht immer durch mustergültiges Deutsch auszeichnen, verfaßte S. auch viele kleinere für mehrere Zeitschriften. Mancher Federkrieg wurde ausgefochten; 1835 trat S. z. B. gegen die Echtheit der „Studien Beethoven's im Generalbaß“ auf, die J. v. Seyfried 1832 herausgegeben hatte. Spätere kritische Studien haben S. Recht gegeben. Die Plänkeleien wegen der Aufführung Beethoven'scher Werke bei einem niederrheinischen Musikfeste spielten sich in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ von 1844 ab und in Hirschbach's „Repertorium“ (bes. S. 337 und 372 f.) Eine Menge Einzelheiten über Schindlers Verkehr mit Beethoven erfährt man aus Beethoven's zahlreichen Briefen und Billeten an S. selbst und an andere vertraute Freunde des Meisters, aus Schindler's „Biographie von Ludwig van Beethoven“, sowie aus Schindler's Briefen an Ign. Moscheles (vgl. „Aus Moscheles Leben“, Leipzig 1872, I. Bd.). S. als Quelle für die Lebensgeschichte Beethoven's wird vielfach kritisch beleuchtet in A. W. Thayer's Beethovenbiographie.

  • Autor/in

    Th. Frimmel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Frimmel von Traisenau, Theodor, "Schindler, Anton" in: Allgemeine Deutsche Biographie 31 (1890), S. 287 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117271977.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA