• Genealogie

    V Arnold (1870–1948), Beamter, S d. Landwirts Bernard u. d. Katharina Kaufmann;
    M Hedwig (1877–1903), T d. Lehrers Friedrich Schmitz in Elberfeld u. d. Huberta Peth;
    Frankfurt/M. 1938 Cläre (* 1910), Ärztin, T d. Kaufm. Walter Möller u. d. Olga Müller;
    2 S.

  • Leben

    Nach Besuch der Gymnasien in Höxter und Warburg (Westf.) erhielt J. eine Lehre bei einem Kirchen- und Dekorationsmaler in Lippspringe bei Paderborn. Es folgten 5 Semester Kunstschule in Kassel und 5 Semester an der Kunstakademie in Düsseldorf in der Bühnenklasse von Prof. v. Wecus. Gleichzeitig erhielt J. eine praktische Ausbildung als Theatermaler an den Düsseldorfer Bühnen. 1926-30 war er Bühnenbildner in Krefeld, Mönchen-Gladbach und Aachen, 1930-38 Ausstattungsleiter an den Städt. Bühnen in Düsseldorf. 1938-45 arbeitete er in derselben Position an den Städt. Bühnen in Frankfurt/Main. Von hier aus begann er seine Tätigkeit als Gastbühnenbildner in Budapest, Prag und Barcelona. 1948 wurde J. Chefbühnenbildner der Bayer. Staatsoper in München und arbeitete außerdem für die Opernhäuser in Hamburg, Düsseldorf, Rom, London, Neapel, Athen sowie für die Salzburger Festspiele. 1953 wurde er als Nachfolger von Emil Preetorius zum Leiter der Bühnenbildnerklasse der Akademie der bildenden Künste in München berufen. Viele Jahre entwarf er die Musica-Viva-Plakate,|die außergewöhnliche künstlerische Qualität besaßen.

    J.s besondere Vorliebe galt der modernen Oper. Uraufführungen der Werke von Egk, Orff, Reuther, Hindemith, Killmayer, Henze und Frank Martin erfuhren durch ihn ihre erste und oft für viele Jahre richtungsweisende Deutung durch die von ihm geschaffenen Bühnenräume und Kostüme. Er entwickelte einen kultivierten Stil ohne jeden Manierismus, mit einer betont handwerklichen Gesinnung für theatralische Möglichkeiten, der jeweils die Interpretation des Werkes durch die Regie mit den legitimen Mitteln der Bühne (Architektur, Malerei, Farbe und Licht) nicht nur unterstützte, sondern darüber hinaus ihr adäquat war. J. versuchte, alles Gegenständliche nur noch auf das zu beschränken, was dem jeweiligen Werk den höchstmöglichen Ausdruck gab und zum inneren „Wesen“, nicht zum äußeren „Aspekt“ des Werkes gehörte. Er war souverän in der Umsetzung des geistigen und künstlerischen Gehaltes eines Bühnenwerkes in die optische Welt. Er wiederholte sich nicht, vermochte es stets, neu zu variieren. In 15 Jahren seiner Münchner Tätigkeit hat er für über 100 Werke die szenischen Realisationen geschaffen. Freie Arbeiten J.s sind kaum bekannt geworden, sie waren nur für ihn selbst bestimmt.|

  • Auszeichnungen

    Bayerischer Verdienstorden (1959); Preis z. Förderung d. interpretierenden Kunst d. Landeshauptstadt München (1962).

  • Werke

    Abb. zahlr. Münchner Arbb., in: Oper, Essays zeitgenöss. Komponisten, Bühnenbilder v. H. J., hrsg. v. d. Ak. f. Graph. Gewerbe München, 1962;
    - Ausstellungen: Berlin, 1938;
    Zürich, 1963. |

  • Nachlaß

    Nachlaß im Bes. d. Witwe, München.

  • Literatur

    O. Schuberth, Das Bühnenbild, 1955 (Abb.);
    K. A. Hartmann, in: ders., Kleine Schrr., hrsg. v. E. Thomas, 1965;
    A. R. Mohr, Die Frankfurter Oper 1924–44, 1971 (Abb.);
    Kosch, Theater-Lex.

  • Portraits

    Zeichnung v. W. Gilles, 1934 (München, Bayer. Staatsoper);
    Phot. (ebd., im Bes. d. Witwe u. im Theatermus. München).

  • Autor/in

    Rolf Badenhausen
  • Empfohlene Zitierweise

    Badenhausen, Rolf, "Jürgens, Helmut" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 647 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117222038.html#ndbcontent

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