Lebensdaten
1522 bis 1595
Geburtsort
Schweidnitz (Schlesien)
Sterbeort
Buchenbach/Jagst
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 117201650 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Irenaeus, Christoph
  • Irenäus, Christoph
  • Irenaeus, Christoph
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Zitierweise

Irenäus, Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117201650.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    1) 6.9.1551 Irene ( 1582), T d. Petrus Plateanus ( 1551), Schulrektor in Zwickau, Sup. in Aschersleben (s. ADB 26), 2) 1582 Veronika N. N.;
    S (?) aus 1) Wolfgang ( 1577 Anna, T d. Matthias Flacius Illyricus, 1575, ev. Theologe, s. NDB V).

  • Leben

    I. ging bei Valentin Trotzendorf zur Schule und studierte seit 1544 in Wittenberg. Schulrektor war er von 1545 bis 1547 in Bernburg, danach in Aschersleben. 1549 wurde er Wittenberger Magister. In Aschersleben übernahm er 1552 das Diakonat, wurde am 2.11.1552 ordiniert und 1559 Archidiakon. 1562 wurde er Pfarrer in Eisleben, wo er sich mit Flaciusanhängern befreundete. 1566 berief Hzg. Johann Wilhelm von Sachsen den Flazianer I. als Hofprediger nach Coburg und nahm ihn später mit nach Weimar. I. verfaßte die „Confutation …“ (1567, anonym ersch.), mit der Johann Wilhelm die flazianischen Anschauungen durchsetzte. Dies kostete Professoren in Jena, Superintendenten und 10% der Pfarrer die Stellen, welche mit Flazianern besetzt wurden. I. nahm am Altenburger Kolloquium (21.10.1568-9.3.1569) teil, durch das die Gegensätze unter den Lutheranern verschärft wurden. 1570 wurde I. Superintendent in Neustadt an der Orla, da er Kf. August so angegriffen hatte, daß er als Hofprediger in Weimar untragbar war. 1571 kam seine „Ephorie“ in die Hände des Kurfürsten, er floh vor ihm nach Weimar. Die Flazianer zerstritten sich über die Behauptung des Flacius, die Erbsünde sei die Substanz der Menschen, und setzten 1572 die radikalen Verfechter ab, mit ihnen I., der den Streit nach Mansfeld verpflanzte, aus dem er 1574 fliehen mußte. – Auf seinem nachfolgenden Wanderleben fand er 1579-82 in Buchenbach, von wo aus er die Konkordienformel heftig bekämpfte, eine Unterkunft und 1582-85 in Horn (Niederösterreich) eine Pfarrstelle. Aus beiden Orten wurde er vertrieben. Seit 1589 scheint er in Buchenbach zur Ruhe gekommen zu sein.

  • Werke

    Weitere W außer Predigten: Symbolum Apostolicum … ausgelegt, 3 Bde., 1562 f.;
    Kirche. Gemeine d. Heiligen, Vergebung d. Sünden, 1563;
    Auferstehung d. Fleisches, 1565;
    Recept f. d. Verfolger, 1566;
    Wasser-Spiegel, 1566;
    Warnung u. ursachen das man nicht in e. Amnestiam u. Stilschweigen d. Irthumer u. Corrupteln … willigen soll, 1569;
    Erzelung, wie d. Rel.streit Victorini in Thüringen geschlichtet worden sey, o. J;
    Spiegel d. ewigen Lebens, 1572;
    Beweis v. d. Menschen Zustande n. d. Fall, 1572;
    Ernste Erinnerung u. Straffschr. an Mencelium, Fabricium, Roth &, 1574;
    Censuren u. Urteil d. Hl. Propheten, Christi u. d. Apostel üb. d. Lehre v. d. Erbsünde, 3 T., 1574, 1579;
    Apostasie od. Abfall v. d. wahren Lehre, 1575;
    Spiegel d. Höllen u. Zustand d. Verdammten, 1579, 1588;
    Merkliche Partikel d. … Formel Concordien, 1580;
    Examen d. ersten Artickels d. Formulae Concordiae, 1581;
    Vordrab u. Wirbel-Geist, …, 1581;
    Contrafet u. Spiegel d. Menschen …, 1582;
    Wächterhörnlein, u. trewe Warnung f. … d. Concordisten od. Accidensschwermer, 1583;
    Gründl. Ber. auf d. Examen wieder d. Articul v. d. Erb-Sünde, 1583;
    Von d. neuen Dogmate d. todten Erbsünder …, 1583;
    Christl. Lehre u. Ber. vom Bilde Gottes,…, 1585;
    De Monstris, 1585;
    Spiegel d. Höllen u. d. Verdammten, 1588;
    Spiegel d. ewigen Lebens u. d. Seligen, 1589, 1595;
    Postilla, 1590;
    Eine christl. u. rechte Form u. Weise d. Beichte …, 1592;
    Ev. Gnaden-Spiegel wieder d. schreckl. Zorn-Spiegel d. Gesetzes, 1593.

  • Literatur

    ADB 14;
    H. Heppe, Gesch. d. dt. Protestantismus in d. J. 1555-81 II, 1853, S. 205-31, 277-88, 315-30;
    R. Herrmann, Thür. KG II, 1947;
    PRE;
    RGG

  • Autor/in

    Helmar Junghans
  • Empfohlene Zitierweise

    Junghans, Helmar, "Irenäus, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 178 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117201650.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Irenaeus: Christoph J., lutherischer Theologe, gebürtig aus Schweidnitz, ein Schüler Valentin Trotzendorff's in Goldberg und Melanchthon's in Wittenberg, war zuerst Diakonus in Aschersleben, dann zweiter Hofprediger in Weimar. In den Sturz der Flacianer mitverwickelt, ging er 1562 nach Eisleben als Pfarrer zu St. Peter. Aber 1568 ward er von Herzog Johann Wilhelm als erster Hofprediger nach Weimar zurückgerufen, als welcher er am Colloquium zu Altenburg (im Ortober 1568) und an der Visitation der fürstlichen Kuchen im Frankenland (1570) Theil nahm. Als Kurfürst Friedrich von der Pfalz Beschwerde führte über das unchristliche Verketzern in Weimar, erfolgte ein herzogliches Verbot des Wortgezänkes und die Versetzung des J., welcher gegen Jakob Andreä als einen Mann, der um zeitlichen Friedens willen die göttliche Wahrheit verdunkeln wolle, gepredigt, und gegen den Orden der neuen Jakobsbrüder geschrieben hatte, als Superintendent nach Neustadt an der Orla. Aber schon nach Jahresfrist mußte er als Anhänger des Flacius in der Erbsündenlehre nocte silente von dort entweichen. Noch in demselben Jahre (1572) wohnte er dem Colloquium auf dem Schlosse des Grafen Vollrath zu Mansfeld zwischen Flacius und der dortigen Geistlichkeit bei und hielt sich daselbst auf, solange die Flacianer geduldet wurden. Dann wanderte er als Flacianischer Exulant umher, dem selbst seine Vaterstadt Schweidnitz den Aufenthalt wehrte. Um das J. 1580 zog er nach Oesterreich, dem Asyle der aus Deutschland vertriebenen Flacianer, und nahm als Senior und Prediger zu Hörn in Niederösterreich an den dortigen Flacianischen Bewegungen Antheil, bis er 1584, weil er kein „Accidens-Patron“ war, von dem ungnädigen Herrn Dieterich v. Puchaim ohne Abfertigung mit anderen Flacianern entlassen wurde. So ward er aufs neue ein Exul Christi. Im J. 1595 ließ er noch einen „Spiegel des ewigen Lebens“ drucken, seitdem ist er verschollen. Die Katholiken rechneten ihn unter die Autores damnatos primae classis, die Protestanten rühmten ihn als „christlichen Eiferer, allen Corruptelen und anschleichenden Secten widerwärtig". Von seinen theils praktischen, theils polemischen Schritten beziehen sich dir letzteren zumeist auf des Flacius' Streit über die Lehre von der Erbsünde: „Ob die Erbsünde sei die verderbte menschliche Natur und Wesen, oder ein unterschieden Accidens". Aus ihnen sind hervorzuheben: „Christliche Lehre und Bericht vom Bilde Gottes, dazu der Mensch anfangs geschaffen“ (Ursel 1585) und sein „Examen des ersten Artikels und des Wirbelgeistes im neuen Concordienbuche von der Erbsünde“ (1581), welches im dritten Theile der Apologie des Concordienbuches unter dem Titel „Gründlicher Bericht auf das Examen M. Christoph. Irenaei, so er a. 1581 wider den ersten Artikel des christlichen Concordienbuchs von der Erbsünde durch offenen Druck ausgesprengt“ (1583), von Timotheus Kirchner widerlegt wurde.

    • Literatur

      Außer der von E. Schwarz in Herzog's Realencyklopädie, XIX. 678 f. angeführten Litteratur ist noch besonders zu erwähnen B. Raupach, Presbyterologia Austriaca (Hamburg 1741), S. 69—73 und Supplem. S. 43.

  • Autor/in

    G. Frank.
  • Empfohlene Zitierweise

    Frank, G., "Irenäus, Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 582 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117201650.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA